Aus den Streams – Medien- und Presseschau vom 13. Juli

Die vergleichsweise kurze Preszeschau vom 12. Juli hatte deutlich weniger Veröffentlichungen vom 12. Juli als dieser Beitrag:

Bildblog, 13. Juli: Richter halten sich an Vorschriften? Das macht „Bild“ wütend
"Mit der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland kann die „Bild“-Redaktion derzeit nicht viel anfangen. Am Montag veröffentlichte sie eigenmächtig Fahndungsaufrufe, wozu es normalerweise eine richterliche Anordnung braucht. Gestern offenbarte ihr Oberchef sein ganz eigenes Verständnis davon, wann das Recht am eigenen Bild verletzt ist. Und heute sind die Mitarbeiter von „Bild“ und Bild.de „wütend“, weil Richter sich an Vorschriften halten."
Cicero, 13. Juli: Zeitenwende - Die linke Ära ist vorbei
"Mut in öffentlichen Diskursen ist aber zu Gratismut mutiert. Es ist Mut gegenüber jenen, mit deren Wehrlosigkeit man rechnet. Es ist Mut im Angesicht von Gegnern, die nicht zurückschlagen, des amerikanischen Präsidenten etwa, des Papstes oder internationaler Konzerne, ist selten Mut im Angesicht der veröffentlichten Meinung, der Konsensmoral oder der wirklich gefährlichen Widersacher. Man demonstriert vor Kirchen, nicht vor Moscheen, für Diversität; fordert Toleranz lieber von Warschau als von Teheran, verurteilt Tel Aviv, nicht Sanaa. Auch dieser linke Begriffsreduktionismus kommt an sein natürliches Ende. An echtem Mut herrscht Mangel, weil es zu viel Gratismut gibt."
Frankfurter Neue Presse, 13. Juli: OB muss Facebook-Posting löschen – Feldmann unterliegt vor Gericht gegen AfD und Frauke Petry
"Rechtsanwalt Christian Conrad, der die AfD in diesem Fall vertrat, nahm den Erfolg zum Anlass, nochmal auszuteilen. 'Mit den Ressourcen eines Regierungsamtes politische Konkurrenten niederzumachen sollte diktatorischen Regimen vorbehalten bleiben. Deutschland ist nicht die Türkei.", so der Kölner Jurist. "Leider begreifen viele Politiker nicht, dass sie nach der Wahl in ein Amt nicht mehr nur Parteipolitiker sind, sondern die Vertreter aller Bürger.'"
Cicero, 13. Juli: Islam – Ist der Koran ein Buch der Gewalt?
"Islam und Fußball haben eines gemeinsam: die vielen Experten. Den Fußball macht das gerade interessant. Islamkritik, die auf Halbwissen beruht, ist dagegen ein Problem. Die darin enthaltenen Lücken und Ungenauigkeiten werden mit Projektionen gefüllt – düstere Bilder, die mehr mit uns als der Sache selbst zu tun haben."
Guardian, 12. Juli: Want to fight climate change? Have fewer children
"The greatest impact individuals can have in fighting climate change is to have one fewer child, according to a new study that identifies the most effective ways people can cut their carbon emissions."
Juris, 12. Juli: Biologische Vielfalt: Zwölf weitere Arten auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten
"Die Liste umfasst Tier- und Pflanzenarten, die die europäische Artenvielfalt und Biodiversität bedrohen, indem sie einheimische Arten verdrängen und wirtschaftlichen Schaden verursachen. Die zwölf neu gelisteten Arten reichen von der Bisamratte bis zum Alligatorkraut. Die Mitgliedsstaaten sollen verhindern, dass invasive Arten gezüchtet, verkauft oder weitertransportiert werden."
Salonkolumnisten, 12. Juli: Bürgerliche Linksradikale
"Zwischen Links- und Rechtsradikalismus gibt es einen entscheidenden Unterschied, der erklärt, warum Medien und Politik sich schwer tun, Linke so hart anzufassen wie Rechte. Es liegt an der Herkunft der linken Gewalttäter."
Vice, 12. Juli: Wir haben Jörg Kachelmann gefragt, warum der Sommer so scheiße ist
"Wir erleben 2017 bisher einen überdurchschnittlich warmen und sonnigen Sommer, aber das kollektive Bewusstsein wähnt sich im Gegenteil. Viele Leute scheinen im Ernst zu glauben, wir wären nicht nur Papst gewesen, sondern seien jetzt auch noch Mallorca. Wir haben einen Bildungsnotstand in Sachen Wetter."
Welt, 12. Juli: Nationen-Ranking – Um Deutschland steht es schlechter als gedacht
"Während Deutschland im IMD Index jüngst auf Platz 13 zurückgefallen ist, kommt Europas größte Volkswirtschaft bei der globalen Börsenstärke nur auf einen schwachen 28. Platz. Damit liegt die Bundesrepublik hinter den Philippinen und Spanien und nur knapp vor China. Die kapitalistische Industrienation Deutschland erreicht also in etwa das gleiche Niveau wie der offiziell kommunistische Staat."
Welt, 12. Juli: Flüchtlingskrise – Der „Bürgerkönig“ der SPD wird in die rechte Ecke gestellt
"Christian Ude fühlt sich an die Zeiten von Studentenprotest und Radikalenerlass in den 70er-Jahren erinnert: „Damals hieß es: Ein vernünftiger Satz und schon bist Du Kommunist. Jetzt stellt man eine kritische Frage, und schon landet man in der rechten Ecke.“ Dort will er aber überhaupt nicht hin. Der Münchner Alt-Oberbürgermeister ist seiner SPD und dem bürgerlich-linken Milieu nach wie vor verbunden – konfrontiert dieses Lager aber mit ein paar politischen Lebenslügen."
Huffington Post, 11. Juli: Deutschland ist nicht meine Heimat und wird es niemals sein: Was es bedeutet, als Syrerin in Deutschland aufzuwachsen
"Jedoch werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich im chronischen Culture Clash befinde. Die Melange aus Zeitgeist und meiner Herkunft kreiert den fruchtbaren Boden für meine Identitätsprobleme."
FAZ, 11. Juli: Ökonomisierung der Bildung – Die Trauer der Universitäten
"Die neoliberale Ideologie hat zu einer radikalen Veränderung von Schule und Hochschule geführt. Denn wenn Erkenntnis durch Kompetenz ersetzt wird, bleibt von der Bildung nichts mehr übrig: In Frankfurt tagte die erste Inkompetenzkonferenz."
Achgut, 8. Juli: Dumm, dümmer, Stegner
"Ralf Stegner, der charismatische Landes- und Fraktionsvorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein und einer der stellvertretenden Vorsitzendes der Bundes-SPD, denkt auch gerne um zwei Ecken. Seine Spezialität ist es, jede Niederlage der SPD zu einem Sieg oder der Chance auf einen Sieg umzudeuten. Und er twittert alle Naslang neue Wasserstandsmeldungen über seinen Gemütszustand."
Stuttgarter Nachrichten, 7. Juli: Der Fall des Boris Palmer – Der grüne Sarrazin
"Der Tübinger Oberbürgermeister und Sohn des einstigen Remstalrebellen Helmut Palmer war ein grüner Hoffnungsträger. Dann aber hat er als Kommunalpolitiker hautnah mit erleben müssen, welche Folgen die von seiner Partei so heftig beklatschte Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel hat. Und er kann einfach den Mund nicht halten. Heute nennt man Palmer den „grünen Sarrazin“. "
Ostthüringer Zeitung, 14. Juli 2015: Vor genau 55 Jahren in der DDR: Ex-Offizier Manfred Smolka wird geköpft „aus erzieherischen Gründen“ (€)
"Manfred Smolka starb unter dem Fallbeil. Zuvor hatte man ihn an der deutsch-deutschen Grenze in einen Hinterhalt gelockt, noch auf bundesdeutschem Gebiet niedergeschossen und in die DDR verschleppt. Dem „Verräter“ sollte der Prozess gemacht werden und zur Warnung an einstige Kameraden der Grenzpolizei hatte der mit einem Todesurteil zu enden."
NZZ, 9. Juli 2015: Wohlstand – Das Gastmahl der Geistlosen
"Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren. Wir haben uns in einen Zustand der Wohlstandsbehinderung hineinpäppeln lassen."

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.