Bismarck über den "Sieger von Sedan", Goethe und Kinderwagen?

Wenn im Rahmen eines Forums den Zeit-Artikel Schwangerschaftsabbruch – Ich schaff das nicht vom 22. Februar diskutiert wird und einer der Diskutanten eine Grafik mit Bismarck und einem ihm zugeschriebenen Zitat einwirft – hier nachgebaut – ...

dieses Zitat wird Bismarck zugeschrieben, allein die Quellensuche ist "kritisch"

... und man bei der Suche nach der Quelle relativ prominent unter den Suchergebnissen die Variante

"Eine deutsche Mutter, die ihren Kinderwagen vor sich herschiebt, kann zum Sieger von Sedan und zum Schöpfer des Faust sagen: ,Gehen Sie mir aus dem Wege!"

von der Facebook-Seite der "Identitären Bewegung Bayern" findet, und diese Variante auch im eher unverdächtigen Forum bfriends.brigitte.de (Beitrag von "HolleyShiftwell" vom 26. Juni 2014, 20:50 Uhr) vorkommt, während beispielsweise in der Kommentarspalte des Compact-Artikels "Die Kinderfeinde" die kürzere Variante ohne "deutsch" benutzt wird, dann fragt man sich schon: Geht es auch ein wenig präziser – zum Beispiel mit einer Quellenangabe?

Die klassischen Anlaufstellen für griffige Zitate, um sie beispielsweise im Rahmen einer Grußkarte zu verwenden, wo es üblicherweise nicht auf wissenschaftliche oder journalistische Genauigkeit ankommt, zeigen jedenfalls keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Das gilt für gutezitate.com ebenso wie für aphorismen.de, denn beide Seiten verwenden das Zitat ohne Quellenangabe.

Noch schlechter sieht es auf Wikiquote aus, denn Wikiquote > Otto von Bismarck kennt das Zitat gar nicht.

Die nächste Anlaufstelle: Google Books und hier explizit der "neutrale" Suchbegriff (d.h. ohne "deutsch") "zum Sieger von Sedan und zum". Es gibt zehn (in arabischen Ziffern: 10) Ergebnisse. Die beiden ältesten Fundstücke

machen es genau wie ihre modernen Online-Epigonen und geben ausweislich der Vorschau selbst keine Quellen an.

Angesichts dieser Ergebnisse lässt sich durchaus in Frage stellen, ob der "Eiserne Kanzler" und Schöpfer von "Deutschland in den Grenzen von 1871" diese Aussage wirklich getätigt hat. Offen bleibt indes, woher das Zitat kommt und, sofern es eine Fremdkreation ist, welche Intention hinter der erstmaligen Verwendung stand.

PS: Ansonsten spuckt die Google-Suche u.a. einen kritischen Beitrag auf "Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?" aus. Die Kernaussage: Man muss das Zitat im Kontext sehen – denn zu Bismarcks Zeiten war a) die Anzahl der Kinder höher, b) das Risiko bei der Geburt höher und c) der Aufwand im Haushalt deutlich höher, weil der Komfort deutlich niedriger war (explizit wird dabei u.a. auf Elektroherd, Mikrowelle, Geschirrspüler, Waschmaschine, Wäschetrockner, Zentralheizung und fließend warmes Wasser verwiesen).