„Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“

So schön manche Zitate auch sind – der Weg zur Quelle ist immer zu empfehlen (siehe auch Quellen, das Zauberwort heißt "Quellen". Was es damit auf sich hat, wird nachfolgend an der vermeintlichen Urheberschaft sichtbar:

„Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“
in verschiedenen Abwandlungen u.a. Bertolt Brecht, Johann Wolfgang von Goethe, Wladimir Iljitsch Lenin und Papst Leo XIII. zugeschrieben

So falsch ist die Nennung eines der vier Namen indes nicht. Handelt es sich bei dem Zitat doch um eine verkürzte, säkularisierte Fassung eines Lehrwortes aus dem 19. Jahrhundert, mit dem das Widerstandsrecht gegen despotische Gesetze begründet wird, die gegen das Naturrecht verstoßen. Die Originalfassung liest sich dementsprechend so:

„Wenn aber die Staatsgesetze sich offen gegen das göttliche Recht auflehnen, wenn sie der Kirche Unbill antun oder den religiösen Pflichten widersprechen oder im Papst die Oberhoheit Jesu Christi verletzen, dann ist Widerstand Pflicht, Gehorsam aber Verbrechen“
zit. nach: Leopold Lentner: "Der Christ und der Staat: Grundsätzliche Feststellungen in den Rundschreiben Leo XIII. und ihre Gültigkeit für die Gegenwart, Springer Verlag, Wien 1952, S. 153 (siehe auch Google Books)

Auf falschzitate.blogspot.de/ wird die Urheberschaft für die Kurzfassung übrigens Atomkraftgegnern (ca. 1974) zugeschrieben.