„Demokratiefeinde tragen Schwarz-Weiß-Rot“

Was viele nicht wissen: Die Trikolore der Bundesrepublik Deutschland geht auf Burschenschaften zurück, die irgendwann in Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals schwarz, rot und gold miteinander kombinierten. Wirklich durchsetzen konnten sich die Farben der jungen Demokratiefreunde erst einmal nicht, denn die junge, erst 1871 gegründete deutsche Nation kombinierte stattdessen die Farben Preußens und des Norddeutschen Bundes zu schwarz-weiß-rot.

Ihr vorläufiges Ende fanden die Farben des Kaiserreichs dann jedoch mit dem Ende desselbigen. Das weiterhin „Deutsches Reich“ heißende Land, das üblicherweise unter „Weimarer Republik“ subsumiert wird, schnitt sprichwörtlich alte Zöpfe ab und setzte bei den Nationalfarben erstmals auf schwarz-rot-gold.

Bekanntlich endete aber auch diese Inkarnation des Deutschen Reichs und wurde ersetzt durch jene Fassung, die gemeinhin unter „Drittes Reich“ läuft. Hier wurde die alten Farben wieder aufgegriffen und auf eine Art neu komponiert, die heutzutage und hierzulande nur in Museen und historischen Aufnahmen zu sehen ist – andernfalls werden verfassungsfeindliche Symbole gezeigt.

Von daher mag es wenig verwundern, wenn schon recht lange eine bestimmte politische Klientel, die sich nur bedingt glücklich mit dem vorherrschenden politischen System zeigt, in der eigenen Symbolik stattdessen auf jene Farben setzt, die die längste Zeit des Deutschen Reiches bestimmend waren.

Im Rahmen sogenannter „Corona-Demonstration“ (die weder für noch gegen das Virus sind, sondern vielmehr ihren „Unmut“ mit den Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Bekämpfung des Virus ausdrücken wollen) sind diese drei Farben massiv in die Öffentlichkeit zurückgekehrt. Vor diesem Hintergrund ist sich beispielsweise Sebastian Huld von N-TV am heutigen 26. September schon mit seiner Überschrift ganz sicher: „Demokratiefeinde tragen Schwarz-Weiß-Rot“.

Mit den richtigen Suchbegriffen finden sich bei Google übrigens Bilder von „Körperschaften“ (als Sammelbegriff in Ermangelung eines besseren Ausdrucks), die Huld in seinem Text nicht gemeint hat:

Und bevor jetzt bei einem Leser Schnappatmung einsetzt, die vorgenannten „Körpeschaften“ würden direkt auf die Haltung Hulds bezogen: Es gibt auch andere Kombinationen in schwarz-weiß-rot. Von daher sind plakative Überschriften natürlich von Vorteil für die Aufmerksamkeit der Leser (und für Klicks), in ihrer Vereinfachung aber manchmal vielleicht auch zu simpel.