Den Kuchen "für alle größer machen"

Im Blog wird ja regelmäßig auf die "Logik des Misslingens – strategisches Denken in komplexen Situationen" verwiesen.

Ein Facebook-Beitrag der CDU vom 3. April

Screenshot von der CDU-Seite auf facebook.de

mit der Passage "Peter Altmaier ist überzeugt, dass Wachstum [...] durch Arbeit entsteht." bestätigt wieder einmal die Aktualität der Kernbotschaft.

Denn am 3. April erschien auf FAZ.de der Text Was Frauen wirklich wollen, in dem sinngemäß steht, dass Gleichberechtigung dazu führt, dass Frauen eher soziale Berufe denn MINT-Jobs wählen (was deswegen hier in Bezug zu Altmaiers Überzeugung gesetzt wird, weil soziale Berufe aus volkswirtschaftlicher Sicht einen geringeren Einfluss auf Wachstum haben, als Jobs im sogenannten MINT-Segment).

Weitere drei Tage später erschien zudem der Text " OECD-Studie – Roboter werden in Deutschland besonders viele Jobs vernichten " (Welt, 6. April), der – und da kommt jetzt die per Literaturtipp angedeutete höhere Komplexität ins Spiel – in gewisser Hinsicht auch mit dieser Zukunftserwartung "Ich helfe Flüchtlingen, damit sie später meine Rente bezahlen" (Huffington Post, 20. Juni 2017) kontrastiert.

Besonders politsprachlich sensibilisierte Menschen kommen zudem auf die Idee, das knappe Zitat im Bild in der Tiefe zu analysieren und kommen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Kuchen, der für alle größer sein soll, um zu verteilende Steuermittel handele und es daher nicht darum gehe, mit den vorhandenen Steuereinnahmen besser zu haushalten, sondern die Steuern zu erhöhen.

PS:

"Enfin je me rappelai le pis-aller d'une grande princesse à qui l'on disait que les paysans n'avaient pas de pain, et qui répondit : Qu'ils mangent de la brioche."
Jean-Jacques Rousseau: Les Confessions – Livre VI, 1782 – siehe auch Revolutionskuchen (Zeit, 9. November 2006)