Der amtierende US-Präsident und „kreative Darstellungen“

Wenn Politiker von Künstlern oder auf Demonstrationen „künstlerisch-kreativ“ (auf Plakaten, in Texten, mit Bildern, ...) angegangen werden, kann das mal auf Zustimmung stoßen – und mal überhaupt nicht. Hier im Blog finden sich zwei Beispiele, die in sich durchaus Gegensatzpaare enthalten.

Deutsche Politiker auf Demonstrationen 2017 und 1997

Im ersten Fall ist es ein Blogbeitrag von April 2018 mit recht vielen Screenshots. Relevant sind hier die „Galgen“-Screenshots recht weit unten – einmal vergleichsweise aktuell (2017) die Galgen mit „Reserviert“-Schildern für Angela Merkel und Sigmar Gabriel, einmal fast schon historisch (1997) die aufgeknüpften Stoffpuppen mit den gemalten Gesichtern und den Namen „Theo“ (Weigel), „Helmut“ (Kohl) und (Jürgen) „Rüttgers“.

Deutsche Politiker in Rap-Songs 2013 und 2019

In dem Beitrag über die Texte von Gangster-Rappern wurde u.a. Bushido zitiert, der in „Stress ohne Grund“ beispielsweise Claudia Roth angehen möchte. Tarek, Berliner Ensemble-Mitglied von K.I.Z., wählte Ende 2019 (hier Anfang Februar skizziert) die visuelle Variante und „schlachtet(e) AfD-Politiker [...] ab“, wie es Raptastisch.de zusammenfasste.

In den zwei mal zwei Fällen „Galgen“ und „Rap-Songs“ fielen die Medienreaktionen trotz der grundsätzlichen Vergleichbarkeit übrigens unterschiedlich aus. Möglicherweise hat das mit der jeweiligen zeitlichen Latenz zu tun, dass die erst „entspannt“ waren („Galgen“ 1997), dann „sensibilisiert“ („Rap-Song“ 2013 und „Galgen“ 2017) und dann wieder zu einer „entspannten Haltung“ zurückgefunden haben („Rap-Song“ 2019).

Im Gegensatz zu den vorgenannten deutschen Politikern muss der amtierende US-Präsident deutlich mehr aushalten.

Im Fadenkreuz von „The Village“

Das irische Monatsmagazin Village (mehr dazu auf der englischen Wikipedia) stellt auf der Titelseite der Februarausgabe die Frage "Why not?" und scheint mit „unethical“ die Antwort per Twitter (hier zusätzlich auf archive.is) schon vorab zu verraten:

„Erschossen“ von Snoop Dogg

Mitte März 2017 berichtete der Spiegel über „Lavender“, das Musikvideo von Snoop Dogg. In einem Mix aus AP-Meldung und eigener Bearbeitung, der wie eine Meldung wirkt, aber gleichzeitig durchaus kommentierende Elemente enthält (z.B. mit der Passage „Nun ist der 45-Jährige in seiner Kritik aber womöglich zu weit gegangen.“). Darum geht's: Der US-Präsident „Ronald Klump“ weist alle Hunden aus den Vereinigten Staaten aus, Snoop Dogg zielt daraufhin einer Waffe auf den Präsidenten und drückt ab... doch statt Mündungsfeuers erscheint ein Zettelchen mit dem schlichten Text „Bang“.

Wer sich selbst ein Bild von „Lavender“ machen will, kann sich das ganze Video anschauen – oder direkt zu Minute 2:55 springen, um die vorgenannte Szene zu sehen:

Geköpft von Kathy Griffin

Wenige Monate später wählte die US-Schauspielerin Kathy Griffin für ein Twitter- und Instagram-Foto eine Option, die Erinnerungen an bis heute in manchen Weltgegenden praktizierte Techniken weckte: Sie ließ ein Bild erstellen, das sie mit einem blutigen und augenscheinlich abgeschnittenen Kopf des US-Präsidenten zeigt – anzuschauen und nachzulesen Ende Mai 2017 beispielsweise bei iheartradio.ca.

Gezeichnete Spiegel-Cover

Das Hamburger Wochenblatt Der Spiegel entschied sich dagegen ein paar Monate zuvor, Donald Trump zum Täter statt zum Opfer zu machen – und ließ ihn auf Ausgabe 6/2017 die Freiheitsstatue köpfen. Übermedien nahm sich Mitte Mai 2017 dieses Covers (und einiger anderer) an und verlinkte gleich ein paar Medienreaktionen mit. Gut ein Jahr später im Mai 2018 brachte Politplatschquatsch eine Zusammenstellung von insgesamt fünf Spiegel-Covern, von denen das damals aktuellste Donald Trump symbolisiert als eregierten Mittelfinger gen Europa. Auch bei einer der letzten Titelseite aus dem Jahr 2019 (genauer: Ausgabe 51) brachten die Hamburger den Präsidenten wieder auf die Titelseite und wie zuvor auch immer – und anders die weiter oben zitierten Medienkollegen von The Village – deutlich gewaltfreier als Kathy Griffin oder Snoop Dogg. Allerdings ist das vom 5 Minuten Blog am 15. Dezember 2019 in einen Kontext gestellte Cover von Donald Trump als „King Kong“ auch nur bedingt „freundlich“.

Deutscher Karneval

Die hiesigen Karnevalswagen haben eine Tradition, durchaus gewagt Stellung zu aktuellen Themen zu beziehen. Das muss nicht jedermann gefallen und ist auch nicht immer treffsicher. Da es hier nur um den US-Präsidenten geht, seien vergleichbare Motivwagen zu deutschen Politikern ausgespart. Ein wenig wohlwollendes Bild zeichneten beispielsweise die Düsseldorfer Narren als sie den „mächtigsten Mann der Welt“ im Februar 2017 zeigten, wie er die Freiheitsstatue vergewaltigte (nachzulesen, inkl. Bild, u.a. beim Kölner Stadtanzeiger). Später im Zug war dann ein erneut ein Wagen mit diesem Gespann zu sehen – nur dass die Freiheitsstatue ähnlich wie Kathy Griffin den abgetrennten Kopf des Präsidenten in der Hand hielt (nachzulesen, inkl. Bild, u.a. bei Focus).

Eine Frage zum Schluss...

Wie wäre eigentlich die Reaktion in Deutschland, wenn eine hiesige Band sich des hiesigen Regierungschefs auf diese Art

grafisch vornehmen würde?