Der nichtakademische Grad „Dr. plag.“ als „Giffeyway“

Für Bundesfamilienministerin Franziska Giffey steht eine erneute Prüfung ihrer Disstertation an, so Netzpolitik am 16. November. Aus der Sicht der Autorin, der promovierten Informatkerin Constanze Kurz, ist Sachverhalt vergleichsweise eindeutig: Giffeys handgeschriebene Erklärung

„Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel.
Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet.“
wie sie von ihrer Partei (SPD) per Twitter verbreitet wurde, sage eben doch etwas über die Person aus.

Konkret schreibt Kurz:

„Denn sagt es nicht gerade sehr viel aus über einen Menschen und darüber, was er kann (und nicht kann), wenn er in einer für die eigene Reputation so wichtigen Arbeit absichtlich täuscht oder mindestens – wenn man es sehr freundlich ausdrücken möchte – reichlich schlampig arbeitet? Warum sollte man nicht von dieser Arbeitsweise darauf schließen, wie die ehemalige Doktorandin heute arbeitet? Ist es nicht auch eine charakterliche Frage, wenn eine Täuschungsabsicht klar belegt ist?“

In seinem Kommentar für die Stuttgarter Nachrichten hat auch Kolumnis Götz Aly eine klare Haltung, wobei er „den Makel ihrer teils inkorrekten Doktorarbeit“ nicht nur Giffey zur Last legt, „sondern vor allem ihrer Doktormutter, Tanja Börzel“. Von daher scheint es nur logisch, dass er den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf Aspekte legt, die Constanze Kurz nicht behandelt.

Die in der Überschrift in Anführungszeichen gesetzten Begriffe finden sich übrigens als Abschlusspointe des FAZ-Beitrags vom 18. November („Plagiatsfall : Die Methode Giffey“):

„'Wie nennt man einen Dr. plag., den man für den Wahlkampf einfach weggibt?', fragt ein Kommentator im Netz. Antwort: 'Giffeyway'.“

Ansonsten weist Jochen Zenthöfer auf verschiedene Umgereimtheiten hin. Ein Bespiel: Vor einigen Monaten habe Giffey zu Protokoll gegeben, dass sie auf ihren Doktorgrad „aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht verzichten“ könne, was „zutreffend war und weiterhin“ sei. Nun erscheine „ihr das Gegenteil opportun“, doch die Verzichtserklärung habe „freilich keine rechtlichen oder wissenschaftlichen Folgen“, denn „ihre Arbeit wird weiter als Promotion geführt, und der Verwaltungsakt, der ihr den Doktor verliehen hat, bleibt in der Welt“.