Die Europäische Union, das Römische Reich und ihre Vergleiche (Update 6. Juli)

Das Kolosseum bei Nacht und der Europaparlament in Straßburg bei Tag
Analogien zwischen Römischem Reich und Europäischer Union kommen häufig vor

Am 2. Februar hat die österreichische Tageszeitung Krone Auszüge aus einem Interview der Huffington Post mit dem Brüsseler Althistoriker David Engels zu einem eigenen zusammengefasst und diesem die Überschrift "Warnung an Europa – Historiker: 'Bürgerkrieg ist nicht zu vermeiden"' gegeben.

In 20 bis 30 Jahren sei "Europa ein autoritärer oder imperialer Staat geworden" und dies "nach einer Phase bürgerkriegsähnlicher Zustände und Verfallserscheinungen", so Engels gegenüber der HuffPo am 1. Februar. Die "Analogien zwischen der gegenwärtigen Krise Europas und dem Übergang der späten römischen Republik in den Staat des Augustus" ließen dieses erwarten, fährt er fort.

Ein Jahr zuvor, am 22. Januar 2016, veröffentlichte die FAZ den Artikel "Untergang des Römischen Reichs – Das Ende der alten Ordnung" von Alexander Demandt, der Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin lehrt. In gewisser Hinsicht hat dieser Text einen kleinen "Streisand-Effekt": Er wurde bestellt von der Zeitschrift Die politische Meinung, die ihn mit der Begründung ablehnte, er könne in der aktuellen politischen Situation missinterpretiert werden – und mit der Ablehnung und der Wiedergabe durch die FAZ verschaffte sie ihm eine größere Aufmerksamkeit als beabsichtigt.

Wiederum ein Jahr zuvor, am 5. Januar 2015, setzt sich Olaf Rader, Dozent für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität, für die Süddeutsche Zeitung ebenfalls mit diesem Themenkomplex auseinander und baute seinen Artikel "Vergleich von EU und Römischem Reich – Vor dem Untergang" auf einem damals neu erschienenen Buch des weiter oben bereits zitierten David Engels auf.

Einen anderen Ansatz wählte Stefan Rebenich am 3. Oktober 2014 für die NZZ: Sein Beitrag "Das Römische Reich und Europa – Untergang und Aufgang" basiert auf dem Buch "Die Wiedergeburt Roms" des englischen Historikers Peter Heather.

Etwas weniger dramatisch klingt der Text, den Anne Scholz für das Debattenmagazin The European geschrieben und am 5. Februar 2014 veröffentlicht hat: Was das Römische Reich uns Europäer lehrt – Aus der Geschichte lernen.

Neben diesen Beiträgen, die warnenden bis alarmierenden Charakter haben, existieren jedoch auch Texte, die den Vergleich der Europäischen Union mit dem Römischen Reich in einem positiven Licht sehen – einer davon ist "Staatenbund oder Bundesstaat – Heiliges Römisches Europa" von Ralph Bollmann, veröffentlicht auf der Website der FAZ am 10. November 2012.

Fünfeinhalb Jahre früher, genauer: am 23. März 2007, forderte Thomas Schmid in einem Beitrag für die Welt explizit: "Gemeinschaft – Die EU sollte dem römischen Reich nacheifern".

Update 6. Juli
Die Achse des Guten hat sich auch schon des Themas angenommen: am 17. Februar mit dem Text "Appeasement und Verleugnung im alten Rom" von Jochen Heistermann und zuvor am 23. Oktober 2016 mit der Glosse (?) "Strafverfahren gegen „Reichsbürger“ nach römischem Recht!".

Bildquellen:
Kolosseum: dianageanina / Pixabay (CC 0 Public Domain)
Europaparlament: hpgruesen / Pixabay (CC 0 Public Domain)