Die Instrumentalisierung von Toten (und Seehofer)

Hieß es neulich im Bundestag nicht, dass eine spontane Schweigeminute für einen getöteten jungen Menschen, der zuvor ein stundenlanges Marytrium* erleiden musste, nicht politisch instrumentalisiert werden sollte?

Jetzt hängt sich ein Mann auf, der "rechtskräftig wegen Diebstahls und Körperverletzung verurteilt" (so Zeit.de vom 11. Juli, siehe Flüchtlinge – Seehofer nennt Suizid von abgeschobenem Afghanen zutiefst bedauerlich) und abgeschoben wurde, und es gibt Rücktrittsforderungen an den Bundesinnenminister (siehe z.B. Nach Tod eines Afghanen – Seehofer weist Rücktrittsforderung zurück, Tagesschau.de vom 11. Juli).

Manche Leute sind stattdessen irritiert, dass Sachverhalte unterschiedlich beurteilt und nur situativ Verantwortliche gesucht oder gar Muster erkannt werden.

Aber die 12 Kinder in der thailändischen Höhle haben ja auch mehr (internationalen) Zuspruch erfahren, als die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, die von NGO-Schiffen wie der Aquarius, der Sea Eye oder Lifeline nach Europa gerettet werden.

Davon abgesehen gibt es durchaus Stimmen, die vom Grundsatz her auf Seehofers Seite stehen, so der Cicero, der die Empörung heuchlerisch findet (12. Juli) und Mag. Robert Crvkal auf Fisch+Fleisch, der seinen Meinungsbeitrag vom 12. Juli mit Ein politisch instrumentalisierter Selbstmord. Schämt euch! betitelt hat.

PS: Ergänzend zum Zeit-Artikel weiter oben sei noch auf Kabul, Afghanistan: Suizid nach Abschiebung - Darum musste Jamal M. Deutschland verlassen auf Stern.de (11. Juli) verwiesen.

* Anfang Juni wurde das von RTL als Wiedergabe der Bild unter diesem rtlnext.rtl.de/cms/vermisster-susanna-14-in-wiesbaden-ist-tot-was-musste-das-maedchen-erleiden-4173470.html?c=ddbd dargestellt. Mittlerweile leitet der Link aber weiter, die ursprünglichen Inhalte sind nicht mehr verfügbar.