Ein paar ausgewählte Links zum Fest

Schon länger gab es hier keine umfassende Preszeschau und auch der heutige Beitrag weicht in der Darstellung vom zuletzt gewählten Format ab.

Wer – beispielsweise als Nutzer der App des Guardian – am 21. Dezember über den Artikel Scandinavian student murders – nine more arrested in Morocco über die Ermordungen der dort namentlich genannten skandinavischen Touristinnen – der Guardian berichtet auf Basis einer Quelle vor Ort über eine Enthauptung – gestolpert ist und sich fragt, ob und welche deutschsprachigen Medien gemäß einer Google News-Anfrage ebenfalls die Namen verwenden... in den ersten 72 Stunden waren es bislang lediglich die eher boulevardesk angehauchten Angebote BILD (z.B. am 18. Dezember) und 20 Minuten (z.B. am 21. Dezember) sowie The European (ebenfalls 21. Dezember). Die anderen Medien (wie beispielsweise der Deutschlandfunk) zeigen sich da pietätvoller. Die NZZ jedenfalls bestätigte bereits am 20. Dezember, dass und wie eine der Touristinnen in Marokko enthauptet wurde.

Wenn sich der ein oder andere vielleicht noch an den ersten Teil der Medien- und Presseschau für den Juni 2018 erinnert, in dem u.a. die 10 Flüsse verlinkt waren, aus denen 90% des Plastikmülls in den Weltmeeren stammen, könnte er möglicherweise daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass sich der Anteil vielleicht noch erhöht: EU beschließt Plastik-Verbot – Zeitplan sieht zügige Umsetzung vor (Merkur, 20. Dezember).

Da manche Themen ja nicht oft genug wiederholt werden können, sei aus aktuellem Anlass – im neuen Jahr ändert sich die Gesetzeslage – auf diesen Spiegel-Artikel vom 19. Dezember verwiesen: Mülltrennung – Wo der Festtagsabfall hingehört.

Das lediglich für Google kolportierte Motto „Don't be evil“ galt ja nie für die beiden Konzerne, über die Gizmodo am 19. Dezember den Beitrag Amazon and Facebook Reportedly Had a Secret Data-Sharing Agreement, and It Explains So Much veröffentlichte.

Der ein oder mag sich bei der Lektüre eines englischen Vice-Artikels Millennials Don’t Love Capitalism but Can’t Stop Using Amazon vom 18. Dezember möglicherweise an Bertolt Brechts „Dreigroschen-Oper“ erinnert fühlen, dass bekanntlich erst der „Komfort“, die „Ersparnis“ bzw. das „Fressen“ komme und die „Moral“ dann irgendwann später.

In einem Facebook-Beitrag, der am 18. Dezember auf The European zweitverwertet wurde, äußert sich der Tübinger, direkt von den Bürgern gewählte Bürgermeister Boris Palmer (Bündnis90-Die Grünen) zum wiederholten Male auf eine Art und Weise, die ihm seitens seiner Partei tendenziell weniger Beifall einbringt, seitens einer anderen Partei mutmaßlich schon: Für Vergewaltiger darf es keinen Kulturrabatt geben.

Wenn schon die Berliner Bildungssenatorin (SPD) und der bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg Stellung für den Politiker bzw. dessen Kind beziehen, ist es durchaus im Toleranzbereich, die Entscheidung des Trägervereins „kontrovers“ zu nennen: Berliner Waldorfschule schließt Kind von AfD-Abgeordnetem aus (Web.de, 17. Dezember). Ansonsten wurde das Thema „(Privat-)Schule in Berlin“ ausgehend von einer Kolumnistin im Blog zuletzt hier behandelt.

Viel eher als das Internet ist das Privatleben ein rechtsfreier Raum, denn die im Welt-Artikel Schleichwerbung – Post von den Instagram-Abmahnern vom 17. Dezember vorgestellte 24-jährige Influencerin Vanessa Blumenthal aus Aachen hat im Offline-Leben keine Rechtsvorgaben, wenn sie begeistert von einem Friseurbesuch berichtet.

Zu dem auf Netzpolitik.org am 13. Dezember veröffentlichten Artikel It’s a man’s world: Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden der taz-Autorin Carolina Schwarz fällt auch nur Nörglern ein, dass auch männliche Autoren ein Akzeptanzproblem haben, wenn sie über Themen schreiben, bei denen es eine ausreichend große Gruppe gibt, die für Gegenwind sorgt. Beispielhaft sei hier die Versionsgeschichten der Personenbiografien von Boris Palmer, John Gudenus und Anetta Kahane verwiesen, die hinsichtlich der Tonalität gewisse Unterschiede aufweisen und auch Ansätze erkennen lassen, dass einzelne Mitarbeiter um eine gewisse Vereinheitlichung bemüht waren. Allerdings wirkt Schwarz' Text ein wenig wie ein „First World Problem“, wenn nur einen Tag später von der NZZ in dem Beitrag Entführt, vergewaltigt, tätowiert – Eine junge Frau erschüttert Marokko berichtet wird, mit welchen Verhältnissen bzw. in welcher Männerwelt Frauen in anderen Regionen leben müssen.

Irgendwie ist es schade, dass der u.a. über den Dienst „Pocket“ empfohlene Zeit-Artikel Migration – Putzen, spülen, kellnern vom 12. Dezember (noch) hinter der Bezahlschranke steckt, da nur ein kleiner Teil der weltweiten Internetgemeinschaft – man sieht es an vergleichsweise mageren +150 Kommentaren – die Antwort und die Begründung auf die im Vorspann gestellte Frage findet, warum Migranten in Deutschland „weit öfter als in anderen Ländern“ in einfachen und schlecht bezahlten Jobs arbeiten.

Es wird sicherlich dem ein anderen prekären „Was mit Medien“-Arbeitnehmer ein ironisches Schmunzeln entlocken, wie Kristina Antonia Schäfer auf wiwo.de am 12. Dezember im Artikel Einfach mehr Rente – Die Zehn-Cent-Vorsorge in der ersten Beispielrechnung durchrechnet, welche Ansparungen möglich sind, wenn man ab 22 Jahren für 45 Jahre jeweils 10% des versteuerten Einkommens der Beitragsbemessungsgrenze zurücklegt.

Wer sich beispielsweise Artikel wie Eine völkerrechtliche Analyse – Wozu verpflichtet der UN-Migrationspakt? auf TichysEinblick.de vom 3. Dezember und im Gegenzug Artikel wie Der UN-Migrationspakt ist kein verbindliches Recht auf HAZ.de vom 10. Dezember anschaut, könnte zu dem Eindruck kommen, dass ein Sachverhalt („UN-Migrationspakt“) bzw. dessen Folge (die Verbindlichkeit des Paktes bzw. von „Soft Law“) gegensätzlich bewertet werden – und sich mit der Zeit zeigen wird, wer (mutwillig? aus Unwissenheit?) daneben lag. Mit einem völlig anderen Aspekt beschäftigt sich der NZZ-Beitrag Haben Bots die Debatte um den Migrationspakt einseitig beeinflusst? vom 13. Dezember.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.