Ein paar bunte Beobachtungen und Anmerkungen

Wenn mutmaßlich aneinander vorbeigeredet wird

Am 12. September teilte Twitter-Nutzer @BukowskisNephew einen Screenshot mit dem folgenden Tweet von Marina Weisband alias @Afelia.

Falls der Text nicht angezeigt wird: Sie schrieb "Wir "importieren" ein Bildungslevel, das statistisch über dem hiesigen liegt. Vielleicht sollten wir erstmal unser System verbessern." – hier die direkte Quelle.

Seinen Ausgang hat dieses Statement in einem Tweet von @TobiasSchulze vom 11. September: "Wenn wir die Nazis stoppen wollen, müssen wir die Vision von einer offenen Gesellschaft anbieten, die mehr Menschen überzeugt."

@Afelias Aussage basiert (siehe ihren Tweet hier) auf einem Welt-Artikel vom 8. September 2015: "Noch nie waren Migranten so gut gebildet wie heute". Da dieser Artikel vorrangig auf den Abiturquoten innereuropäischer Migranten basiert, weisen die Diskutanten im weiteren Verlauf auf ein paar Artikel hin, die sich mit den außereuropäischen Migranten beschäftigen.

Hate Speech oder Beleidigung

Wenn ein Twitter-User einen gebräuchlichen Vor- und Nachnamen verwendet, der, auch wenn im Twitter-Profil kein Impressum angegeben ist, was ja nach der hiesigen Gesetzgebung durchaus zu empfehlen wäre (eines zu haben), sich vergleichsweise schnell zu einer echt existierenden Person zurückführen lässt, ist es dann eine kluge Idee – am 4. September in Reaktion auf ein angedachtes Redeverbot im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung diesen Text zu twittern:

Falls der Text nicht angezeigt wird: Er schrieb "Sperrt diesen senilen Nazi weg".

Die Antwort lautet wahrscheinlich: "Es kommt darauf an."

Polizei: Der richtige Zeitpunkt, um zu einer Schlägerei zu kommen

Bei der polizeilichen Reaktion einer Schlägerei ist die Frage des Zeitpunkts entscheidend: Kommt sie zum Höhepunkt, kann sie die Beteiligten in Gewahrsam nehmen, muss aber selbst gegebenenfalls körperliche Folgen ertragen. Geht sie zwischen zwei Großfamilien nachdem die "handfeste Auseinandersetzung allerdings schon beendet" war, werden nur zwei Beteiligte festgenommen, wie die WAZ am 4. September berichtet.

Anders sieht es in dem Beispiel

"Gegen die gewaltbereiten Bewohner mussten sich die Beamten teilweise unter Einsatz des Pfeffersprays zur Wehr setzen. Selbst Kinder griffen zu Steinen und bewarfen die Polizisten, ein Kind verletzte einen Angestellten des Sicherheitsdienstes leicht mit einem Messer am Arm. Acht der eingesetzten Beamten erlitten Verletzungen in Form von Bisswunden und Prellungen, drei Beamte konnten ihren Dienst aufgrund der Verletzungen nicht mehr fortsetzen"

aus Schweinfurt aus, am 30. August berichtet von In und um Schweinfurt, welches die Frage aufwirft, wie eine Gesellschaft und/oder der Staat damit umgehen kann/soll/muss, wenn "selbst Kinder" die Polizei angreifen.

Auch in Berlin, wie selbst von der Stadt respektive der Polizei am 22. Juli mitgeteilt, wurden Beamte in Ausübung ihres Dienstes angegriffen, als sie sich "etwa 60 bis 80 aggressiven Personen" gegenübersahen. Dass Berlin auch bei Einzelpersonen kein leichtes Pflaster ist, zeigte sich u.a. Ende August als ein "randalierender Mann" in der Neuköllner Dar Assalam-Moschee fünf Polizisten verletzte und einen der Beamten in den Arm biss, so u.a. die Morgenpost am 31. August.

Weitere Beispiele finden sich u.a. in dem Blog-Artikel Beobachtungen und Notizen zur Polizei, speziell mit der Lage der Berliner Polizei beschäftigt sich "Failed State Berlin".

Das Problem mit Quoten mal ausgeblendet

Ein absolutes Megathema derzeit ist ja der auf breiter Fläche geplante Tod des "Verbrenners" (erst Diesel, dann Benzin) und der staatlich gelenkte Wechsel auf den Elektromotor, siehe z.B. von März das Manager Magazin ("Ab 2025 nur noch abgasfreie Autos in Norwegen") und die India Times ("India aims to become 100% e-vehicle nation by 2030"). Aber in der Europäischen Union gibt es ja wohlwollende Stimmen, wie z.B. noch-Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und noch-Kanzlerkandidat Martin Schulz (ebenfalls SPD), die am 11. August von der dpa (hier z.B. via Die Zeit wie folgt zitiert wurden:

"Die Einführung einer Elektromobilitätsquote in der EU ist richtig und wird uns endlich auf Zukunftskurs bringen."

Das grundlegende Problem von Quoten soll an dieser Stelle nicht erläutert werden, stattdessen gibt es ein paar ergänzende Artikel:

Davon abgesehen haben wir noch keine ernstzunehmenden Prognosen gefunden, wie lange (Zeit) bzw. wie weit (Menge) die natürlichen Ressourcen für den Akku-Bau reichen.

Sportvereinsvorsitzender und Bürgermeister oder "Ankläger, Richter, Vollstrecker in Personalunion"?

Der parteilose Bürgermeister eines kleinen Fleckens namens Ebstorf entfernte a) ein Plakat der AfD, stellte b) selbst eine Anzeige und dokumentierte c) den ganzen Vorgang auf Facebook, wo er seinen Beitrag als "1. Vorsitzender des TuS Ebstorf" zeichnete. Die Social-Media-Resonanzen (Likes, Shares, Kommentare) waren daraufhin so gewaltig, dass u.a. am 8. September u.a. Welt (mit einem Video), Jetzt, Merkur, N-TV, T-Online, Berliner Kurier, Web.de, Express und Meedia berichteten und mit etwas Verzögerung dann z.B. der NDR.

Während in den Publikumsmedien Zustimmung zum Ausdruck kam, zeigten sich die (Social-Media)-Kommentaristen teilweise kritischer, wie sie u.a. mit "als Amtsträger vorsätzlich eine Straftat begehen, genau mein Humor" oder "Ankläger, Richter, Vollstrecker in Personalunion" zum Ausdruck brachten. Die mit dem Blick für größere Zusammenhänge wiesen dann darauf hin, dass als 1. Vorsitzender des Sportvereins zeichnete und damit für sich in Anspruch nahm, für (Zitat) "alle Mitglieder, Familienangehörigen und Fans" zu sprechen – was zumindest unter den wahlberechtigten Mitgliedern statistisch unwahrscheinlich sein dürfte, angesichts der positiven Medienresonanz von selbigen mutmaßlich wohl auch kein Thema mehr ist.

Mit Verweis auf die Argumentation bei Konsumenten von Haschisch ("die nehmen irgendwann auch härtere Drogen") oder Nutzern von "Killerspielen" ("die laufen irgendwann Amok") wurde auch die nächste Stufe zum Abreißen von Wahlplakaten skizziert: Wer sich bei dem einem Recht fühle, der schlage auch irgendwann Vertreter der Plakatierenden zusammen.

Die Logik des Denken mit allen Details

Im November 2016 wurde hier schon einmal auf Dörners "Logik des Misslingens" verwiesen, was als Vorrede reichen muss, wenn sich der geneigte Leser selbst ein Bild machen möchte mit den vier Artikeln Millionen Beitragszahler mehr – Zuwanderung stabilisiert Sozialkassen (N-TV, 25. Juli), EU-Ausländer kriegen weniger Kindergeld – vielleicht (FAZ, 12. April), Starker Anstieg bei Rumänen und Bulgaren (2. Seite eines Handelsblatt-Artikels vom 28. April 2016) und Einwanderung in die Sozialsysteme (FAZ, 8. Dezember 2009).

Zu den diskutierenden Dingen neben den Einnahmen für die Rentenkassen gehören z.B. Ausgaben für Kindergeld und "aufstockende" EU-Bürger sowie die Ausgaben für Miete, Lebensunterhalt, oder Krankenversicherung für jene neuen Bürger, die noch nicht zu den Rentenkassen beitragen.

Mit Verweis auf den "Sozialbericht 2017" des Bundesarbeitsministeriums stellte die Welt in dem Beitrag Wie die Sozialabgaben zum Job-Killer werden könnten vom 26. Juli jedenfalls fest, dass die Sozialausgaben "im vergangenen Jahr mit 918 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreicht haben", die Sozialleistungsquote mittlerweile "knapp 30 Prozent des BIP" betrage und 2021 "laut Prognose der Bundesregierung erstmals mehr als eine Billion Euro für Soziales aufgewandt" werde – ohne Berücksichtigung möglicher Wahlgeschenke.