Eine etwas unglückliche Wortwahl beim Tonspion

In einem redaktionellen Überblick über die „30 besten deutschsprachigen Podcasts“ präsentiert Tonspion den eigenen Podcast außer Konkurrenz. In der Selbstbeschreibung heißt es da:

„In der zweiten Staffel spricht Nicole Ankelmann mit Musikerinnen, Schauspielerinnen und anderen Kunst- und Kulturschaffenden über über ihre Arbeit im Speziellen und das Leben und die Kunst im Allgemeinen.“

Die Beschreibung ist dahingehend etwas unglücklich, weil mit einem Ausdruck die Künstler in staatliche Nähe gerückt werden, was üblicherweise nur selten das Interesse von Künstlern ist. Gegenbeispiele finden sich bei dem Aufruf der Kulturschaffenden (Wikipedia) von 1934 und im Jahr 1976 in der DDR. Laut Michael Buselmeier via Volltext.net hätte dort „die große Mehrheit der dortigen „Kulturschaffenden“ 1976 der Ausbürgerung Wolf Biermanns“ mit Applaus wohlwollend beurteilt.

Laut eines „Zeitreise“-Berichts des MDR sei aber das Gegenteil der Fall gewesen: „Offener Protest von DDR-Kulturschaffenden“ war laut des Artikels vom 7. November 2016 die Reaktion. In seiner Glosse vom 24. September 2018 gibt Bernd Matthies jedoch die offizielle Haltung aus dem Neuen Deutschland wieder: „Überwältigende Zustimmung der Kulturschaffenden der DDR zu Politik von Partei und Regierung“ (die Schlagzeile vom 22. November 1976 ist im Blog übrigens hier verlinkt).

Dessen ungeachtet verwendet Frau Bundeskanzler Angela Merkel in ihrem Video-Podcast vom 9. Mai 2020 diesen Ausdruck, den Mathies als „kontaminiert“ bezeichnet. Konkret lautet die Überschrift des Podcasts „Merkel sichert Kulturschaffenden Unterstützung zu“.