"Endlich" oder "A...loch"?

Irgendetwas muss sich in diesem Land kurzfristig geändert haben. Aus den Reihen der staatstragenden Volksparteien kommen Wortmeldungen, die tendenziell konträr zum bisherigen Narrativ von Weltoffenheit, Vielfalt und Multikulturalität stehen.

Explizit seien hier zwei kurz nacheinander erfolgte und in der Konnotation vergleichbare Lautäußerungen eines Staatsoberhauptes und eines emeritierten Staatsoberhauptes dokumentiert. Bei der von dem Qualitätsmedium Der Spiegel verbreiteten Position fällt auf, dass sie zusätzliche Verbreitung von einem Politiker mit Querbinder erfahren hat, dessen Wahlkreis in einer Stadt liegt, die sich quer stellt, wenn eine Partei gesetzlich vorgeschriebene Veranstaltungen abhält:

Screenshot eines Tweets von Karl Lauterbach, SPD

Quelle: twitter.com/karl_lauterbach/status/957574613705330688

Kurz darauf gab es dann einen Vortrag eines ehemaligen Pfarrers, ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und ehemaligen Bundespräsidenten an einer Universität im Rheinland, die in ihrer konservativen, Werte betonenden Art bei einigen Social-Media-Usern im guten wie im schlechten Sinn Verwunderung auslöste:

"Die Kulturen der Verschiedenen sollten gleichberechtigt nebeneinander existieren, für alle verbindliche westlich-liberale Wertvorstellungen wurden abgelehnt. Ich verstehe, dass es auf den ersten Blick tolerant und weltoffen anmuten mag, wenn Vielfalt derart akzeptiert und honoriert wird. Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tatsächlich geführt hat, das hat mich doch erschreckt."
Gauck-Rede in Düsseldorf – "Mich erschreckt der Multikulturalismus" (Rheinische Post, 31. Januar)

Offenlegung: Die Überschrift ist schlicht und ergreifend aus Gründen der Griffigkeit gewählt worden, um die Emotionen der Netznutzer mit einer einfachen Formel wiederzugeben. Die einen freuen sich nämlich, dass endlich auch mal Menschen anderer Parteien sich mit diesen Wortspenden zur Diskussion beitragen, die anderen benutzen teils sehr derbe Wertungen, da die Wortspender aus ihrer Sicht eine gute Sache verraten würden. Insofern stellt die Überschrift, die sich zudem auf keinen der zuvor genannten Menschen konkret beziehen lässt, ausdrücklich keine justiziable eigene Äußerung dar, sondern fast mit einer gewissen Unschärfe die beiden Gegenpole der Social-Media-Diskussion zusammen.