Faktenchecks und Fake News

Im Dezember 2016 hatte Sonia Mikich vom WDR auf der Tageschau-Website den Kommentar "Fake News – Kein Recht auf eigene Fakten" veröffentlicht. Auch wenn sie schon im Vorspann mit der Feststellung „Für Journalisten sind Faktenchecks der neue Standard“ die Frage aufwirft, nach welchem Standard Journalisten bislang ausgebildet wurden bzw. gearbeitet haben, kommt sie mit dem lesenswerten Text zu dem Fazit:

„Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.“

Am Samstag hat nun der MDR eine Pressemeldung herausgegeben, dass der “MDR Aktuell-Faktencheck” jetzt auch als Podcast verfügbar sei. Noch etwas früher, im April, ist die Tagesschau mit „faktenfinder“ an den Start gegangen, um mit dem "Anti-Fake-News-Portal" gegen "gezielte Falschmeldungen" vorzugehen, wie Meedia meldet.

Eigenständig ist dagegen das "vor allem durch Mitgliedsbeiträge von Bürgerinnen und Bürgern sowie durch Zuwendungen von Stiftungen" finanzierte "gemeinnützige Recherchezentrum" Correctiv.org, deren 16-köpfige Redaktion "gründlich recherchieren, Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten" will, wie es auf correctiv.org/correctiv/ bzw. einer Autorenseite beim Humanistischen Pressedienst heißt. Bei einem Bericht über unhygienische Krankenhäuser zu Jahresbeginn ist die Redaktion dem Anspruch jedenfalls nicht gerecht geworden, so u.a. Meedia am 25. januar.

Neben ihrer Ausbildung an der Kölner Journalistenschule haben einige Jahrgangsteilnehmer das vergleichbare Projekt Faktenzoom ins Leben gerufen. Ihre Website faktenzoom.de ist seit Dezember 2016 aber unverändert mit einer Meldung zu einem Gerichtsurteil. Ausgang für diesen Stillstand war eine Untersuchung der Talkshow-Aussagen von sieben Politikern über einen längeren Zeitraum – beispielhaft sei auf den Artikel "Diese Studie zeigt, welcher Politiker in Talkshows die meisten Unwahrheiten erzählt" von Vice vom 15. Juni 2016 verwiesen. Nur zwei Tage später nimmt Stefan Niggemeier auf Übermedien die Studie auf und kombiniert im Eingang die Medienreaktion mit seiner Analyse der Untersuchung und verrät sein Ergebnis schon in der Überschrift: "Der Fehlerteufel arbeitet jetzt als Faktenchecker". Eine Reaktion gab es auch von der "Spitzenreiterin" der Untersuchung, der AfD-Politikerin Frauke Petry: Sie erwirkte vor Gericht einen Unterlassungsanspruch.

Was bleibt unter dem Strich? Vielleicht eine Feststellung von Epiktet, einem Vertreter der Stoa, der mutmaßlich von 50-138 lebte:

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.“
in: Handbuch der Moral (5), in der Übersetzung von Rainer Nickel, Uni Rostock, auf wikiquote.org

PS: Die andere, häufiger benutzte Version lautet: "Nicht die Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben" – zitiert nach Klaus Merten: Einführung in die Kommunikationswissenschaft, der wiederum Zedtwitz-Arnim, 1978: 78 zitiert.