"Finis Germania" – weiter (k)ein Thema (Update 26. Juli)

Das posthum erschienene Buch Finis Germania von Rolf Peter Sieferle, am 13. Juni schon unter der Fragestellung Streisand-Effekt oder Speit-Effekt? behandelt, beschäftigt weiter die Medien – und mittlerweile auch die internationalen Medien.

So hat die renommierte New York Times am 8. Juli unter der Überschrift Germany’s Newest Intellectual Antihero über den Vorgang berichtet. Im Vorspann des Artikels heißt es:

"After the German historian Rolf Peter Sieferle took his own life last September at age 67, Süddeutsche Zeitung, the country’s progressive paper of record, called his erudition “breathtaking.” For three decades Mr. Sieferle had applied the old traditions of German social science to new preoccupations, from ecological sustainability to social capital. He was among the pioneers of German environmental history. He wrote on Marx, German conservatism around World War I and the end of Communism. He advised Angela Merkel’s government on climate change."

Obwohl das Thema hierzulande schon vor einem Monat weitgehend durchgekaut war, veröffentlichte der Autorenblog Achse des Guten am 19. Juli die Rezension Darf man dieses Buch besprechen? Für den Einstieg wählte der Autor eine Partyanekdote:

"Ein gestandener Veterinär verriet mir vor Jahren auf einer Party anlässlich seiner Pensionierung, dass er in seiner beruflichen Laufbahn nur vor zwei Arten Tieren wirklich Angst hatte. Ich tippte natürlich sofort auf wilde Hengste und Elefanten mit Zahnweh, doch er winke nur ab: kleine Hunde und Schweine, das seien seine gefährlichsten Patienten gewesen! An diese Episode musste ich denken, als ich mit mehreren Wochen Verzögerung vor einigen Tagen ein Buch in den Händen hielt, dass diese veterinären Phobien angeblich wie kein zweites in sich vereinen könnte."

Gleich zweimal in zwei Tagen hat sich dann auch eigentümlich frei des Themas angenommen: erst am 22. Juli mit dem Beitrag Wer selbst denkt, ist rechts! – Gegen das Einebnen menschlichen Lebens von Vera Lengsfeld (dabei verweist sie u.a. explizit auf den SZ-Nachruf, der wohlwollend war, obwohl der Autor schon damals das Buch kannte), und dann einen Tag später mit dem Artikel „Finis Germania“ auf der „Spiegel“-Bestsellerliste – Das verschwundene Buch, wo Holger Finn der Frage nachgeht, weshalb die _Spiegel_Bestsellerliste eine Lücke aufweist. Allerdings handelt es sich hier gewissermaßen um ein Repost, denn der Beitrag erschien schon am 21. Juli auf Finns Blog Politplatschquatsch – hier allerdings mit weiterführenden Links und einem Screenshot.

Am Tag zwischen den beiden Veröffentlichungen des Textes von Finn, also am 22. Juli, hat auch Alexander Wallasch für Tichys Einblick die Causa der Bestsellerliste durchdekliniert: Voltaire suspendiert – Finis Germania: Ein Buch landet versehentlich auf den Bestsellerlisten.

Im Haus der Welt gab es dann gleich zwei Artikel zu dem Thema, besser: einen Artikel in zwei Darreichungsformen. Zuerst als Political Correctness – Als „Finis Germania“ von der Bestsellerliste flog am 21. Juli hinter der Paywall von Welt+, am Folgetag frei verfügbar als Die Lücke auf Platz 6 von Amazon – in beiden Fällen von Henry Broder.

Und wer nach ef, Achgut und Welt immer noch nicht genug von der Materie hat: Unter der Überschrift Ein Buch, ein Problem – kein Buch, ein Skandal hat Roger Letsch in seinem Blog Unbesorgt am 21. Juli die Sache auch mit Screenshots dargestellt.

Update 25. Juli
Passend zum ersten Blog-Artikel vor über einem Monat ist zufällig noch Das Werk der Kirchenväter und Sieferles Beitrag im Internet von FAZ-Blogger Don Alphonso vom 13. Juni aufgetaucht.

Ein vergleichsweise früher Beitrag zur Bestsellerliste erschien als Punkt Drei am 20. Juli auf Acta Diurna, dem Blog von Michael Klonovsky.

Auf ihre gewohnte Art haben sich dann am 24. Juli auch die Medienblogger von Übermedien die Sache angeschaut: "Finis Germania" – Der rechte, rechte Platz ist frei: „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste.

Der bislang jüngste, und in diesem Fall auch grenzüberschreitende Beitrag kommt von der NZZ, die am 25. Juli schrieb: Bestsellerlisten – Weil dem «Spiegel» ein Buch nicht passt, wird es klammheimlich von der eigenen Bestsellerliste gestrichen.

Update 26. Juli
Für seine Betrachtung der Causa wählte der Blog Politplatschquatsch am 26. Juli die Überschrift Die angsteinflössende Zensurerklärung des "Spiegel".