Fundstück: „Entnazifizierung des Wortes Nazi“

Wie der Hashtag Fundstück zeigt, liegt die Veröffentlichung des bis dato jüngsten Fundstücks schon etwas zurück...

Selbiges gilt auch für den Artikel „Eine kleine Kulturgeschichte des Nazivergleichs“, den Matthias Heine am 21. März 2017 via Welt veröffentlicht hat.

Darin beleuchtet er u.a., dass „bereits 1924, als noch kaum jemand das Wort Nazi benutzte“, die „Sozialfaschismusthese“ vom sowjetischen Ideologen Grigori Sinowjew geprägt wurde und ihm zufolge die Sozialdemokratie den „linken Flügel des Faschismus“ darstellte. Auch schreibt er, dass 1924 Mussolinis „Marsch auf Rom“ erst zwei Jahre zurückgelegen habe und die NSDAP zu jener Zeit noch eine Splitterpartei war, weshalb es „vorher auch gar keinen Sinn gehabt“ habe, „irgendjemanden, der keine braune oder schwarze Uniform trug und nicht Mitglied einer der beiden genannten Bewegungen war, als Nazi oder Faschist zu bezeichnen“. Im dritten Absatz bringt Heine auch zwei historische Beispiele für etwas, was sich auch „Hufeisentheorie“ nennen lässt, ohne selbst diesen Ausdruck zu benutzen.

Wer dann den gesamten Text liest, stolpert auch über den Ausdruck, der es zur Überschrift dieses Beitrags gebracht hat, und über diverse Beispiele, wie sie Neologismen durch ein angehängtes „Nazi“ bilden lassen. Dazu gehören u.a.:

  • „Gartennazis“ (als Bezeichnung von Reinhard Mey für seine Nachbarn)
  • „Grammar Nazis“ (als ironische Selbstbezeichnung von Nutzern der englischen Sprache, die auf korrekte Sprache wert legen)
  • „Aerobic Nazis“ (als Beleidigung für sehr viel Sport treibende Menschen)
  • „Russen-Hitler“ (als Bezeichnung für den Politiker Schirinowski)
  • „Banknazis“ (als Bezeichnung für Schweizer auf einer satirischen Landkarte Europas)

Gegen Ende lässt Heine auch noch kurz den „Islamofaschismus“ einfließen, „was insofern sehr lustig“ sei, weil Thomas Mann (siehe auch den Hashtag #Thomas Mann) in seinen Radiosendungen den Nationalsozialismus einmal als „Hintertreppenislam“ bezeichnet habe.