Fundstücke zur Bildung, Teil 2

Am 18. Januar 2019 – also vor etwas mehr einem Jahr – wurden hier schon ein paar Fundstücke zur Bildung vorgestellt. Dies ist quasi die Fortsetzung mit weiteren Beiträgen, die irgendwie in diesen Kontext passen.

Wie die Fernuni Hagen hier mitteilt läuft der Diplomstudiengang Elektrotechnik und Informationstechnik in wenigen Tagen zum 31. März 2020 endgültig aus.

In der akademischen Bildung, schreibt Josef Kraus im April 2017 für Tichys Einblick, seien „Quantität und Qualität reziprok“. Dementsprechend läutet er seinen abschließenden Absatz mit der Feststellung ein, dass uns ein „akademisches Prekariat“ drohe. Dieses Feststellung machte er denn auch gleich zur Überschrift seines Beitrags.

Gut zwei Jahre früher, im Juli 2015, kam Milosz Matuschek für die NZZ in seinem Beitrag „Gastmahl der Geistlosen“ zu einem ähnlichen Befund:

„Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren.“

Gut eine Monat nach dem Eingang zitierten Josef Kraus wurde in der Zeit also im Mai 2017 ein anderer Aspekt bestätigt: „Unis vergeben immer bessere Noten, obwohl die Studenten nicht schlauer werden“ schrieb Thomas Ehrmann schon im Vorspann seines Gastbeitrags. Seine Forderung sinngemäß zusammengefasst: Es müsse eine Rückkehr zu schlechten Noten geben, weil gute Noten wohlhabende Menschen bevorzugten, die „Noteninflation die Belohnungsfunktion“ zerstöre und weil leicht verdiente Noten in leichten Kursen mit weniger Wissensvermittlung bevorzugt gewählt würden.

Diesen Gedanken führt Josef Kraus einen weiteren Monat später im Juni 2017 aus, verlegt die Forderung jedoch in die Schule: Es müsse Schluss sein mit der „weichgespülten Abiturvollkaskopolitik“.

Ob das – zumindest in Berlin – kurzfristig möglich war, was Kraus sich da vorstellte, lässt sich durchaus in Frage stellen. Denn im Juli 2017 schrieb der Tagesspiegel vergleichsweise alarmistisch, dass „Nachwuchslehrer bei Anfängern“ lernen – also bei Pädagogen mit weniger als zwei Jahren im Schuldienst. Nachdem das Wildern in andern (Bundes-)Ländern nicht ausreichend Früchte getragen habe und „die massenhafte Beschäftigung von Quereinsteigern längst zur Normalität“ geworden sei, wäre damit ein neuer Kompromiss eingegangen worden. Zum Zeitpunkt des Artikels waren in absoluten Zahlen indes „nur etwa zehn von derzeit über 700 Fachseminarleitungen“ betroffen.

Ein kleiner Zeitsprung mit der Frage: Hat sich die Situation verbessert?

Geht es nach der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin und ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld, ist die Antwort eindeutig: Nein. Als Begründung seien zwei Leserbriefe von Mai bzw. November 2019 verlinkt. In dem ersten Text wird aus Sachsen berichtet, dass Lehramtsanwärter nicht durchfallen dürften, in dem zweiten wird die Frage beantwortet, was „mit fertig ausgebildeten Junglehrern“ passiert.

Recht aktuell berichtet Buten und Binnen mit Datum vom 5. Februar aus dem Bremer Bildungsressort, das beklagt: Der „Arbeitsmarkt für Lehrer ist wie leergefegt“. In Bremen und Bremerhaven seien, auch wenn sich durch „Quereinsteiger und mehr Referendare“ sich die Situation verbessert habe, 82 Stellen unbesetzt.

Als fortlaufende Quelle für verschiedene Aspekte sei übrigens auf den „Infobrief“ des Vereins Deutscher Sprache hingewiesen. In der Presseschau des Infobriefs vom 24. Januar skizziert der VDS einen außeruniversitären Aspekt, der auf schulischer Bildung aufbaut: Die Bundespolizei habe die Anzahl der möglichen im Deutschtest nach oben und damit die Anforderungen unten korrigiert – weil zu viele scheiternde Bewerber für Personalprobleme sorgen würden. Die Sportprüfung wurde ebenfalls qualitativ reduziert, und zwar um den Standweitsprung und um Liegestütze.

PS:
Mit Blick über den vielzitierten Tellerrand bzw. über den „großen Teich“ sei auf die „Ivy League“-Universität Yale verwiesen, wo laut JF-Bericht vom 30. Januar 2020 Kursinhalte von Studenten diktiert würden, weil ihnen ein Kurs in Kunstgeschichte „zu weiß und männlich“ sei.