Heiko Maas, #DonnerstagderDemokratie und Versteckspiel1

Heiko Maas (SPD) spielt parteipolitisch in der selben Liga wie Sawsan Chebli, als Bundesaußenminister politisch auf einem anderen Niveau (die Niederungen der Regionalpolitik hat er schließlich hinter sich gelassen) und auf Twitter...

...dürfte es Ansichtssache sein, ob er (seit 2009 aktiv, bald 5.600 Tweets, ca. 330.000 Follower) oder sie (seit 2016 aktiv, bald 8.000 Tweets, ca. 52.000 Follower) die sprichwörtliche Nase vorn hat. Neben rein quantitativen Faktoren gibt es schließlich noch die qualitativen Aspekte, die sich in der Menge und Art der Interaktionen ausdrücken.

Wie das ausgewertet wird, soll hier kein Thema sein. Vielmehr soll es um ein praktisches Beispiel gehen. Bundesaußenminister Heiko Maas hat am 24. Juli den folgenden Beitrag (hier auf Twitter bzw. archiviert auf archive.is) abgesetzt, der zum „#donnerstagderdemokratie“ davor warnt, dass es eine „beliebte Strategie“ von Neonazis sei, „möglich normal zu wirken“:

Screenshot von Heiko Maas' Twitter-Profil zum #DonnerstagderDemokratie

Das verlinkte Profil @Versteckspiel1 bzw. dessen Website wird betrieben von der Agentur für soziale Perspektiven e.v., die das Angebot „Versteckspiel“ ausweislich des Impressums „ehrenamtlich und ohne finanzielle Förderung“, aber mit „Unterstützung antifaschistischer Initiativen und Einzelpersonen“ betreibt.

Auf Twitter teilte @Versteckspiel1 zum Zeitpunkt der Maas'schen Verlinkung, dass „White Pride“ bitte ins Bett gehen solle (Profilbild) und Kapitalismus eher eine Dystopie sei (Header):

Screenshot vom Header und Profilbild von @Versteckspiel1

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Idee des „neonazistischen Mimikry“, der Heiko Maas das Wort redet, so neu nicht ist. Über eine Kita-Informationsbroschüre, wie man Eltern mit einer gewissen politischen Einstellung anhand des Kinderverhaltens identifiziere – genauer: die von Bundesfamilienministerium und dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ geförderte Broschüre „Ene, mene, muh – und raus bist du!“ der Amadeu-Antonio-Stiftung –, schrieben Ende 2018 Gunnar Schuppelius für die Berliner Zeitung (26. November 2018), das Magazin Cicero (28. November 2018) und der Berliner Kurier (30. November 2018).

Etwas über zwei Jahre zuvor schwappte eine andere Warnung ähnlicher Art durch die Medien. Über den „Gefahr von rechts“-Artikel des Apothekenblättchens „Baby & Familie“ hatten 2016 u.a. Tichys Einblick (6. September 2016), der Stern (22. September 2016) und das Hamburger Abendblatt (24. September 2016) Artikel veröffentlicht.

PS

Unter dem Hashtag #DonnerstagderDemokratie findet sich mit Datum vom 27. Juni auch der Tweet von @MoritzMichelson, in dem er einen Artikel aus dem Schwarzwald verlinkt, in dem von einer Gerichtsverhandlung zu einem Mord in Nordstetten (Schwarzwälder Bote, 26. Juni) berichtet wird. Ohne inhaltliche Bewertung findet sich irgendwo in der Mitte auch die Passage „Als O. dann erzählte, dass Riecher Jude sei, hat Iyad gesagt: Sie haben meine Heimat vernichtet." Das habe offenbar den Palästinenser motiviert.“, die Moritz Michelson in seinem Tweet mit „Mord aus Gier und #Antisemitismus wie 1933“ zusammenfasste.