Instrumentalisierung von Kindern

Bei einer „Querdenken“-Demonstration in Karlsruhe zog eine Elfjährige einen historischen Vergleich. Die Reaktionen sind eindeutig.

Einen eigenen Hashtag hat hier die Instrumentalisierung von Toten, nun gibt es auch einen zur Instrumentalisierung von Kindern. Rückwirkend wurde das beispielsweise für diesen Blogbeitrag gesetzt, der insbesondere im mittleren Teil Elemente beider Hashtags vereint.

Aktueller Aufhänger für diesen Text und auch den neuen Hashtag ist aber eine Demonstration in Karlsruhe, bei der laut der Berliner Zeitung vom 17.11. eine Elfjährige auf dem Podium einer „Querdenken“-Demo eine Rede vorlas, in der sie über ihre jüngste Geburtstagsfeier mit ihren Freunden sprach, die deutlich anders als in den Jahren davor gewesen sei:

„Wir mussten die ganze Zeit leise sein, weil wir sonst vielleicht von unseren Nachbarn verpetzt worden wären. Ich fühlte mich wie bei Anne Frank im Hinterhaus, wo sie mucksmäuschenstill sein mussten, um nicht erwischt zu werden.“

Laut der Stuttgarter Zeitung vom 17. November erklärte die Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordnete und Vize-Fraktionschefin Katja Mast als Reaktion darauf:

„Wie „Querdenken“ und Co. gezielt versuchen Kinder, ihre Bedürfnisse und ihre Gesundheit für ihre Zwecke zu instrumentalisieren macht mich fassungslos.“
Ansonsten kündigte die Stadt Pforzheim, in der das Mädchen mit seiner Familie lebt, an, das Jugendamt „das Gespräch mit den Eltern der Schülerin suchen“ werde.

Darüber hinaus habe die Polizei „den Sachverhalt und die Dokumentation am Dienstagmorgen zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergegeben“, so die Jüdische Allgemeine (ebenfalls am 17. November), damit diese kläre, „ob ein Straftatbestand wie die Leugnung des Holocausts“ vorliege.

Unisono schreiben jedoch sowohl die StN als auch die JA, dass seitens der Staatsanwaltschaft von einem Ermittlungsverfahren abgesehen werde, da sich nach Prüfung des Falls „keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten ergeben“ hätten. Das elfjährige Kind selbst sei strafunmündig sei und auch gegen die Eltern werde nicht ermittelt, habe ein Sprecher mitgeteilt, so die JA.

PS
Die damals noch amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich bei einer Demonstration im April 2017 gegen einen Parteitag in Köln übrigens demonstrativ mit einem demonstrierenden Kind ablichten lassen, wie dieser Beitrag auf Facebook zeigt.