Kultur und Strafrecht

Im vorhergehenden Monat gab es hier einen „Throwback“-Text, der sich mit Glaube und Recht und Glaubensrecht beschäftigt. Als Ergänzung gibt es nun eine etwas rechtsnahere Betrachtung. Der grundsätzliche Konflikt (egal wie man urteilt, Kritik gibt es immer...) sei dabei beispielhaft an diesen beiden fiktiven Kurzdialogen aufgezeigt:

das Urteil lautet „Totschlag“
darauf der A: „Das ist doch Kulturrabatt!“
darauf der B: „Das Urteil zeigt die Unabhängigkeit der Justiz, jeden Fall individuell zu behandeln.“

Das Urteil lautet „Mord“
darauf der A: „Gut so, vor dem Gesetz sind alle gleich.“
darauf der B: „Das ist ein Skandalurteil, die Richter haben die individuellen Elemente nicht gewürdigt!“

Als zusätzliche Lektüre sei ein Werk von PD Dr. Brian Valerius empfohlen: „Kultur und Strafrecht – Die Berücksichtigung kultureller Wertvorstellungen in der deutschen Strafrechtsdogmatik“, Verlag Duncker & Humblot 2011, 424 Seiten (Online-Shopper finden es abseits von Amazon beispielsweise im Beck-Shop.

PS:
Im Notizstapel waren noch zwei Presseartikel von Juni 2017, die sich mit kontextuell passenden Urteilen beschäftigen. So schrieb die Zeitung mit den großen Buchstaben am 13. Juni über die „Riesen-Empörung“ über das „Skandal-Urteil von Cottbus“. Konkret: Auf eine Frau wurde 19 mal eingestochen, dann wurde sie aus dem Fenster geworfen und ihr anschließend „viermal die Kehle durchgeschnitten“, so Bild. Das Urteil lautete auf „Totschlag“, weil der Täter aufgrund seines Glaubens einen „Strafrabatt“ bekommen habe, so Bild zwei Tage zuvor am 11. Juni.

Weniger plakativ gehen indes eigentümlich frei am 15. Juni und Freitum am 16. Juni vor, die beide den selben Beitrag von Spoekenkieker vom 13. Juni geteilt haben. In diesem findet sinngemäß der oben skizzierte Perspektivwechsel der Dialoge statt.