Längere und kürzere Beobachtungen

Richard Stallman (FSF) ist zurückgetreten und die Heise-Foristen diskutieren intensiv. In der FAZ erscheint ein Text über „Die europäische Mission des politischen Islams“. Ansonsten geht es darum, dass Heiko Herbert unterstützt, der Freitag über Arbeit schreibt, sich die (Social) Media mit SUV beschäftigen und Gerald Knaus vor dem Scheitern warnt.

Heise-Foristen und Stallmans Rücktritt

Heise-Forist „Ach was“ zitiert in einem Kommentar einen meedia-Text von Ende September 2018. Konkret: Im November 2017 hätten Juristen „vor Hetzjagden auf Promis“ gewarnt, weil es im Rahmen der sogenannten „MeToo-Debatte“ „immer wieder zu Vorverurteilungen mit verheerenden Folgen“ komme. Es wird auch der Medienrechtler Prof. Thomas Hoeren von der Universität Münster zitiert, der sonst „unkontrollierte Verdachtsaktion mit Diffamierungen, die der McCarthy-Ära entsprechen”, aufkommen sieht.

Aufhänger war der Rücktritt Richard Stallmanns von der Free Software Foundation aufgrund von missverständlichen Äußerungen im Rahmen der Weinstein-Debatte, über die Heise am 17. September berichtet hatte.

„Twister“ alias „Twistie2015“ alias Bettina Hammer weist darauf hin, dass Stallmann „nicht einfach so“ geschrieben habe, „das plausibelste Szenario ist, dass sie einverstanden/ willig war/sich ihm willig präsentierte“, wie es üblicherweise zitiert werde, sondern den selten zitiert zweiten Satz

„Nehmen wir an, sie wurde von Epstein gezwungen, dann hatte er jeden Grund von ihr zu verlangen, dass sie dies vor seinen Associates geheimhielt.“
folgen lässt.

Offensichtlich wurde der Stein von Vice ins Rollen gebracht, denn „Eruanno“ zitiert in seinem Kommentar „Der Fake News Award 2019 geht an vice.com“ die originale Passage

We can imagine many scenarios, but the most plausible scenario is that she presented herself to him as entirely willing. Assuming she was being coerced by Epstein, he would have had every reason to tell her to conceal that from most of his associates.

und anschließend einen Auszug aus dem Vice-Text vom 13. September

Famed Computer Scientist Richard Stallman Described Epstein Victims As 'Entirely Willing'
[...]
Early in the thread, Stallman insists that the “most plausible scenario” is that Epstein’s underage victims were “entirely willing” while being trafficked.

„D.o.S.“ meint zudem, dass „eine Gesellschaft relativ schnell am Ende“ sei, wenn „Spitzenposition nicht mehr nach Fähigkeiten sondern nach Gesinnung ...... besetzt werden“.

Konzeptuell etwas anders, für manche aber durchaus passend, weil es weniger um Fähigkeiten im technischen Kontext als andere Eigenschaften geht, wird in dem dreiseitigen Golem-Artikel „Werden Frauen überfördert?“ (16. September) Timo Speith, Informatik-Ethiker an der Universität Saarland, auf der dritten Seite dahingehend zitiert, dass man „von einer Diskriminierung der Jungen durch geschlechtsspezifische Förderprogramme“ nur sprechen könne, „wenn bereits ein paritätischer Ausgangszustand herrschen würde“.

Etwas überraschend

Im Feuilleton der FAZ vom 12. September schreiben die Historiker und Politikwissenschaftler Heiko Heinisch, Nina Scholz über „Die europäische Mission des politischen Islams“ und vermitteln dabei Ansichten, die in dieser Form bis dato selten in dieser Form in den sogenannten „MSM“ zu finden sind.

Herbert und Heiko

Weil sich der in London lebende Musiker Herbert Grönemeyer „keinen Millimeter nach rechts“ bewegen will und sich eine Gesellschaft wünscht, in der „es an uns“ liege, „zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen“ habe, gab es Wortmeldungen u.a. von Heiko Maas (will für eine freie Gesellschaft eintreten und die Demokratie "gemeinsam" verteidigen), Bernd Stegemann (der sich von Grönemeyer an Wortbeiträge vor 1945 erinnert fühlte) sowie Beatrix von Storch (nachweislich Politiker) und Shahak Shapira (nach eigenem Bekunden Satiriker)... berichtet beispielsweise Tag 24 über diese Debatte (15. September).

Der Freitag und die Arbeit

Auf der Website Freitag.de, einem Angebot der Wochenzeitung Freitag (mehr dazu auf Wikipedia), deren Verleger und Inhaber seit 2008 sowie Chefredakteur seit 2013 Jakob Augstein ist, rechtlicher Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein sowie Miteigentümer der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG (mehr auf Wikipedia), von sarkastisch-pointierten Social-Media-Nutzern auch schon mal als „Transproletarier“ und damit als „Proletarier, gefangen im Körper eines Millionenerben“ betitelt, schreibt Christian Baron unter dem Titel: „Was vom Tage übrig bleibt“ einen längeren Beitrag (aus Ausgabe 30) über „entfremdete arbeit, lohnarbeit , hierarchien, arbeit, arbeitswelt“ (so die Hashtags) bzw. über „ein Ausmaß an Unterordnung [im Job], das uns in fast jeder anderen Lebenssituation abstoßend erschiene“. Die Leser stimmen weitgehend zu, wie die Kommentare aufzeigen.

SUV und (Social) Media

Am 6. September ist es in Berlin zu einem Verkehrsunfall gekommen, bei dem der Fahrer eines Porsche Macan überlebte, vier Passanten (ein Kind, zwei Männer, eine Frau) indes nicht. Details finden sich zahlreich, u.a. bei der Augsburger Allgemeinen in einem Artikel vom 7. September. Im Nachgang zog der Unfall auch zahlreiche Reaktionen nach sich. Schon aus dem Titel der Kolumne „Die sinnlose Panzerkapsel“ wird ersichtlich, dass Der Spiegel-Autor Stefan Kuzmany recht wenig von sogenannten „SUV“ hält. Dabei zitiert er auch die Journalistenkollegen Ulf Poschardt von der Welt (die Instrumentalisierung des Berliner Verkehrsunfalls mit vier Toten stelle „einen neuen Tiefpunkt der Debatte um eine Verkehrswende“ dar) und Jan Fleischhauer vom Focus („Auch die Umwelthilfe hat den Dreh raus, wie man eine tragische Geschichte so spinnt, dass ein Gewinn herausspringt und am Ende immer der alte Feind schuld ist“).

Der Crash auf Usedom kurz zuvor, der durch einen „Tesla“ verursacht wurde (N-TV, 3. September), hat indes nicht so viel publizistische Reaktionen hervorgerufen - auch wenn die Tesla-Insassen nur leicht verletzt wurden und die beiden Golf-Insassen starben.

Gerald Knaus und das Scheitern

Gegenüber N-TV warnt Gerald Knaus, einer der Architekten des sogenannten EU-Flüchtlingspakts mit der Türkei, „vor Scheitern des Asylsystems“ (12. September).