Lobbyismus und Angst und die Salonkolumnisten

Wie die Welt am 4. September 2019 schrieb, verlange jetzt „ausgerechnet die Windkraftlobby“, den Artenschutz in seiner „oft überzogenen, unverhältnismäßigen Auslegung“ aufzuweichen.

Die „artenschutzrechtliche Carte blanche“, die sich die Branche mit der Gleichung „Windenergieausbau ist Klimaschutz, und Klimaschutz ist Artenschutz“ geben wolle, wird indes nicht von allen Wissenschaftlern geteilt. Klimaschutz habe mit „Artenschutz wenig, bei uns in Deutschland so gut wie nichts zu tun“, meint beispielsweise der Evolutionsbiologe und Ökologe Josef Reichholf.

Um nicht gleich alle spannenden Zitate aus dem Text herauszupicken, sei abschließend nur diese Passage

„Jetzt drohte mit der Windkraft das wichtigste Zugpferd der Energiewende auszufallen, ausgerechnet in einer Zeit, in der jugendliche Klimaaktivisten die Schlagzeilen beherrschen und sich die Klimaängste der Bürger als wahlentscheidend erweisen.“

zitiert, da sich mit ihr recht gut zu dieser Google-Suche google.com/search?q=eine+mutige+gesellschaft+l%C3%A4sst+sich+keine+angst+machen überleiten lässt.

Unter den Ergebnissen findet sich denn auch recht weit oben, ein Beitrag von Anna Veronika Wendland von Mai 2019 über Atomkraft, der mit genau diesem Wahlwerbeclaim einsteigt.

In einem anderen Text für die Salonkolumnisten (ebenfalls von Mai 2019) spießt „Dr. Deutsch“ die Plakate aller Parteien auf und hält dabei für die Bündnisgrünen fest:

„Und so kommt es, dass die Grünen in deutschen Städten für die FDP werben. „Eine mutige Gesellschaft lässt sich keine Angst machen“ steht auf einem der Grünen-Wahlplakate. Eine mutige Gesellschaft? Keine Angst mehr vor Kernenergie, Kohle, Elektrosmog, saurem Regen, Gentomaten, Glyphosat, Benzin, Diesel, CO2, Fleisch, Fracking, Plastik, Autos, Straßenbau, Vermietern, Nazis, Amis, Russen, Flüchtlingen in Tübingen, Flugzeugen, Stickoxid und Lärm? Vor so viel Mut müssen reihenweise Grünen-Stammwähler vom Fahrrad gefallen sein. Zum Glück tragen die meisten ja einen Helm.“

Ähnlich macht es der Twitter-Nutzer @ergroovt in einem Tweet von März 2019, indem er drei Bilder/Screenshots aneinander reiht:

  1. die Aussage der Bündnisgrünen, eine mutige Gesellschaft lasse sich keine Angst machen,
  2. einen Welt-Artikel zu Greta Thunberg mit der Überschrift „Ich will, dass ihr in Panik geratet“,
  3. einen Artikel der Saarbrücker Zeitung, dass Katrin Göring-Eckardt in „Greta Thunberg [eine] Prophetin“ sieht.

Kontextuell passt ein dritter Beitrag der Salonkolumnisten (dieses mal von September 2019), der zwar ohne die bündnisgrüne Plakatbotschaft auskommt, aber inhaltlich recht nah am grundsätzlichen Sachverhalt ist. „Besonders problematisch“ seien Katastrophenszenarien, heißt es da, die sich „auf wissenschaftlichen Konsens berufen und noch dazu von Wissenschaftlern vorangetrieben werden“ (es folgen einige Beispiele wie der Club of Rome von 1972). Unter der Zwischenüberschrift „Deutscher Sonderweg“ urteilt das Autorenduo zudem hart über seine Landsleute:

„Weltuntergangszenarien werden in keinem Land der Welt ernster genommen als in Deutschland, und die typische deutsche Reaktion ist ein Bündel von Maßnahmen, die allesamt tief in den Lebensstil der Bürger und in ihre individuellen Freiheitsrechte eingreifen und totalitäres Denken offenbaren“

Bonus

Weil die Salonkolumnisten ihre Website so programmiert haben, dass unterhalb eines Artikels andere Artikel empfohlen werden, sei auf diese Artikel noch hingewiesen:

  • die Kolumne von Dr. Deutsch von Juli 2019 über die „BDS-Enthüllung“ des Der Spiegel („Affirmative für Deutschland“)
  • der Text über die aufgeheizte Diskussion eines Beitrags über Greta Thunberg von Januar 2019 („Mitten im Mob“).