Medienkritik bzw. Kritik an Medien

Auf Übermedien schreibt Stefan Niggemeier über ein „virales Video ohne Kontext“: Böse Trump-Fans, guter Ureinwohner? Die zu einfache Geschichte einer Konfrontation (21. Januar). Augenscheinlich kann er sich selbst von (s)einem Bias nicht ganz frei machen, wenn er im ersten Absatz tendenziell wertend

„Während der Mann stoisch seine Trommel schlägt, grinst ihm der junge Mann dreist ins Gesicht; um ihn herum wird höhnisch gejohlt und geklatscht.“

schreibt.

Anschließend legt er aber vergleichsweise sauber auseinander, was die (hiesigen) Medien aus der Geschichte um den „Native Elder“ Nathan Phillips und die Schüler der Covington Highschool sowie vier Vertreter der „Black Hebrew Israelites“ gemacht haben.

Interessant (im Sinne von: den Kontext ergänzend) ist es auch, die Kommentare zu lesen und einigen der Links zu folgen. So teilt einer der Kommentarschreiber einige Screenshots von verifizierten Twitternutzer wie dem Produzenten Jack Morrissey (Disney, Original gelöscht – Reaktionen und Screenshots in der Twitter-Suche) oder Uncle Shoes (siehe Screenshot bzw. Twitter-Suche).

Weitere Tweets mit einer klaren Haltung, darunter beispielsweise Komiker Patton Oswalt oder Howard Dean, einstmals Bewerber um die Position als Präsidentschaftskandiat der Demokraten, hat Stefan Niggemeier in seinen Beitrag eingeflochten.

Für The Atlantic hat sich Caitlin Flanagan, Autorin des Romans „Girl Land“, am 23. Januar ausführlich mit der Betrachtung des Falls auseinandergesetzt. Ihr Fazit findet sich schon in der Überschrift: The Media Botched the Covington Catholic Story – And the damage to their credibility will be lasting.

Kontextuell irgendwie passend hat Rechtsanwalt Markus Kompa auf Telepolis am 25. Januar festgehalten: Medien – Wir brauchen mehr Fremdkritik.

Während Kompa auf jegliche Verweise auf Claas Relotius verzichtet (siehe im Blog hier Artikel mit seinem Tag) und Niggemeier die Verweise von Kommentarschreiber auf eben jenen Relotius für unpassend hält, weil eben nicht eindeutig gefälscht wurde (während seine Kommentarschreiber eher auf die Haltung bzw. den Bias abzielen), kommt die Redaktion von Meedia in ihrer Medien- bzw. Spiegel-Kritik zwangsweise nicht ohne den Relotius-Bezug aus: “Leicht erkennbare Fehler”: Spiegel legt Relotius-Fälschungen offen – und entzaubert den eigenen Mythos vom knallharten Factchecking.

PS:
Wer sich selbst ein Bild von der Thematik machen will, die Niggemeier und Flanagan skizzieren, findet auf Youtube ein 106 Minuten langes Video der „Black Hebrew Israelites“: youtube.com/watch?v=L-2z3en-oIo.

PS 2:
Möglicherweise erinnert sich der ein oder andere Leser noch an die Presseschau Ein paar ausgewählte Links zum Fest vom 24. Dezember, in der u.a. der Netzpolitik-Artikel It’s a man’s world – Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden der taz-Autorin Carolina Schwarz enthalten ist. Dort erläutert sie u.a. kurz, was sich hinter „Doxing“ verbirgt. Was damit gemeint ist, erschließt sich auch in den Kommentaren unter Stefan Niggemeiers Artikel, wo einer der Leser diese Grafik verlinkt hat (hier inkl. kurzer Diskussion bei @BernieFireball).

PS 3:
In einem Teil der Berichterstattung wurde auch die Zeit von Nathan Phillips in der Army besonders betont. Diesbezüglich haben die Washington Post (Nathan Phillips, man at center of standoff with Covington teens, misrepresented his military history, 23./24. Januar) und Snopes (Did Nathan Phillips Falsely Claim He Was a Vietnam Veteran?, 23./24. Januar) einen langen und einen längeren Beitrag veröffentlicht.