„Mulitikulti als der Kern von Rassismus“

Der 1981 in North Carolina (USA) geborene und in Berlin wirkende Dirigent Brandon Keith Brown schreibt in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel vom 16. August über „Mulitikulti als den Kern von Rassismus“.

Bei den Lesern des Tagesspiegels indes kommt nur bedingt Verständnis auf, wie einige Kommentare verraten. So kann sich einer „des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor - bewusst/ unbewusst - manche Reaktionen geradezu herausfordert.“ Er unterlegt diese Sichtweise mit der Brownschen Anekdote, dass selbiger von einem Angestellten nach einer Bestellung auf englisch „angebellt“ wurde und er (Brown) anschließend in „[s]einem besten Deutsch“ erklärt habe, „Deutschland sei jetzt globalisiert und hier leben nun nicht bloß weiße Menschen“.

Ein andere knöpft sich die Aussage Browns vor, „tief im weiß-deutschen Habitus“ davon ausgegangen werde, „dass sich alle Menschen unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund anpassen müssen“, und konstatiert diesbezüglich: „Die Verknüpfung von charakterlichen Eigenschaftsmerkmalen mit der Hautfarbe ist ein zutiefst rassistisches Statement.“ Zudem blendet er aus, dass es sehr viele Gegenbeispielen und auch öffentliche Maßnahmen und Programme gibt, die in eine gegenteilige Richtung weisen.
Auch bediene sich der Autor „selbst zutiefst rassistischer Klischees. Sonst würde er nicht davon ausgehen, dass eine schwarze Hautfarbe bereits dazu führt, anders zu sprechen, zu denken oder zu handeln.“

Ein Leser skizziert ausführlich, dass es einen „Opfer-Narziss" geben könne.

Ein Leser weist darauf hin, dass zwei Personen nichtweißer Hautfarbe, die gemeinsam an einem Tisch sitzen, der von einem Kellner mit weißer Hautfarbe konsequent ignoriert wird, dieses Ignorieren unterschiedlich interpretieren könnten – als Rassismus aus der Sicht des einen und schlicht als Inkompetenz aus der Sicht des anderen.

Bevor hier jedoch ein falscher Eindruck entsteht, Brown erhält aus dem Leserkreis des Tagesspiegels auch Unterstützung. „Glauben Sie schwarzen Menschen!“, schreibt der Dirigent beispielsweise an einer Stelle. Ähnlich klar in der Haltung schreibt vergleichbar ein Leser: „Um es klar zu stellen: Das Opfer von Rassismus ist berechtigt, darüber zu entscheiden, ob Rassismus vorliegt. Nicht der Täter.“

Vergleichsweise differenzierend kommt ein anderer Leser zur der Erkenntnis, Berlin sei „weniger ein Miteinander, als vielmehr ein Nebeneinander vieler verschiedener Peer-Groups, die sich etwa über Dimensionen wie Sprache, Herkunft, soziale Schicht, Bildungsniveau und berufliche Aspekte definieren (oft gar nicht bewusst) und "clustern".“

PS:
Im März des laufenden Jahres hat sich die Berlinerin Sawsan Chebli (SPD) übrigens darüber echauffiert, dass sie im Flugzeug auf englisch angesprochen wurde (Morgenpost, 19. März).