„Nazis raus“, Gedanken zur E-Mobilität, Claas Relotius

Statt als Kurzfassung in der (wöchentlichen) Presseschau gibt es hier drei lesenswerte Artikel, aus denen (bzw. aus deren Kommentaren) ansatzweise zitiert wird.

„Nazis raus“

In seinem transparent als Meinungsbeitrag deklarierten Tagesspiegel-Artikel Hass im Internet – Ein "Nazis raus" und seine Folgen (7. Januar) erläutert Sebastian Leber, dass es „eine demokratische Selbstverständlichkeit“ sei, die in Klammern gesetzte Zweiwortwendung der Überschrift auszusprechen. Sicherlich zutreffend weist der Autor, der seinen Text ebenfalls mit dieser Wendung abschließt, daraufhin, dass man mit Menschen in einer bestimmten Echokammer nicht diskutieren könne, denn “in diese Echokammer dringt keine Vernunft ein, dringt nur sehr viel Hass heraus.“ Ergänzungen zu seinem Statement finden sich in den Kommentaren.

Auf einen bestimmten Aspekt weisen die Nutzer „pfauenauge7“ (09:39 Uhr), „Anarc“ (09:14 Uhr), „minimal“ (08:40 Uhr) und „sich_regen“ (07:57 Uhr, alle 8. Januar) hin: Sie weisen auf unterschiedliche Art darauf hin, dass die Zweiwortwendung auch dahingehend interpretiert werden könne, dass „Menschen entsorgt“ werden sollten. Einer dieser vier Nutzer verlinkt dabei sogar explizit den Artikel Staatsschutz ermittelt – Bremens AfD-Chef Magnitz bei Angriff schwer verletzt, der Erinnerungen an ein oder zwei Kolumnistinnenmeinungen weckt, so es denn tatsächlich politisch motiviert ist.

Vergleichsweise zutreffend weist auch „Charybdis66“ (7. Januar, 23:02 Uhr) darauf hin, dass sie aufgrund der unterschiedlichen Positionierungen bzw. Perspektiven ihrer Diskussionspartner „schon als Kommunistin, verbohrte Feministin, Männerfreundin, reiche Tussi, Sozialbratze oder eben auch als Nazischlampe bezeichnet worden“ sei.

Ob sich seine Aussage auf die vorgenannten Beispiele oder auf anderen Aussagen bezieht, lässt „palmenboy“ am 8. Januar um 10:18 Uhr offen. Vergleichsweise unspezifisch kritisiert er jedenfalls, dass es „doch mal wieder unglaublich“ sei, „wie viele Relativierungen hier im Forum geschrieben werden.“

Gedanken zur E-Mobilität

Wie Markus Elfer in seinem Zeit-Artikel Elektroautos: Zu Teslas Bedingungen (5. Januar) erläutert, müsste der Audi E-Tron „zwei Tage und Nächte [...] an einem 220-Volt-Auslass parken“, sprich einer simplen Haushaltssteckdose, „um die leeren Akkus wieder mit Kraft zu versorgen“.

Zudem berichtet er, dass für das neue „Flaggschiff“ schon über 20.000 Bestellungen vorlägen, und

„dass viele potenzielle Käuferinnen von Elektroautos in der City wohnen, in angesagten Szenevierteln, oft in Altbau-Etagenwohnungen. Schick, aber ohne eigenen Stellplatz und die Möglichkeit, regelmäßig über Nacht zu laden.“

Ansonsten deutet er an, dass der Akku „bei der Produktion und irgendwann der Entsorgung die Umwelt entsprechend belastet“. In den Kommentaren weist Nutzer „Hafensänger“ darauf hin, dass der elektrifizierte Individualverkehr ein Irrweg sei und lediglich dazu diene, die Emissionen aus den Städten zu bringen.

Claas Relotius

Aus den USA arbeitet sich James Kirchick, ein ehemaliger Mitarbeiter („Faktenchecker“) des Der Spiegel an seinem ehemaligen Arbeitgeber ab. Aufhänger des FAZ-Meinungsbeitrags Claas Relotius : Unwahrheiten über das amerikanische Leben (5. Januar) ist die hier bereits behandelte „Causa Relotius“ (am 20. Dezember und am gestrigen 8. Januar).

Kirchick sieht in dem Sachverhalt „ein Paradebeispiel für motiviertes Denken“ der Redakteure und ihrer Leser, da Relotius ihnen erzählte, „was sie erwarteten und über Amerika hören wollten“. So kritisiert er beispielsweise „die latent antiamerikanischen Vorurteile, die der Spiegel regelmäßig im Stil der Yellow Press bedient, während er sie als anspruchsvolle Kritik ausgibt.“

Aufgrund des „groben Pinsels“, mit dem die US-Anhänger des US-Präsidenten gezeichnet würden, gönnt er sich im Abspann die kleine Pointe, die „äußerst populären Arbeiten von Relotius“ dahingehend zu beurteilen, dass sie sich „genau wie das“ lesen ließen , „was man von einem schnöseligen, verweichlichten, selbstgerechten, moralische Überlegenheit vortäuschenden und Latte macchiato schlürfenden Europäer über Amerika zu hören erwartet.“

PS: Im Sammelartikel zur Bundestagswahl 2017 vom 22. September 2017 ist ein kritischer Facebook-Post vom 10. September 2017 (hier der Link bzw. der Screenshot) von Boris Palmer (Bündnis 90 / Die Grünen, Bürgermeister von Tübingen) enthalten, in welchem die Der Spiegel-Kolumne „Rechtsruck in Deutschland – Die geistig-moralische Wende zum Schlechten“ vom 10. September als faktenfreier Meinungsbeitrag aus dem Elfenbeinturm beurteilt wird.