NRW hat gewählt – Berichte und Analysen

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Kleine Fehlgriffe von WR und Zeit

Wie so viele Medien analysiert auch die Westfälische Rundschau (WR) das historische Wahl-Debakel und den Absturz der Hannelore Kraft. In einem kleinen Nebensatz leistet sich Autor Tobias Blasius einen kleinen Fehler, über dessen Ursachen sich nur Mutmaßungen anstellen lassen. Frau Kraft blühte im Wahlkampf "regelrecht auf", vergleichbar zum Frühjahr 2010, als sie mit "dem Pragmatismus einer politischen Quereinsteigerin die Herzen der Genossen eroberte".

Für das Protokoll: Frau Kraft war zum Zeitpunkt der Wahl am 9. Mai 2010

  • 16 Jahre Mitglied der SPD (Eintritt mit 33 Jahren),
  • 10 Jahre Mitglied des Landtags (seit dem 2. Juni 2000)
  • für 4 Jahre Landesministerin (Bundes- und Europaangelegenheiten im Kabinett Clement II ab 4/2001, Wissenschaft und Forschung im Kabinett Steinbrück 12/2002-6/2005),
  • für 5 Jahre SPD-Fraktionsvorsitzende und Oppositionsführerin (ab 5/2005),
  • für 3 Jahre SPD-Landesvorsitzende (ab 1/2007) sowie
  • für ein halbes Jahr stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende (ab 11/2009).

Ähnlich sieht das bei der Zeit aus, wo der rasante Aufstieg des Armin Laschet beleuchtet wird. Für das Protokoll, über welche Etappen sich dieser Aufstieg hinzieht:

  • 1979: Eintritt in die CDU
  • 1989: Ratsherr für die CDU im Aachener Stadtrat
  • 1994: Mitglied des Deutschen Bundestags (MdB, Direktmandat Aachen-Stadt )
  • 1999: Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP)
  • 6/2005-7-2010: Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Rüttgers
  • 2008: Mitglied im CDU-Bundesvorstand
  • 5/2010: Mitglied des Landtags (MdL)
  • 6/2012: CDU-Landesvorsitzender
  • 12/2013: CDU-Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer

Zur Erinnerung noch ein Link auf die Landtagswahlergebnisse der NRW-CDU auf Wikipedia. Der strahlende Sieger Armin Laschet hat zwar fast 7 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwahl gewonnen, hat nach dem zweimaligen "schlechtesten Abschneiden der CDU bei einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen" (2010: 34,6%, 2012: 26,3%) mit 33% aber tatsächlich das zweitschlechteste Ergebnis aller 16 Wahlen seit 1950 geholt.

Berichte und Analysen

Sehr zahlen- bzw. grafiklastig zeigt die Tagesschau am 14. Mai auf, warum Kraft und Rot-Grün verloren haben. Wie die Westfälische Rundschau am gleichen Tag in ihrem Ticker berichtet, räumt die AfD im Essener und Duisburger Norden ab. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis90/Die Grünen) lag , wie um 23.04 Uhr zu lesen ist, in ihrem Wahlkreis mit 4,4% "hinter den Kandidaten von FDP, AfD und Linken".

Das schlechteste Ergebnis überhaupt ihrer NRW-Geschichte haben sich dieses mal übrigens die Sozialdemokraten geholt, wie eine der vielen Grafiken der Welt am 15. Mai zeigt. Werden die Nichtwähler eingerechnet, scheitern nach der Partie Die Linke in der regulären Abrechnung auch AfD und Bündnis 90/Die Grünen an der 5%-Hürde, während die Volksparteien nur knapp über 20% liegen.

Wie verschiedene Medien zitieren, darunter der Generalanzeiger Bonn, hat Armin Laschet ein eindeutiges Anforderungsprofil an den oder die möglichen Koalitionspartner: "Mit allen Demokraten werde ich das Gespräch suchen." Offensichtlich scheint einer der vier möglichen Gesprächspartner AfD, Bündnis90/Die Grünen, FDP und SPD (alphabetische Reihenfolge) diesem Profil nicht gerecht zu werden, da das Zitat sonst "spreche ich mit allen Parteien" gelautet hätte. Eine als Analyse verpackte "Klatsche" gab es am 14. Mai auch von Christoph Schwennicke, Chefredakteur des Magazins Cicero, bei der die Bundeskanzlerin für eine politische Leistung gelobt wird, "die bei aller Unverfrorenheit Respekt verdient".

Twitter als Bürgeranalyse

Eine Bürger- bzw. Wähleranalyse findet sich auch in den Kommentaren unter einem Tweet des Heute-Journals:

Und sonst noch so?

Bundesweit eine Premiere war es auch, dass das Land NRW die Wahlkabine für Menschen mit Behinderung und in Betreuung geöffnet hat (wie die Westdeutsche Zeitung im Vorfeld am 7. Mai angekündigt hat). In irgendeinem Kommentar wurde das Land als "Nordrhein-Katastrophalen" verballhornt. Der von der Opposition massiv kritisierte Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat den Wahlkreis in seiner Heimatstadt Duisburg klar gewonnen, so die Westfälischen Nachrichten am 14. Mai.