„Nur Kleingartenvereine und AfD-Sympathisanten“

Der NZZ-Meinungsbeitrag des habilitierten Volljuristen Udo Di Fabio (mehr auf Wikipedia) vom 29. Juli darüber, ob die „United States of Europe“ „nur Zukunftsmusik oder schon auf der Tagesordnung“ seien, ist inhaltlich deutlich gehaltvoller, als seine im hinteren Text untergebrachte (und in den Social Media prominent zitierte) Pointe

„Nur Kleingartenvereine und AfD-Sympathisanten hissen noch Schwarz-Rot-Gold. Elite und Mitte der Gesellschaft tragen Blau mit goldenen Sternen.“

andeutet.

Als ein Beleg mag ein Artikel auf Spiegel.de angeführt werden, in dem Arno Frank den vor allem für die öffentlich-rechtliche Nischensendung „Neo Magazin Royale“ bekannten Jan Böhmermann dafür würdigt, dass er rund um den „Ibiza“-Hype ein „ein herziges Liedchen für eine große Sache“ platzierte, in dem „TV-Satiriker“ aus dem „Europa der kleinen Nationen (...) gerne aufgehen im größeren Ganzen“.

Nicht alle scheinen den künstlerischen Weg zu bevorzugen, wie dieser auf archive.fo archivierte Facebook-Post der Jusos Berlin andeutet: „Nationalismus eiskalt abservieren“ ist das Bild einer jungen Damen mit Baseballschläger, die einen blauen, mit Sternen im Kreis bedruckten Kapuzenpullover trägt, beschriftet.

Andere, eher den Verstand ansprechende Argumente für die „Vereinigte Europäische Republik“ trägt „Hal Faber“ am 26. Mai auf Telepolis vor.

Indes ist Di Fabios Annahme vielleicht doch etwas zu kurz gegriffen: Bei sportlichen Fußballgroßereignissen lassen so viele Menschen mit der deutschen Trikolore sehen, dass beispielsweise die Bündnisgrünen zur jüngsten Fußball-EM den „Party-Patrotismus“ (Welt, 11. Juni 2016) verdammten.

Zudem scheint der Staat bis dato auch keinen Spaß zu verstehen, wenn es um die Bearbeitung der Fahne geht, wie das Berliner Gerichtsurteil zum „Foto einer zerschnittenen Flagge ohne goldenen Streifen“ (Tagesspiegel, 31. Juli 2018) zeigte. Das Abschneiden konnte zwar nicht nachgewiesen werden, aber die in den Social Media getätigte Äußerung wurde mit 50 Tagessätzen á 50 Euro beurteilt.

PS

In einem Telepolis-Beitrag vom 28. Mai über die „zur Schicksalswahl hochgejazzte EU-Wahl“ schreibt Peter Nowak, dass „die Rechten, die konsequent und falsch als EU-Gegner tituliert“ würden, tatsächlich ein „eigenes autoritäres EU-Modell“ favorisierten.

Seitens Eric Gujer für die NZZ sieht es so aus, die „Machtkartelle“ in Deutschland und in der EU „am Ende“ seien. Denn: „Ein wachsender Teil der Bevölkerung hat von der Zentralisierung genug und betont den Nationalstaat als Heimat und als Ort von Selbstbestimmung und Demokratie.“