Parteigründungen in der Bundesrepublik und ihre Erfolge

Das Reichstagsgebäude im Sonnenuntergang

In der Geschichte der Bundesrepublik waren lange Zeit nur drei Parteien staatstragend: CDU/CSU, SPD und als jeweiliger Koalitionspartner die FDP. Von den Nachkriegsgründungen gelang es fünf Parteien, in Parlamente einzuziehen. Bis auf eine Partei, die es bis in regionale bzw. nationale Regierungsverantwortung geschafft hat, waren die Erfolge aber nur von kurzer Dauer. Ob der aktuelle Shooting Star der hiesigen Parteienlandschaft einer Sternschnuppe gleich verpufft wie jüngst die Piraten oder es den Bündnisgrünen nachmacht, wird sich zeigen.

Hier erst einmal eine Auflistung der Parteien, die mindestens vier mal auf mindestens regionaler Ebene die Fünfprozenthürde übersprungen haben und dabei volle Legislaturperioden hinter sich bringen konnten:

NPD: 10 regionale Fraktionen, davon eine Wiederwahl
Nationaldemokratische Partei Deutschlands , 1964 gegründet, mittlerweile weitgehend unbedeutende Kleinpartei
  • 1966, Hessen und Bayern
  • 1967, Bremen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein
  • 1968, Baden-Württemberg: 9,8 %
  • 2004, Sachsen: 9,2 %
  • 2006, Mecklenburg-Vorpommern: 7,3 %
  • 2011, Mecklenburg-Vorpommern: 6,0 %
DVU: 4 regionale Fraktionen, keine Wiederwahl
Deutsche Volksunion (auch Liste D), 1971 als Verein und 1987 als politische Partei gegründet, 2011 mit der NPD fusioniert
  • 1991, Bremen: 6,2 %
  • 1992, Schleswig-Holstein: 6,3 %
  • 1998, Sachsen-Anhalt: 12,9 %
  • 1999, Brandenburg: 5,3 %
REP: 4 Fraktionen, davon 1 Wiederwahl
Die Republikaner , 1983 von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründet, mittlerweile weitgehend unbedeutende Kleinpartei
  • 1989, Berlin: 7,5 %
  • 1989, Europaparlament: 7,1 %
  • 1992, Baden-Württemberg: 10,9 %
  • 1996, Baden-Württemberg: Wiedereinzug mit 9,1 %
Piraten: 4 Fraktionen, keine Wiederwahl
Piratenpartei Deutschland, 2006 in Berlin gegründet, mittlerweile unbedeutende Kleinpartei
  • 2011, Berlin: 8,9 %
  • 2012, Saarland: 7,4 %
  • 2012, Schleswig-Holstein: 8,2 %
  • 2012, Nordrhein-Westfalen: 7,8 %
Die Ausnahme unter den Nachkriegsgründungen: Die Grünen bzw. Bündnis90/Die Grünen
Die Grünen, gegründet 1980, Bündnis 90 gegründet 1991, Vereinigung 1993; zu viele Wahlerfolge, um sie alle aufzulisten, daher nur eine lückenhafte Kurzfassung
  • 1979-1982: Bremen, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen
  • 1983, Bundestagswahl: 5,6 %
  • 1985, Hessen: erste Regierungsbeteiligung
  • 1990, Bundestagswahl: 4,8% (gescheitert, als Die Grünen)
  • 1994, Bundestagswahl: 7,3% (als Bündnis 90/Die Grünen)
  • 1998, Bundestagswahl: 6,7% und Regierungskoalition
  • 2002, Bundestagswahl: 8,6% und Regierungskoalition

Seit 1990 ist die Partei eigentlich flächendeckend in allen Parlamenten vertreten – mit Ausnahme der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Partei zwischenzeitlich drei oder mehr Wahlperioden in Folge aussetzte. Neben den vier vorgenannten Ländern waren um die Jahrtausendwende parallel auch die Landtage in Sachsen und Schleswig-Holstein nicht mit der Partei besetzt.

Nachtrag:
Im Wikipedia-Artikel zur NPD findet sich eine Quelle, nach der Ende der 1960er Jahre "vorschnelle Kritiker [...] Parallelen zur Weimarer Republik" zogen und "schon das Ende der Demokratie" voraussahen. Auf Wikipedia wird für diese Passage die Formulierung "verschiedentlich befürchtete man sogar das Ende der Bundesrepublik" verwendet.

Das Ende der Bundesrepublik ist durch die kurzzeitigen Erfolge Ende der 1960er Jahre ebenso wenig eingetreten wie "Weimarer Verhältnisse" in den Parlamenten nach den langfristigen Erfolgen der Bündnisgrünen. Nach dem aktuellen Stand wird auch der jüngste erfolgreiche Spross der hiesigen Parteienlandschaft diese nicht zum Ende führen.

2. Nachtrag
Die Partei Die Linke hat hier bewusst keinen Eingang gefunden. Unter dem aktuellen Namen existiert sie zwar erst seit Juni 2007 durch die Verschmelzung der SPD-Abspaltung WASG mit der Linkspartei.PDS, doch letztere verfügt trotz verschiedener Umbenennungen über eine Kontinuität seit 1946, so Wikipedia.