Presseschau August 2019

Es könnten gewiss mehr Artikel sein, wenn eine Presseschau einen ganzen Monat abdeckt. Der Vorteil indes: Der einzelne Artikel erhält mehr Aufmerksamkeit.

31. August

Während der ORF über den schwedischen Weg weg vom Bargeld berichtet (siehe unter dem 30. August), zeigt die NZZ einen anderen schwedischen Trend auf: eine Eskalation bei Sprengstoffanschlägen, mutmaßlich durch Kriminelle.

30. August

Während in Österreich über ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht auf Bargeld nachgedacht wird, könnte Schweden schon 2023 bargeldlos sein, berichtet der ORF, der neben den Vorteilen auch die Nachteile aufführt.

29. August

Das hier bereits vorgestellte „Social Scoring Systems“ Chinas (siehe z.B. diesen Artikel vom 9. Juli 2018) soll auch für Unternehmen gelten, so der ORF, weshalb es sich zur „neue[n] Waffe im Handelsstreit“ entwickeln könne.

27. August

Welche Haltung dürfte wohl in einem Meinungsbeitrag mit dem Titel „Vorsicht mit der Abgeltungssteuer!“ transportiert werden, wenn die Autorin eine renommierte Finanzjournalistin (Jessica Schwarzer, langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts) ist und der Text auf Onvista veröffentlicht wird?

26. August

Eine anonym bleibende Zeit-Autorin hat sich gegen den Trend entschieden, Kinder immer früher und immer länger in die „Kita“ zu bringen. Dafür werden sie „hart kritisiert“.

22. August

In „smarten“ Geräten, die beispielsweise als „defekt, für Bastler“ abgegeben werden, finden eben jene Bastler durchaus brauchbare Informationen, so der Der Spiegel.

20. August

In einem längeren Zeit-Interview mit Martin Schulz von Hamburg Wasser geht es vor allem um die örtliche Kanalisation und deren Reinigung. Spoiler: Es gibt so einige Dinge, die im Mülleimer besser aufgehoben sind.

19. August

Die NZZ berichtet über „financial repression“ bzw. Enteignung durch die Zinspolitik in Deutschland.

In einem Motorrad Online-Text, der auf den 19. August 2019 datiert ist, über die subjektive Wahrnehmung von „Motorradlärm“ schreibt Eva Breutel, dass eine regionale Vollsperrung „aller Voraussicht nach […] 2018 beibehalten“ werde. (Sollte der Text mal ohne Hinweise aktualisiert werden, findet sich hier auf archive.is eine Archivversion.)

17. August

Mit dem Bild vom guten Hirten, der nicht der eigenen Herde schaden sollte, in der Überschrift macht sich Georg Köhler für die NZZ ein paar Gedanken zum Thema „Flüchtlingskrise“.

Die Kommentare unter dem Tagesspiegel-Text, der sich mit der Unterwanderung der Berliner Politik durch Kriminelle auseinandersetzt, sind durchaus interessant: So werden beispielsweise Immobilienspekulanten als deutschlandweit aktive Bande bezeichnet, die „Machenschaften von Landowski“ und „die Verstrickungen der bayrischen Politik in die widerrechtliche entschädigungslose Enteignung und Zwangspsychiatrisierung von Gustl Mollath“ ebenso aufgeführt wie die Unterwanderung der SPD durch Muslimbrüder (verlinkt wurde der Cicero-Text von Ende April.

Ein Familienstreit, der den Verkehr lahmlegt? Das kann es beispielsweise in Berlin geben, so die Welt, aus einem Café auf den Gehweg verlagert und „bis zu 100 Schaulustige“ dazukommen.

16. August

Bei gegenteiligen Positionen könnte der Interviewpartner der Zeit schnell als „alter, weißer Mann“ angegangen werden — aber Uwe-Karsten Heye (SPD) vertritt mit 78 Jahren andere Positionen zu Klima und Flüchtlingen als beispielsweise sein fünf Jahre jüngerer (Wikipedia) Parteigenosse Thilo Sarrazin.

15. August

Die NZZ setzt sich in einem Beitrag mit „Tierpornos, eigene(n) Sexfilmchen oder Aufnahmen von krasser Gewalt“ auf den Mobiltelefonen von minderjährigen Teenagern auseinander, die dafür am „Ende per Strafbefehl verurteilt“ wurden.

Heise berichtet über US-Hacker, dessen kalifornisches Kennzeichen „Null“ ihn quasi zum notorischen Parksünder macht.

Weil das Instrument der Vorratsdatenspeicherung für mehr als „nur für den Kampf gegen schwere Kriminalität“ notwendig sei, zitiert Heise aus einem EU-Bericht, sollen Daten aus 487 Kategorien auf Vorrat gespeichert werden.

Service der Tagesschau: Die Updates der StVO und die Konsequenzen für den Geldbeutel.

Der Kölner Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Bündnis 90/Die Grünen) kämpft „im Multikultiviertel Eigelstein“ für Anwohner und Restaurantmitarbeiter und gegen Grillrauch, weil es sich seiner Meinung nach um „Superfeinstaub“ handele. Sein Mitstreiter Christian Döring, ein Kölner Kinderarzt, wird bezüglich der möglichen Gefahren befragt, von denen eine sei, dass Ultrafeinstäube einatmende Schwangere Gefahr liefen, „untergewichtige Babys zu bekommen“. Die kommentierende Leserschaft kann das indes nicht so recht nachvollziehen, weshalb einer a) nach der im Text nicht genannten Dosis fragt, b) nach den Kindern der mit Holz und Briketts kochenden Urahnen sowie c) nach der Perspektive eines Landes, „wenn jeder glaubt, dass er gleich umfällt, wenn er irgendwo was riecht“.

14. August

In ihrem Zeit-Kommentar, dass sich die Oberschicht laut Einkommen möglicherweise aus „Oberschichtscham“ nicht zur Oberschicht zähle, rutscht Judith Luig relativ früh dahingehend schon aus, dass sie neben den vergleichsweise aktuellen Fällen von Friedrich Merz und Verena Bahlsen auch unterstellt, dass „vermutlich nicht mal die Milliardäre, die Aldi-Brüder,“ Oberschicht sein wollten. Tatsächlich dürften die beiden diesbezüglich keine Meinung mehr dazu haben, wie dieser MM-Text von Juli 2014 mutmaßen lässt, in dem es um den „Tod auch des zweiten Aldi-Bruders“ geht.

Wenn der Vorstandschef der Nürnberger Versicherung mit dem Handelsblatt seine Erwartung an die neue EZB-Führung und die folgen für [deutsche] Sparer spricht, können das nur Abonnenten lesen.

Interessante Einblicke in Chinas Afrikapolitik gewährt der NZZ-Artikel, der sich mit einem Straßenbauprojekt in Uganda beschäftigt.

13. August

Das Der Spiegel-Interview „Eine Frau soll keinen Mann brauchen müssen, um ein Kind zu gebären“ mit der Politologin Antje Schrupp (mehr auf Wikipedia), die von Heike Kleen schon in der ersten Frage auf ihr „Nichtmutterdasein“ angesprochen wird, offenbart interessante Ansichten zur Schwangerschaft im sozialen Wandel.

Die Nichtregierungsorganisation Amadeu-Antonio-Stiftung, benannt nach Amadeu Antonio Kiowa (DEWP) und geführt von Anetta Kahane (ENWP), bezeichnet die jüngste Bundestagspartei als „die erfolgreiche NPD“, weshalb sie ein „Handbuch“ zum Umgang mit der AfD veröffentlicht hat, wie u.a. die Welt berichtet. So werde beispielsweise darauf hingewiesen, dass es „wichtig sei, das Framing und die Inhalte der Partei nicht zu reproduzieren“. PS: Zu „Framing“ sei beispielhaft auf diesen Blog-Text vom 6. August 2018 verwiesen.

Ob es sich beim „Phänomen Greta“ nicht vielleicht eher um das „PR-Phänomen Greta“ handeln könnte, ist das Thema einer Kolumne Wolfram Weiners für NTV.

9. August

In einer Betrachtung des Carsharing-Marktes, der sich in „den meisten deutschen Städten“ nicht rechne, teilt die SZ u.a. die Erkenntnis des Fachtitels Taxi Times mit, dass sich die Verkehrsprobleme verschärften, weil Nutzer „vom ÖPNV, dem Taxi oder dem Fahrrad“ auf die „Share“-Autos umstiegen.

Wie der Tagesspiegel berichtet, hätten „zwei homosexuelle Königspinguine ein Ei adoptiert“, was den ein oder anderen wiederum nicht so sehr verwundert, weil doch Männchen Eier „im zwei- bis dreiwöchigen Wechsel“ (Wikipedia) bebrüten.

8. August

Die Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall hat sich mit „Anwaltsstrategien gegenüber Medien“ beschäftigt und der Tagesspiegel berichtet darüber. Aufhänger der Zeitung ist dabei das „Alpha Mentoring“-Programm des Deutschrappers Kollegah.

Über den Service OTS lief beim Kölner Express die Nachricht über einen 19 Jahre alten Langenfelder, der mit einer Machete „rumfuchtelt“.

7. August

Mit Patrick Owomoyela hat ein ehemaliger Akteur des Ballspielvereins Borussia Dortmunder im „Netradio“ des Vereins den „Führer“ imitiert, was a) für Aufruhr, b) zu einer Entschuldigung und c) zum Vorwurf der „Schlagzeilenjägerei“ geführt hat. Nachzulesen ist das u.a. bei der Welt.

6. August

Weil 50.000 der 410.000 Arbeitsplätze bei Bosch von Diesel_Fahrzeugen abhängen, wird der weltgrößte Zulieferer „auf die zurückgehende Nachfrage reagieren“, zitiert die FAZ aus der SZ.

Mit seiner Idee, dass Kinder nur bei ausreichenden Deustchkenntnissen eingeschult werden sollen, stößt Carsten Lindemann (CDU) auf gegenteilige Meinungen bei „Opposition und auch Parteikollegen“, so N-TV.

Nachdem vor ziemlich genau drei Jahren (siehe dazu den Welt-Artikel vom 23. August 2016) das Katstrophenfaltblatt aktualisiert wurde, weist die Welt heuer mit einem Interview darauf hin, wie man sich auf einen „Black-out“ einstellt – beispielsweise durch einen Dieselgenerator.

In einem Kommentar für die Wirtschaftswoche erläutert Sven Böll, wie die „Volksparteien ihren Niedergang selbst beschleunigen“.

5. August

Während der amtierende US-Präsident aufgrund von Vorfällen in El Paso und Dayton, Ohio, die Todesstrafe für „Verbrechen gegen die Menschlichkeit" einführen will, schreibt die Tagesschau in ihrer Überschrift von „Todesstrafe für Hassverbrechen“.

Damit das mal klar ist, schreibt die Tagesschau, dass die sogenannte Verkehrswende nicht gelingen kann, solange das Auto bremst.

Weil das für teuer Geld entwickelte „BeA“ keine Umlaute beherrscht, können trotz angeblich erfolgreicher Zustellung Fristen versäumt werden, so Golem.

2. August

In einer Kurzmeldung skizziert Heise die Folgen eines klimabezogenen, humorvoll gemeinten Tweets von Mercedes.

Mit einer anekdotischen Betrachtung zum Film „Ein Fisch namens Wanda“ steigt Harald Welzer in seinen „Einwurf“ zur Identitätspolitik für Deutschlandfunk Kultur ein. Politisch sei es jedenfalls „weit aufschlussreicher“, wenn sich durch freie Rede erkennen ließe, „wes Geistes und Vorurteils Kind er oder sie ist“.

In einem durchaus kritischen Tonfall analysiert die SZ die Lage der SPD auf Vorsitzendensuche, um dabei zwischenzeitlich die Frage zu stellen, was „von Stellvertretern zu halten“ sei, denen „der Willen zum Führen dieser stolzen Partei“ fehle, und ebenso zwischenzeitlich zu konstatieren, dass „eine große, bedrohliche Leere nach dem Rückzug von Andrea Nahles“ entstanden und „wie ausgebrannt die Führungsspitze dieser Partei“ sei.

In einem Gastbeitrag für die FAZ schreibt Alexander Mitsch, Vorsitzenden der sogenannten Werteunion, dass die Bewegung „Fridays for Future“ von der „radikalen Linken zunehmend instrumentalisiert“ werde. Die Erwiderung Jakob Blasel und Carla Reemtsma erschien am gleichen Tag.

Gleich fünf Handelsblatt-Autoren schreiben darüber, wie Negativzinsen die hiesigen Sparer belasten.

Es handele sich bei „Fridays for Future“ um eine „fast perfekte Jugendbewegung“, schreibt die Zeit, die in einem längeren Stück Einblicke in die deutsche Sektion gewährt.

In einem fortlaufend aktualisierten Ticker berichtet Heidelberg24 davon, wie an einer Gemeinschaftsschule in Bad Schönborn bei Karlsruhe die Lungenkrankheit Tuberkulose ausgebrochen ist. Stand 2. August sind 109 Personen infiziert und 4 erkrankt.

Über das Redaktionsnetzwerk Deutschland verbreitet sich die Meldung, dass 82 Schließfächer der Sparkasse Harburg-Buxtehude aufgebrochen wurden. Der Schaden soll bei einer Million Euro liegen. Die Meldung der Polizeidirektion Lüneburg mit Fotos der mutmaßlichen Täter findet sich hier, ansonsten hatte beispielsweise die Kreiszeitung die Meldung schon am 11. Juli.

1. August

Bei einer Veranstaltung in Paderborn, genauer: beim Tag des Handwerks, sorgte der Schalke-Präsident und Schlachtunternehmen Clemens Tönnies „einmal schwer für Kopfschütteln“ aufgrund einer Aussage über Afrika. Die Neue Westfälische belässt es bei dem Zitat und den Reaktionen aus dem Auditorium, ohne selbst zu bewerten.

Der Entwurf zum neuen Mediendienstestaatsvertrag kommt auf 76 Seiten, eine
Zusammenfassung einiger kritischer Punkte findet sich auf heise.de ("Internetfreiheit ade: Harte Kritik am geplanten Medienstaatsvertrag").

Die Berliner Zeitung berichtet von einer Stuttgarter Bluttat, bei der ein 36 Jahre alter Mann von seinem zeitweiligen Gast, die Polizei geht von einem 28-jährigen mit Aufenthaltstitel aus, „mit einer Art Schwert erstochen“ wurde.

Service für die Leser: Der Spiegel fasst für seine Leser zusammen, dass und „Kunden beim Bezahlen und bei Bankgeschäften im Netz zusätzlich identifizieren müssen“.

Der typische AfD-Wähler sei ein Mann „jüngeren oder mittleren Alters“, der „gut“ verdiene und zum „eher gehobenen Bildungsdurchschnitt“ gehöre, schreibt Malte Lehming in einem Kommentar für den Tagesspiegel („Protest trotz Wohlstand - Sie wählen die AfD, weil es ihnen gut geht“). Dabei setzt er als Pointe in seinem letztem Absatz das Wort „Wohlstandsverwahrlosung“ ein.

(deutlich) älter

Die Dachüberschrift im BZ-Artikel „Grünen-Politikerin stöhnt über SPD-Kollegen – Verrückter Penis-Streit im Berliner Abgeordnetenhaus“ ist bewusst schön zweideutig gewählt. Inhaltlich äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Susanna Kahlefeld „deftig und deutlich vernehmbar“, [...] „Männer mit kleinen Schwänzen seien jetzt gerade ganz mutig…“. (15. Dezember)

Weil die Menschen bis heute über Sprache (und speziell einige der hier thematisierten Aspekte) diskutieren, sei „Political Correctness: Neusprech und Gutdenk“ von Josef Joffe vom 15. April 2010 (Quelle: Die Zeit, 15.04.2010, Nr. 16) verlinkt.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.