Presseschau Dezember 2020

Das neue Jahr startet früh in diesem Blog – direkt am 1. Januar mit einer Presseschau der Dezemberartikel, die irgendwie in den Bereich „Beobachtungen + Notizen ...und sonstige Entdeckungen“ fallen.

28. Dezember

Von dem remote durchgeführten Chaos Communication Congress berichtet Heise vom Vortrag Andy Müller-Maguhns, der sich von der CIA ausspioniert fühlt – und das in seinem Vortrag mit diversen Beispielen unterlegt.

27. Dezember

Christian Bayer und Philip Jung stellen für die FAZ bezüglich der Staatsschulden (insbesondere durch „Corona“) eine relevante Frage schon im Titel: „Wer kommt für die Rekordschulden auf?“

Jonas Schaible vom Spiegel hat in seinem Beitrag über „Politiker in der Coronakrise“ eine klare Vorstellung bzw. Haltung, wie schon an der Überschrift sichtbar wird: „Irgendwie durch den Tag kommen“, weil – so heißt es dann im Vorspann – das „Prinzip Hoffnung“ regiere.

26. Dezember

Kaum etwas weckt(e) so sehr deutschlandweit die Emotionen wie „König Fußball“ – für die SZ schaut sich Philipp Selldorf an, ob dies auch in „Corona-Zeiten“ noch der Fall ist.

Der Bericht des Tagesspiegels über einen morgendlichen Schusswechsel in Kreuzberg mit vier Verletzten wird im hinteren Teil angereichert mit einer kurzen Darstellung anderer Beispiele von „Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Gruppen oder kriminellen Mitgliedern deutsch-arabischer Großfamilien“.

25. Dezember

Nachdem der „regionale Konflikt“ rund um Berg-Karabach jüngst wieder „erkaltet“ ist, schaut Julia Wadhawan für die Zeit in den Himalaya, wo es den „ erneuten Ausbruch eines alten Grenzstreits“ zwischen der Volksrepublik China und Indien gibt.

24. Dezember

Weil er auf seiner letzten Sitzung als Vertreter der nur zeitweilig an dem Gremium partizipierenden Bundesrepublik Deutschland die Volksrepublik China aufforderte, zwei Kanadier freizulassen, wurde Christoph Heusgen nach Ansicht der FAZ vom Vertreter des dauerhaft im UN-Sicherheitsrates vertretenen Landes „wenig diplomatisch“ bzw. „wenig herzlich“ verabschiedet.

22. Dezember

Es ist auch der Schweizer NZZ eine Meldung wert, dass das Bundesverfassungsgericht den Eilantrag der öffentlich-rechtlichen Sender bezüglich des (durch Sachsen-Anhalt gescheiterten) Rundfunkbeitrags ablehnt.

In der kreisfreien rheinland-pfälzischen Stadt gebe „es so viele Corona-Infektionen wie kaum anderswo“, heißt es bei der FAZ, wobei vor allem Pflege- und Alteneinrichtungen betroffen seien.

Die Hamburger Burschenschaft „Germania“ wird weiterhin im Landesverfassungsschutzbericht Hamburgs auftauchen, wie das Hamburger Verwaltungsgericht laut taz urteilte.

21. Dezember

Der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) warnt laut FAZ davor, dass der Stahl hierzulande „knapp“ werde.

20. Dezember

Zur Unterstützung bzw. Rettung des durch den zweiten „Lockdown“ noch mehr in die Krise geratenen Einzelhandels (insbesondere in den Innenstädten), fordern Politiker von „Union und SPD“ eine Besteuerung des Online-Handels, so das Handelsblatt.

_Twitter_Nutzerin Daniela Biela hofft, dass die ARD bezüglich der Ausstrahlung des „kleinen Lords“ „Haltung zeigt“, wie Der Westen schreibt. Laut Aussage in dem Artikel könnten „Millionen Menschen“, die mit dem Weihnachtsklassiker groß geworden seien, „nicht fassen, in welche Richtung sich der Filmstar entwickelt hat“. Als Gründe führt Daniela Biela an, dass der mittlerweile 50 Jahre alte Darsteller „bekannt für mehrfache häusliche Gewalt“ sei und einen „Terroristen und Mörder“ unterstütze.

Während die Rheinische Post Karlheinz Rummeniges Statement zur „Spuckattacke“ des Mönchengladbacher Fußballers Marcus Thuram eher sachlich abhandelt, klingt der NTV-Kommentar eher nach einem universitären Vortrag statt nach einem sportjournalistischem Statement.

18. Dezember

Anlässlich des Aktionstages #4GenderStudies führt Christoph David Piorkowski ein Interview mit Prof. Maureen Maisha Auma über Intersektionalität.

Boris Reitschuster beschäftigt sich in seinem Blog mit der Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik, die gegenüber dem Neuen Deutschland im Interview u.a. erklärt hatte, dass es „eine Kernaufgabe der Führungskraft“ sei, die „jeweiligen Kollegen hier im Blick zu behalten und aufmerksam zu werden“, und schreckt dabei auch vor historischen Vergleichen nicht zurück (konkret verwendet er das DDR-Wort „Klassenstandpunkt“).

Weil eine Bundesministerin sich „verplappert“ habe, ist sich der Journalist Boris Reitschuster in einem anderen Beitrag sicher, werde eine Impfpflicht „durch die Hintertür“ kommen, was er mit verschiedenen Zitaten herleitet sowie kommentiert.

17. Dezember

Auf Basis eines Insiders, genauer: eines ehemaligen Mitarbeiters, eines BZ-Artikels „Schon wieder kein Knast!“ mit Ausrufzeichen) lautet, braucht sich der Leser keine Gedanken mehr über die Haltung des Autors zum „Berliner Hütchen-Spieler-Pate(n)“ machen, der sein aktuelles „mildes Urteil“ „feiert“.

Der „erwartbare Aufschwung“ stecke mittlerweile „längst in den Aktienpreisen“, so der Meta-Title eines Handelsblatt-Artikels über die Börsenaussichten 2021. Quintessenz laut Überschrift: „Niemand sollte sich 2021 über sinkende Börsenkurse wundern“.

16. Dezember

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo muss 90.000 Euro Bußgeld an das Ministerium für den öffentlichen Dienst bezahlen, weil sie in ihrer Amtszeit bis dato 11 Frauen, aber nur 5 Männer in Führungspositionen befördert hat, was „damit eine Paritätsregel verletzt“, so die politische Korrespondentin Michaela Wiegel für die FAZ. Laut Wiegel habe die Bürgermeisterin die Bußgeldstrafe als „absurd, ungerecht, unverantwortlich und gefährlich“ moniert, gleichwohl soll es ihr „eine Ehre“ sein, das Bußgeld zu begleichen. Im letzten Absatz schreibt Wiegel, dass das Bußgeld aus der Stadtkasse beglichen werden soll und die Bürgermeisterin „den Scheck persönlich mit ihren Mitarbeiterinnen überreichen“ wolle.

In ihrem Zeit-Beitrag über die aktuelle COVID-19-Lage im Erzgebirge beschreiben Anne Hähnig und Martin Machowecz recht präzise die kritische medizinische Situation, die Ursachenanalyse („Sorglosigkeit“) indes findet im letzten Absatz und recht knapp statt.

In dem FAZ-Text über die Siegesparade in Baku, zu der „Aserbaidschans Machthaber Ilham Alijew den großen Verbündeten“ Recep Tayyip Erdogan eingeladen hatte, gibt der in Moskau ansässige Korrespondent Friedrich Schmidt auch einige Zitate wieder. So habe Alijew etwa „Heute haben wir die historische Gerechtigkeit wiederhergestellt“ gesagt und weite Teile Armeniens inklusive der Hauptstadt Jerewan als „unser historisches Land“ deklariert. Wie weit diese historische Perspektive zurückreicht und welche Konsequenzen sich für Armenien ergeben könnten, ergänzen die Kommentatoren.

Anders als viele andere Journalisten vor allem in der Publikumspresse legt Elnura Jivazada für Telepolis bei der Behandlung des armenisch-aserbaidschanischen Krieges in/um Berg-Karabach den Schwerpunkt der Betrachtung auf Umwelt- und vor allem Wasserfragen.

Den Umgang des Kölner Kardinals Woelki mit einem Kindesmissbrauch-Verdachtsfall bezeichnet der Deutschlandfunk in der Dachüberschrift als „Causa Woelki“. Nach Ansicht des Theologen Thomas Schüller sei dabei „ein moralischer Tiefpunkt erreicht“, da „der Kardinal versucht, seine Karriere zu retten, indem er erneut ein Opfer instrumentalisiert“.

15. Dezember

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hat über eine 90-minütige Gesprächsrunde der Bundeskanzlerin mit Studenten berichtet und dabei ein ca. 90-sekündiges Video eingebaut sowie deutlich mehr Passagen zitiert, darunter zum Umgang mit sogenannten Corona-Leugnern („Das wird vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein.“ Laut der Überschrift des korrespondierenden Tagesschau-Beitrags seien zudem Verschwörungstheorien „Ein Angriff auf unsere Lebensweise“. Wenig überraschend wird das Thema einen Tag später von Alexander Wallasch auf TE kritisch behandelt.

Golem veröffentlicht einen längeren Erfahrungsbericht zum Thema „Überwachung durch Apps in Smartphones“, den der Norweger Martin Gundersen geschrieben hat (ursprünglich übrigens auf norwegisch).

Wie die TaskForce FGM auf Basis einer Umfrage bei den kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer herausgefunden hat, sind die Fälle von „FGM“ bzw. female genital mutilation von 2016 bis 2019 um 40 % gestiegen.

„Nach links driftende Friedrich-Naumann-Stiftung säubert die Reihen“ ist die Überschrift, mit der Autor „SB“ schon in der Überschrift seines JouWatch-Textes seine Position zum Umgang der FDP-nahen Stiftung mit Gunnar Kaiser (siehe beispielsweise hier auf Wikipedia die Löschdiskussion vom 22. November), der eine Online-Podiumsdiskussion zum Thema „Cance Culture“ morderiert hatte, zum Ausdruck bringt. Weitere Nachberichte gab es u.a. am gleichen Tag bei JF, am 16. Dezember bei Tichys Einblick, am 17. Dezember bei der Welt und bei Cicero, am 19. Dezember bei eigentümlich frei, am 22. Dezember bei Perlentaucher im kommentierten Feuilletonrundblick „9punkt – Die Debattenrundschau“ und am 23. Dezember bei der NZZ.

14. Dezember

Ze.tt, der Jugendableger der altehrwürdigen Zeit, wachse „heute über sich heraus“, so Leser paz_em, und dankt „für das großartige Interview“ zu „Hijab-Pornos“ bzw. antimuslimischem Rassismus in der Pornografie.

12. Dezember

Die Haltung von Andreas Fanizadeh, Ressortleitung Kultur bei der TAZ, in seinem Artikel über Gutachter und Gutachten zu Ereignissen vorrangig zwischen 1920 und 1945 wird schon im ersten Satz der Einleitung deutlich: „Das notorisch klamme Haus Hohenzollern fordert trotz brauner Vergangenheit weiter Geld vom Staat.“ Inhaltlich geht es darum, dass mit Christopher Clark der bislang letzte wohlwollende Gutachter eine kritische Haltung einnimmt.

Von Frankreich aus hatte der iranische Blogger Ruhollah Zam regierungskritisch über sein Heimatland berichtet, nun wurde er laut der FAZ nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA in Teheran hingerichtet.

Mit ihrem „1-Millarde-Euro-Deal“ greife die Bundesregierung „für die Islamisierung Deutschlands tief in die Tasche“, ist sich Paul Möllers für die Jüdische Rundschau schon in der Überschrift sicher.

11. Dezember

Knapp 1.000 Kommentare hat der FAZ-Kommentar von Anna Mayr nach sich gezogen, dass der politische Umgang mit Hart IV und Armut während der Corona-Pandemie zeige, dass Armut „erwünscht“ sei.

10. Dezember

In seinem Gastkommentar für die NZZ schreibt Rasim Marz über den „Friedensvertrag von Sèvres als epochale Demütigung“ der Türken, die auch 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges spürbar sei und als „altes kollektives Trauma“ u.a. durch den türkischen Staatspräsidenten lebendig bleibe.

9. Dezember

Mitten im Advent wiederholt RTL einen Stern-Artikel darüber, dass eine „neue Diskussion entbrannt“ sei, ob für den Weihnachtsmann „eine geschlechterneutrale Formulierung nicht besser wäre. Oder ob nicht gleich eine Frau den Job übernehmen“ könne.

Friederike Böge, politische Korrespondentin für Ostasien, berichtet für die FAZ über den „Umgang“ der Volksrepublik China mit der Volksgruppe der Uiguren, was u.a. Gesichtserkennungssoftware umfasst.

Der Gastgeber der kommenden Fußball-WM der Männer wird in der Qualifikation der europäischen Teams für eben jenen Wettbewerb außer Konkurrenz mitspielen, um Spielpraxis zu sammeln. So haben es die Verbände vereinbart. Laut der Welt sorgt diese Absprache für „massive Verstimmung“.

8. Dezember

Der auch für Cicero schreibende Alexander Kissler erläutert den NZZ-Lesern, dass respektive warum nun „eine Diskussion um die Inhalte des öffentlichrechtlichen Rundfunks beginnen“ sollte, denn von Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit könne „an vielen Stellen nicht die Rede sein“. „Zu oft“, fährt er fort, entscheide man sich „politisch für die linke Spur“.

In einem Heise- bzw. Technology Review-Text mit rund sechs Minuten Lesezeit erläutert Karen Hao, was die Gründe für das Ausscheiden von Timnit Gebru, der Co-Leiterin des Teams für ethische KI bei Google, sind.

7. Dezember

Der Mörder eines Lehrers, der im Nachgang zu seiner Tat von der Polizei erschossen wurde, wurde in seinem Heimatstaat Tschetschenien „mit allen Ehren bestattet“, berichtet die FAZ. Ausgangspunkt war das in Frankreich im Rahmen der Gesetzgebung mögliche Zeigen von Karikaturen eines Religionsstifters im Schulunterricht durch den Lehrer.

Spiegel-Kolumnist Nikolaus Blome fordert in seinem aktuellen Beitrag zur Corona-Bekämpfung eine „Impfpflicht! Was denn sonst?“, was einen Tag später eine eine Gegenrede des Journalisten Boris Reitschuster provoziert.

Ob die Wasserwerfer zur „Beregnung“ der „Querdenken“-Demonstranten das angemessene Mittel waren, ist Thema eines Tagesspiegel-Textes, der seitens der Leserschaft nur bedingt goutiert wird („Einige der Kritikpunkte sind geradezu peinlich“, so beispielsweise Leser WerWil1).

5. Dezember

Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring macht sich auf seiner Website ein paar Gedanken zu einem aktuellen Beitrag des ZDF-Morgenmagazins, in dem Dunja Hayali mit dem Antisemitismus-Beauftragten der baden-württembergischen Regierung über „Querdenken“ und Bargeldbeseitigung redet, wobei „sich Abgründe an obrigkeitsstaatlicher Denke“ auftaten.

3. Dezember

Den vor 44 Jahren in Tira/Israel geborene Psychologe und Autor Ahmad Mansour zeichne „wohl ein unbedingter Gerechtigkeitssinn“ ebenso aus wie „auch eine Portion Nächstenliebe“, schreibt Alexander Wallasch in seinem TE-Text, der sich mit einen Antrag auf dem Landesparteitag der Berliner SPD auseinandersetzt, demzufolge zum Schutz des migrantischen Berliner Gewerbes der Begriffes der „Clan-Kriminalität“ nicht mehr genutzt werden solle.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.