Presseschau Februar 2019

Nachdem „früher“ teils mehrfach die Woche Überblicksartikel mit interessanten Artikeln veröffentlicht wurden und das Konzept im Januar wöchentlich umgesetzt wurde, erscheint heute Beitrag, der einen ganzen Monat zusammenfasst. Als Ausgleich ist diese Presseschau vergleichsweise bunt und nicht so lang wie kumuliert vier Wochenübersichten.

28. Februar

Der Zeitgeist spiegelt sich nicht nur an dem, was man „noch sagen“ kann, ohne aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, sondern auch daran, dass Medien – wie jetzt die Welt zu Karneval – Artikel mit korrelierenden Fragen veröffentlichen: Darf man jetzt noch „Weiberfastnacht“ sagen?

Weil Das Weltwunder altert, skizziert Michael Seemann in seinem Beitrag für den Deutschlandfunk die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zwischen der Wikipedia (dem „Weltwunder“ der Überschrift) und den Social Media.

Bei Rechenbeispielen wie von Kristina Antonia Schäfer in Umverteilung – Die versteckte Ungerechtigkeit der Rente (WiWo) kommen beispielsweise Libertäre auf die Idee, dass es ohne staatlich verordnete Solidarität die skizzierten Probleme nicht gäbe.

Acht Tage nach der SZ und ihrem suggestiv betitelten Beitrag zum selben Thema erläutert Spektrum, wie mächtig Framing wirklich ist.

Wenigfliegern wird diese Lücke in der Preispolitik nicht aufgefallen sein, aber aus Sicht der Markenführung könnte sich die Reaktion als „suboptimal“ auswirken: Anschlussflug geschwänzt – Lufthansa verklagt Passagier (Manager Magazin).

Das Landgericht Hamburg hat die Unterlassungsverfügung eines Wikipedia-Nutzers aufgehoben, womit „Verschwörungstheoretiker“ Wikipedia-Autoren deanonymisieren dürfen.

27. Februar

In seinem Debattenbeitrag Die Logik der Restriktion scheint zwingend – und ist doch falsch zum Klimawandelt (Welt), der inhaltlich durchaus zu dem weiter unten verlinkten Zeit-Beitrag vom 24. Februar passt, sieht Ralf Fücks „alle Merkmale eines Kulturkampfs“ und zitiert den Philosophen Peter Sloterdijk, der schon vor Jahren einen „ökologischem Calvinismus“ heraufziehen sah.

Der Zeitgeist spiegelt sich im Karneval nicht nur an der Frage von Begrifflichkeiten, sondern auch der Optik, siehe dazu beispielhaft Streit um politisch korrekte Kostüme (dpa via Stern) bzw. Gibt es rassistische Kostüme? Heimische Jecken antworten (Westfalenpost) bzw. „quasi-historisch“ Afro-Tucken und Zigeuner-Huren (taz, 5. Februar 2014).

Über die Atemlosigkeit der Social Media bzw. die „Social-Media-Athletik“ aus Sicht von Künstlern hat Anika Meier für das Monopol Magazin den Beitrag Wie Instagram Künstler und Publikum ans Limit bringt geschrieben.

26. Februar

Dass der Verfassungsschutz die AfD nicht als „Prüffall“ bezeichnen darf, ging als Meldung quer durch die Medien, hier beispielhaft Berichte bzw. Kommentare von FAZ, Spiegel, Tagesschau und Welt sowie (vom 27. Januar) Focus und Tichys Einblick.

25. Februar

In ihrer Einleitung zum taz-Text Nichts muss für die Ewigkeit sein – Getrennt ist das neue Zusammen postuliert Laura Ewert eine „Überidealisierung von Zweierbeziehungen“ – und bezeichnet im Artikel selbst u.a. Adam und Eva als die „erste dysfunktionale Familie“.

Warum viele Firmen einen Korb vom Bewerber bekommen, erklärt die Wirtschaftswoche auf Basis einer Studie der Online-Jobbörse Stepstone, die dem Wirtschaftsmagazin „exklusiv vorliegt“.

Während in der Stepstone-Studie ausgeführt wird, dass zehn Bewerbungen zu einem Gespräch führen und aus zwei Gesprächen ein Vertragsangebot resultiert, dokumentiert die Zeit einen Fall mit über 1.000 Bewerbungen: Berufseinstieg nach Hartz IV – "Welche Frau will jemanden, der so bettelarm ist wie ich?"

Die Haltung des Cicero-Kolumnisten Christoph Schwennicke wird schon am Titel des „Plus“-Beitrags deutlich: „Frank-Walter Steinmeier gratuliert Iran - Die ungeheuerliche Depesche des Bundespräsidenten“. In dem ohne Einschränkungen einsehbaren Artikel „'Nicht in meinem Namen': Steinmeier gratuliert Iran – Kritik auch vom Zentralrat der Juden“ sammelt die Welt kritische Stimmen, die u.a. darauf hinweisen, dass Grußtelegramme nicht zwingend „Teil von diplomatischen Gepflogenheiten“ seien, wenn sie beispielsweise bei einem demokratisch gewählten Präsidenten einer westlichen Nation nicht verschickt würden.

24. Februar

„Mobbing, Stress und Rücksichtslosigkeit“ würden das Arbeitsklima bestimmen, so der Tagesspiegel im Artikel Amnesty International – Unmenschliche Menschenrechtler.

Zum Thema „Feinstaub“ hat die renommierte Hamburger Wochenschrift Die Zeit einen Artikel veröffentlicht, der – durchaus in Anlehnung an Dörner – offenlegt, dass die Welt komplexer ist, als manche sie mit einfachen Lösungen machen wollen: "Diese Komfortöfen sind ein wachsendes Problem".

„Für immer“ kann durchaus zeitliche Limitierungen in sich tragen, wie Heise dokumentiert (siehe Häftling verklagt Florida wegen Abzocke mit MP3).

22. Februar

In ihrem Blog schreibt die Bürgerrechtlerin Kattascha über ihre Flughafenerfahrung mit dem bewussten Verzicht auf den Nacktscanner: „Dann bekommen Sie eben das volle Programm“.

20. Februar

Der SPD-nahe Der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo betitelt seine Kolumne über die Digitalpolitik der seit gut 14 Jahren amtierenden Kanzlerin mit Witze übers eigene Versagen, weil sie genau solche macht – beispielsweise auf „einer Konferenz am 19. Februar 2019 in Berlin [...], dass man in Brandenburg mancherorts schon froh wäre, wenn man 2G hätte“.

Angesichts von Medien wie dem Relotius-geplagten Der Spiegel oder dem „Nachrichtenflaggschiff“ Tagesschau, dass sich gegenüber dem US-Präsidenten im Januar 2018 der „journalistischen Präzision“ des Ton-Aufdrehens bediente oder für gewaltsame Konflikte in Nigeria als einzige Option den Klimakonflikt sieht, fragt die SZ ebenso mutig wie suggestiv: ARD-Framing-Manual – Wer will in einem Land leben, in dem Fox News den Diskurs prägt?

Willkommen im Grundgesetz, liebe Kirche!, kommentiert Luisa Jacobs ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts.

19. Februar

Angesichts der Kombination von Dachüberschrift und Überschrift im Artikel Hambi-Aktivistin verurteilt – Ein Exempel statuiert ist bei der taz eine positive Nähe zum Sachverhalt nicht ganz von der Hand zu weisen.

Nur einen Tag nach dem Spiegel-Artikel über die letzte Todesstrafe auf westdeutschem Boden, die ein Leser mit Verweis auf einen Vorfall in Marokko grundsätzlich begrüßte, schrieb Margarete Stokowski, Autorin von „Untenrum frei“, vergleichsweise beruhigend: Gewalt – Der Frauenhass ist gar nicht eingewandert.

18. Februar

Der aus dem englischen übersetzte Beitrag Die Demütigung eines uralten Reichs (Zeit) von „Franka Lu“ (einem Pseudonym) beleuchtet einige Aspekte, die hier eher selten bzw. anders in den Medien thematisiert werden.

Die letzte Hinrichtung auf dem Boden der (damals noch) zukünftigen Bundesrepublik – näher beleuchtet vom Wochenblatt Der Spiegel im Artikel "Gehen Sie mutig und gefasst Ihren letzten schweren Gang" – veranlasst bereits den fünften Kommentargeber, mit Verweis auf die skandinavischen Studentinnen in Marokko (siehe dazu im Blog hier) für die Todesstrafe einzutreten.

15. Februar

Zwischen all der schweren Kost, die von manchen Medien intensiv transportiert wird, darf es auch mal die vergleichsweise leichte Kombination von Comickultur und Fußball: Wie zwei US-Brüder den erfolgreichsten Fußball-Cartoon der Welt kreierten – »Die Eitelkeit ist einzigartig«.

13. Februar

Das Interview des Göttinger Tageblatts mit Interview mit Niklas Knepper (seit Wintersemester 2017 im Masterstudium) vom Göttinger Institut für Demokratieforschung, wo er als studentische Hilfskraft beschäftigt ist, hat trotz der offensiven Frage Wie rechtsradikal sind Studentenverbindungen in Göttingen? keine zufriedenstellenden, konkreten Antworten – so kommentieren es manche Leser. Unter dem leicht veränderten Link goettinger-tageblatt.de/Campus/Goettingen/Wie-rechtsradikal-sind-Studentenverbindungen2 (dem Original fehlt die „2“) sind die Kommentare übrigens ausgeblendet.

12. Februar

Wer sich zu den Fach- und Führungskräften dieser Republik zählt und weniger als 58.100 EUR verdient, verschleiert damit, dass andere damit über dem Durchschnitt liegen. Nachzulesen auf SZ.de im Artikel Gehalt – Wer was verdient.

Der Nutzwertartikel Wie viel Sie monatlich sparen müssen, um schnell zum Eigenheim zu kommen des Focus weist klar darauf hin, dass es „rein aus monetärer Sicht betrachtet [...am besten sei], den Hauskauf schon vor dem 35. Geburtstag abzuwickeln“.

Wenn jemand das „veraltete Parteiensystem“ kritisiert, die Bündnisgrünen „als einzige konsequent proeuropäische Partei des Landes“ bezeichnet und „ein sehr dunkles Bild für die Zukunft der EU“ zeichne, sofern seine Ratschläge nicht eingehalten würden, ist, je nach Lesart, möglicherweise die „Stimme der Vernunft“ oder ein „angstschürender Apokalyptiker“ – im vorliegenden Fall jedoch George Soros, der sich auf der von ihm mitfinanzierten Plattform „Project Syndicate“ seine Gedanken gemacht hat, die von der Welt im Beitrag „Die Menschen in Europa müssen aufwachen, bevor es zu spät ist“ zusammengefasst wurden.

Während die Zeitung mit den großen Buchstaben (Bild) vergleichsweise plakativ „Mann wirft Hund aus Fenster – tot“ schreibt, im Text den Täter aber schlicht als „Mann (27)“ bezeichnet, ist die HuffPost zumindest in der Überschrift „Mann wirft Hund aus dem dritten Stock – das Tier stirbt im Krankenwagen“ detaillierter, während sie im Fließtext keine Angabe zum Alter hat, sich zur Herkunft („aus Syrien“) auf die Tierrettung Niederbayern bezieht.

11. Februar

In dem Artikel Hans-Werner Sinn – „Dann wäre es für Deutschland Zeit, den Euro aufzugeben“ beschreibt der Welt-Ressortleiter „Wirtschaft, Finanzen, Immobilien“ den Vorschlag des IWF, wie Bargeld abgewertet werden könne. Im letzten Absatz deutet er dabei an, dass Chef des IFO-Instituts vielleicht noch zu optimistisch sei.

Bald habe „sich die europäische Tabakkultur in Luft aufgelöst“, heißt es in dem Zeit-Beitrag Tabakkonsum – Die letzte Zigarette, der ursprünglich im Philosophie Magazin (philomag.de) erschien. Historisch korrekt weist der Autor daraufhin, dass das Rauchen auch früher schon „politisch aufgeladen“ war und das „öffentliche Paffen“ Mitte des 19. Jahrhunderts „als Ausdruck bürgerlicher Freiheitskämpfe und revolutionärer Umtriebe“ firmierte.

Zwei Männer, „37 und 40 Jahre alt“, grillen auf Abfallholz eine Ziege, so der öffentlich-rechtliche SWR.

„"Früher war Influenza eine Krankheit, heute ist es ein Berufsbild“, konstatierte Richterin Monika Rhein über eine bestimmte Art von Internetnutzern. Nachzulesen ist das Zitat (inkl. Kontext) im Artikel Klage gegen Cathy Hummels – "Ich sehe mich als Frauenzeitschrift" (Spiegel).

10. Februar

„In ihrem heute beschlossenen Strategiepapier fordert die SPD einen Rechtsanspruch auf Homeoffice“, schreibt Wlada Kolosowa in der Einleitung ihres Zeit-Stücks Homeoffice – So flexibel, so unsichtbar. Direkt im Anschluss hält sie fest: „Das ist überfällig. Doch Heimarbeit hat auch Schattenseiten.“

In dem BZ-Artikel Datenschutz – Der böse Daten-Drache in der Kita skizziert Stefanie Hildebrandt eigene, aktuelle Kita-Erfahrungen.

Retrospektiv lassen sich viele Dinge leichter und besser bewerten als prospektiv. Unabhängig davon ist der Text Iran 1979 und heute – Was von der Revolution übrig blieb sicherlich eine Lektüre wert.

9. Februar

Vom Grundsatz her wurde der Themenkomplex der Berliner Clans neulich schon zweimal mit „Bushido“ angerissen, jetzt geht es in Popkultur und Kriminalität – Eintauchen in die Berliner Clanwelt um eine neue Stadtführung.

8. Februar

Nach dem der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Landesintegrationsrats Tayfun Keltek vorgeschlagen hatte, in den Grundschulen eine Weltsprache gegen eine Sprache von anderen im Land lebenden Menschen auszutauschen, ist die Schulministerin Gebauer gegen Türkisch statt Englisch an Schulen (Rheinische Post).

Auch das Hamburger Wochenblatt Der Spiegel hat in seiner Onlineausgabe über die Pressemeldung von Tayfun Keltek berichtet: Nordrhein-Westfalen – Integrationsrat will Englischunterricht in Grundschulen abschaffen.

7. Februar

Die Qualität des Textes Zum Tod von Rudi Assauer – Der Schalker, den die Dortmunder verehren lässt vermuten, dass der verantwortliche Spiegel-Autor den Text mit ausreichend Vorlauf erstellt und sprichwörtlich in der Schublade zwischengelagert hat. Dennoch gibt es in den Kommentaren Korrekturen seitens der Leser.

6. Februar

Wie die Peiner Allgemeine Zeitung, Mitglied im Redaktionsnetzwerk Deutschland, in zwei Beiträgen berichtete, wurden fünf [trächtige] Schafe auf der Weide von Unbekannten getötet und die Geschädigte ist für die Entsorgung ihrer geschlachteten Schafe selbst verantwortlich.

Rückblick: Januar

Mathematisch ist es durchaus korrekt, was Mark Schieritz in seinem Zeit-Stück Spitzensteuersatz – Der Mythos vom gefräßigen Staat (31. Januar) analysiert. Aber Nutzer wie „Die andere Stimme der Vernunft“ weisen darauf hin, dass die reine ESt-Teilbetrachtung eben weitere Faktoren wie „MwSt, Mineralösteuer, Steuern auf Strom, GEZ und und und [...] Sozialversicherungsbeiträge und Müll- und Abwassergebühren etc.“ ausklammert.

„Eingriffe der Staatsgewalt“, so schreibt es Hasan Gökkaya für Zeit.de im ersten Satz in der Analyse Währungskrise – In Erdoğans Zwiebelfalle (28. Januar), seien in der Türkei „nichts Neues“.

In seiner Kolumne TE-Kolumne kritisiert ALexander Wallasch, So tun als ob – Staat entlässt Bürgen für Zuwanderer aus ihrer Verantwortung (25. Januar).

Bezüglich der „Euro-Reform“ ist der FDP-Chef Christian Lindner laut Liberale.de (25. Januar) gegen die Vergemeinschaftung von Schulden: Jedes Euro-Land muss finanzpolitisch eigenverantwortlich bleiben.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.