Presseschau Februar 2020

Wie in den Vormonaten deckt die „Presseschau“ einen ganzen Monat ab. Dabei kann es durchaus Lücken in den Kalendertagen und natürlich auch den Themen geben, aber „Vollständigkeit“ ist ja auch nicht das Ziel der „Beobachtungen + Notizen“.

27. Februar

Angesichts der Vinylmengen, die für Fußböden anfallen, kontrastiert zur Verweildauer von Schallplatten in den Sammlungen von Liebhabern, ließe sich die bei Technology Review dargestellte Erkenntnis, dass Langspielplatten ein „Ökoalptraum“ seien, vielleicht im Bereich der „Mikrooptimierung“ verorten.

26. Februar

Der in München ansässige Merkur dokumentiert die Reaktionen verschiedener Journalisten bei der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen der Hamburger Wahl. So habe etwa ntv/RTL-Reporterin Heike Boese auf ihrer Instagram-Seite „Hamburg, bist ‚ne Perle! Gut gewählt!“ geschrieben und im im ARD-Studio sei „nach der ersten Prognose der AfD unter 5 Prozent [...] deutlich Jubeln und Klatschen zu hören“ gewesen.

21. Februar

Umbenennungen finden auch in anderen Ländern statt, beispielsweise in den USA, wo der beinahe 5.800 Meilen lange „Dixie“-Highway laut CNN bald zumindest teilweise nicht mehr an die Südstaaten erinnern soll, sondern stattdessen an Harriet Tubman.

Nach intensiver Lektüre der „Wasserstoff-Strategie“ der Bundesregierung respektive des Bundeswirtschaftsministers ist sich ein Heise-Autor ziemlich sicher, dass es „geradezu grotesk“ sei, Wasserstoff zu importieren und die Blase platze.

20. Februar

In seinen Gedanken zu den Morden in Hanau (veröffentlicht auf TE) hat Dushan Wegner darauf hingewiesen, dass „im Aufruhr um Hanau“ untergehen werde, dass das „NetzDG“ „brutal verschärft wurde“ - und zwar „mit Ideen, die an die späten Phasen von Diktaturen erinnern, mit Quasi-Pflicht zur Denunziation in industriellem Maßstab und drakonischen Gefängnisstrafen für die »Diffamierung« von Politikern“. Einen Tag vor Wegners Text hat das Bundeskabinett im „Kampf gegen Hass“ „trotz massiver Kritik“, so Heise, den Gesetzentwurf mit der Pflicht zur Passwortherausgabe auf den Weg gebracht.

Dafür, dass Todesfälle oftmals nicht instrumentalisiert werden sollen, hat TE hier einige Beispiele zusammengetragen, die „nach Hanau“ genau das getan haben.

19. Februar

Die NRW-Landtagsfraktion einer junge Partei hat ein Malbuch veröffentlicht, dessen Inhalte vom SWR als „mutmaßlich rassistisch“ bezeichnet werden. Laut der Welt ermittele bereits der Staatschutz wegen des Heftes „Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“.

„Der Staat“, mithin also der Steuerzahler, „nimmt Flüchtlingsbürgen offenbar Kosten von 21,7 Millionen Euro ab“, so die Welt.

18. Februar

Nachdem in der chinesischen Stadt Wuhan ein leitender Arzt aufgrund des Coronavirus gestorben ist, beginnen Behörden damit, Patienten „zusammenzutreiben“, wie der englische Guardian schreibt.

17. Februar

Während der junge Herr Kühnert verlangt, dass die CDU Herrn Ramelows Wahl doch bitte unterstützen solle (siehe z.B. hier bei der Zeit), ist sich Ulf Poschardt in seinem Welt-Kommentar sicher, dass eben jene CDU dann „tot“ sei, wenn sie für Herrn Ramelow stimme.

In seinem Kommentar für den Tagesspiegel sieht Lorenz Maroldt den politischen Kompass „durchdrehen“, weil Menschen wie der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh mit ihrer „Sorglosigkeit“ den „politischen Klimawandel“ befeuern. Grundlage ist eine Aussage Sales, dass CDU und FDP stünden nicht „uneingeschränkt zur Demokratie“.

Die SPD-Bildungsministerin kann sich laut dem Der Spiegel, der sich beim RND bedient, vorstellen, dass „Jungen“ und „Mädchen“ in bestimmten Fächern getrennt voneinander unterrichtet werden. Jedoch hakt das RND in seinem Interview nicht nach, ob die Kinder nach biologischem oder gesellschaftlichem Geschlecht getrennt werden sollen und wie es mit Kindern aussieht, die sich keinem der beiden vorgenannten Geschlechter zuordnen.

16. Februar

Wie der Focus berichtet, wurde türkischstämmigen Männern in Berlin-Kreuzberg mehrfach in die Beine geschossen – der Mann mit dem Schuss in die Brust starb.

14. Februar

Der Vorstand des französischen Filmpreise „César“ tritt geschlossen zurück, weil der jüngste Film Roman Polanskis 12x nominiert ist, während/weil/obwohl seit November der Vorwurf im Raum steht, der Regisseur habe vor 45 Jahren ein Model vergewaltigt (Quelle: AFP mit Bearbeitung der Zeit).

Beim „Richtungsstreit in der CDU“ hat Friedrich Merz laut AFP (hier via T-Online) seine „Gesindel“-Aussage „relativiert“ (O-Ton AFP) bzw. „konkretisiert“ (Semantik): Es seien Rechtsradikale und gewaltbereite Demonstranten gemeint gewesen, „keineswegs gewählte Abgeordnete oder Wählerinnen und Wähler irgendeiner Partei“.

Mit Stand 14. Februar kommt die rotgrüne Koalition in Hamburg auf eine solide demokratische Mehrheit von etwas über 60 %, wie die Welt verschiedene Prognosen zusammenfasst. Die CDU scheint den Weg der SPD in den „fünf neuen Bundesländern“ zu gehen (13–14%), andere Parteien sind Randscheinungen oder scheitern an der Fünfprozenthürde.

Es bleibt indes abzuwarten, ob der Besuch von Greta Thunberg, den u.a. der NDR ankündigt vielleicht noch einmal für Stimmenverschiebungen sorgt.

Wie Heise andeutet, würden bei einer „Klarnamenpflicht“ Jugendliche aus Foren und von Spieleplattformen „fliegen“.

Ein „Frauenbild, nach dem man noch vor allem sexy und erotisch sein muss, ist weder zeitgemäß noch zeugt es von Diversität“, ist sich Mareike Fangmann, Redakteurin im Unterhaltungsressort des Stern, in ihrem Kommentar zu Heidi Klums GNTM-„Nackt-Shooting-auf-einem-Pferd“ sicher.

13. Februar

Nachdem auch die Berliner Parteizentralen dazu beigetragen haben, dass der im dritten Gang gewählte Ministerpräsident einen „freiwilligen“ Abgang machte, meint der vorherige und möglicherweise zukünftige Regierungschef Thüringens, „es wäre gut, wenn die Berliner Parteizentralen jetzt mal stiller wären“ (zitiert nach Tagesschau).

Weil ein konservatives Parteimitglied vor etwa vier Jahren eine Gesamtspende von 120 EUR an eine junge Oppositionspartei überwiesen hat, wird ihm heute vom Chef des Parteinachwuchses der Parteiaustritt nahegelegt (siehe u.a. bei NTV).

Einen (aus eigener Sicht nicht sofort anzeigepflichtigen) Nachlass in signifikanter Höhe (7 Mio. EUR) hat eben jene junge Oppositionspartei von einem „wohlhabenden Niedersachsen“ (Zeit) erhalten.

Nachdem das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen eine Liste mit 112 Unternehmen veröffentlicht hat, die „in geschäftliche Aktivitäten in jüdischen Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten involviert waren“ (Zitat Spiegel), verkündete Außenminister Israel Katz einen „Stopp der Kooperation mit der Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte“ (Zitat Spiegel).

Der Rechtsanwalt Ralf Höcker verlässt die „Werteunion“ (und alle anderen Vereinigungen mit einem Bezug zu Politik), da er nach eigenem Bekunden massiv „unter Druck“ gesetzt wurde (Quelle: dpa, hier via Tagesspiegel).

Zu diesem Focus-Text (der beispielhaft ausgewählt ist), dass zwischen 2013 und 2019 „rund 4,7 Millionen Zuwanderer neu ins GKV-System eingetreten“ sind, was zu einer „Entlastung um 8 Milliarden“ geführt habe, sei dieser TE-Text vom 16. Februar empfohlen, der sich recht stark darauf konzentriert, was im Ende des Focus-Textes steht und vom unaufmerksamen Leser, der vor allem Überschriften konsumiert, möglicherweise anders in Beziehung gesetzt wird.

11. Februar

In Berlin-Mitte wurde „Tote Frau auf Gehweg gefunden“, so die Überschrift der Boulevard-Zeitung BZ.

Mit dem Hashtag „#Cryptoleaks“ im Titel meldet Heise, dass die beiden Nachrichtendienste CIA (USA) und BND (BR Deutschland) „jahrzehntelang hinter Verschlüsselungsfirma“ steckten.

10. Februar

Im Nachgang zu „Thüringen“ hat Ferdinand Knauss für TE noch einmal zusammengetragen, welche Sprachbilder für die CDU-nahe „WerteUnion“ verwendet wurden und welche Perspektive dieser außerparteiliche Zusammenschluss hat.

Geht es nach diesem Bericht in der SZ über Übergriffe (hier auf archive.is), scheint die FDP nun jene Medizin zu schmecken bekommen, die andere schon kennen (siehe in diesem Blog z.B. hier, hier oder hier). Ansonsten sind übrigens auch die Gaststätten schon lange nicht mehr der „heilige Boden“, wie ihn Fans von „Highlander“ kennen.

Claudia Schwartz leitet ihr NZZ-Interview mit Dieter Nuhr mit den Worten ein, er sei „Deutschlands erfolgreichster wie meistgehasster Kabarettist“.

9. Februar

Im Landkreis Rotenburg ging ein Konflikt zwischen Großfamilien vergleichsweise glimpflich aus, so Tag 24.

In dem heise-Artikel über das Dementi zu Bill Gates angeblicher Wasserstoff-Yacht sind knapp 50 Bilder enthalten. Der Bildbetexter hat sich dabei alle Mühe gegeben, kreativ zu sein.

8. Februar

Herkunft und Geschlecht seien „plötzlich wieder Kriterien, um Menschen zu sortieren“, konstatiert René Scheu im Vorspann seines NZZ-Artikels, um gleich im dritten Satz die Frage zu stellen: „Doch wer hat eigentlich die neue Ständeordnung entworfen?“

Bei Digitalgütern, und ein Tesla gehört dazu, gehen Eigentum und Besitz auseinander, wie Heise skizziert.

Ob Christian Hirte ein „Bauernopferin der Kanzlerin“ sei, fragt die NZZ schon in der Überschrift ihres Artikels zur Entlassung des Ostbeauftragte der Bundesregierung.

7. Februar

Sind das gute Zeichen für die Demokratie, wenn eine große Oppositionspartei aus dem konservativen Sektor „Blockade-Haltung gegen Ramelow“ aus der SED-Nachfolgepartei aufgibt? (Welt)

Wer ist überrascht angesichts dieser zuvor skizzierten Haltung, dass der letzte langfristig amtierende Ministerpräsident laut Zeit keine Neuwahlen will, wenn seine Minderheitsregierung toleriert wird?

Für die Berliner Zeitung kommentiert Miriam Krekel, dass man bei Details zu Tatverdächtigen – so denn Verdächtige bekannt seien – „den Bürgern mehr Verantwortung“ zutraue. Aus historischen Gründen sei noch einmal auf den Hashtag #Pressekodex sowie die Haltung der Sächsischen Zeitung ab 2016 (siehe den Artikel Unterschiedliche Anwendung von Richtlinie 12.1) verwiesen.

Da der „Ehrenmord“ an Hatür Sürücü vor 15 Jahren stattfand, erinnert der Tagesspiegel an sie und skizziert, was „sich seither verändert“ habe bzw. was „es noch immer“ gebe.

6. Februar

In Ausgabe 6/20 des SZ-Magazins erschien ein Text, der auf der Frage „Soll ein Kind Flötenstunden bei einer Musikstudentin bekommen, deren Mutter in der AfD aktiv ist?“ aufbaut und gerade für Leute, die die SZ spöttisch „Alpenprawda“ nennen, zu einem überraschenden Urteil kommt.

In der „Causa Julian Assange“ hat der in Glasgow lehrende Schweizer Rechtsprofessor und UN-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, das „Vorgehen westlicher Staaten scharf gerügt“, so Stefan Krempl für Heise, denn Wikileaks-Gründer Julian Assange werde „schlimmer behandelt als ein Kriegsverbrecher“.

Nachdem Apple schon den Markt für mobile Abspielgeräte und Telefone auf links gedreht hat, steht jetzt möglicherweise die Uhrenindustrie vor dem Umbruch: Laut diesem Spiegel-Artikel hat der Technik-Konzern aus den USA mehr Smart Watches verkauft als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie an Armbanduhren.

5. Februar

Nach dem Gleichheitsprinzip würde Urteil des OVG in Münster, dass Gmail von Google kein Telekommunikationsdienst sei (Heise), bedeuten, dass jeder E-Mail Provider in Deutschland unabhängig von seiner Kundenzahl kein Telekommunikationsdienst ist und er demnach auch keine Abhörschnittstellen einbauen muss.

3. Februar

Sozialdemokrat Scholz (Deutschland) kann sich eine „kleine Steuer“ (von 0,2 Prozent) auf Aktienkäufe vorstellen, während der Konservative Kurz (Österreich) laut der Zeit eher nicht von dieser Idee angetan ist.

2. Februar

Es sei eine „Streaming-Revolte“, schreibt Heise schon mit den ersten Worten der Überschrift, dass „deutsche Musikgrößen“ bzw. „erfolgreiche Musik-Stars“ eine „nutzerbasierte Abrechnung“ fordern.

1. Februar

Wer gedacht hat, dass Begriffe wie „Mansplaining“ nur benutzt werden, um Männern ihr Fehlverhalten per Schlagwort vorzuhalten, kennt augenscheinlich Marc Röhlig vom Spiegel-Nachwuchsmedium Bento nicht – denn der hat in der Rubrik „Gerechtigkeit“ einen Videoartikel platziert, in dem er sich als Teilzeitvater über „Momsplaining“ beschwert. Das „große Bild“ indes wird bei der Umfrage unterhalb des Artikels bedient: Auf die Frage wie „Du“ reagierst, „wenn dir jemand reinredet“, lautet eine Antwort „Ich ignoriere Mom- und Mansplainer einfach.“ Wer gerade eine Lücke bei der Begrifflichkeit hat, findet auf Wikipedia zumindest Mansplaining erklärt.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.