Presseschau Juli 2019

Ursula von der Leyen kommt mehrfach vor, ansonsten haben u.a. Bushido und weitere „Gangster-Rapper“, der amtierende US-Präsident, eine deutsche Kapitänin und das „brutal nach vorne stürmende“ Elektromottorrad „Harley Davidson Livewire“ ihre Auftritte.

31. Juli

Weil in Berlin ein Rabbi von zwei Männern attackiert wurde, ermittelt der Staatsschutz. Der konkrete Vorfall: Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wurde zwei Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt.

Es ist ein richtiges langes Stück, das von Buzzfeed über Kollegahs „Alpha Mentoring“-Programm zusammengetragen wurde.

Die Leser von Welt-Plus wissen ganz genau, was laut Henryk Broder in seinem Kommentar zur „Bluttat in Frankfurt“ (8-jähriger Junge vor den Zug gestoßen) meint, wenn er von der „wichtigste[n] Währung einer intakten Gesellschaft“ schreibt.

29. Juli

Was bei t3n auf den ersten Blick spektakulär investigativ klingt, dass sich Meetings „nach Amazon-Vorbild“ nach der „zwei-Pizza-Regel von Jeff Bezos“ richten sollten, offenbart die schlichte Erkenntnis, dass bei Meetings maximal acht Personen anwesend sein sollten.

In einem Essay für die Zeit vertreten Rebekka Reinhard und Thomas Vašek schon in der Überschrift die klare Position, dass Identität „Bullshit“ sei und es daher „höchste Zeit“ wäre, den Begriff „zu entsorgen“.

In den Social Media lassen sich durchaus Menschen finden, die mit #FEDIDWGUGL Artikel verschiedener Medien über das „Drama am Frankfurter Hauptbahnhof“ (Focus) verbreiten, bei dem ein „40-jähriger Mann eritreischer Herkunft“ festgenommen wurde, weil er eine Mutter (Krankenhaus) und ihr 8-jähriges Kind (tot) vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben soll. Ansonsten kontextualisiert das Münchner Magazin einen vergleichbaren Vorfall in Voerde, verlinkt ihn aber nicht (hier beispielhaft bei der TZ).

28. Juli

Aus Sicht des amtierenden US-Präsidenten seien „antifaschistische Aktivisten“ (vulgo „Antifa“) „kranke, schlimme“ Menschen und eine „Terrorgruppe“, die es zu verbieten gelte, schreibt die Zeit.

27. Juli

Der Welt-Artikel des Models Marie von den Benken alias @Regendelfin (Twitter) über sexuelle Belästigung von Models wird mit der Überschrift „Kerzen sind nicht das einzige, was man blasen kann“ eingeleitet, deren Pointe erst am Ende des Textes aufgelöst wird.

25. Juli

Der Chefkommentator der Welt fordert in einem Meinungsbeitrag eine „offene Debatte“ zur Klimapolitik , weil „Visionen vom nahen Ende der Menschheit“ eher fehl am Platze seien. Außerdem zieht er eine Verbindung zu den Ausarbeitungen von Marx und den Umsetzungen seiner Epigonen.

Wenn die Deutsche Welle über das 100-jährige Jubiläum der „Dibobe-Petition“ schreibt, offenbart sie erstens den Wandel in der Haltung der Medien bzw. der veröffentlichten Meinung und zweitens historische Ungenauigkeiten, wenn Kamerun bereits 1876, dem Geburtsjahr von Martin Dibobe als „Sohn eines Unterhäuptlings“, eine deutsche Kolonie gewesen sein soll. Laut der in diesen Dingen üblicherweise zutreffenden Wikipedia war das Zeitfenster von 1884 bis 1919.

Die Kommentarspalte im Der Spiegel-Kommentar Roland Nelles' über den „Fehler im System“, dass die US-Verfassung aufgrund ihrer Schwachstellen ein „Impeachment“ des amtierenden Präsidenten verunmögliche, ist bereits auf der ersten Seite (von 15) lesenswert.

Susanne Schröter vom Forschungszentrum „Globaler Islam“ wird von der taz interviewt. Das kommt nicht bei allen Lesern gut an.

Carla Neuhaus analysiert für den Tagesspiegel, die Optionen des EZB-Chefs Mario Draghi, die unter Umständen zu Strafzinsen für Sparer führen.

24. Juli

Es wird seine (technischen?) Gründe haben, dass der Artikel von Übermedien über den angeblichen WM-Betrug, an dem das Hamburger Wochenblatt Der Spiegel festhalte, auch wenn es sich um eine „unhaltbare Geschichte“ handele, zwischenzeitlich unter dem Link uebermedien.de/40247/spiegel-haelt-an-unhaltbarer-geschichte-fest-und-befoerdert-ihren-autor nicht zu erreichen war. Beim Web-Archive ist er jedoch dauerhaft hinterlegt.

Der Kapitalismus bewahre „das System vor dem Kollaps“, sagt der Ökonom Mathias Binswanger im Interview mit dem Standard. Ansonsten hält er effektive Umweltsteuern für unrealistisch und ein bedingungsloses Grundeinkommen könne nicht funktionieren.

23. Juli

Knapp 600 Kommentare hat die „Popautorin, Musikkritikerin und Kolumnistin“ drei Tage nach ihrer Polemik, dass „Flugscham“ nicht reiche, sondern „Reisescham“ angebracht sei, eingesammelt. In der Umkehrung der skizzierten Argumentationskette regt ein Kommentator an, hierzulande die Anzahl der Touristen zu begrenzen.

Wie der Tagesspiegel schreibt, sind „nach Razzien in Neukölln“ das „die neuen Reviere der Clans in Berlin“ Charlottenburg, Tempelhof und Marzahn.

22. Juli

Für die Zeit aus Hamburg ist die Sache klar, wenn man sich allein am Titel orientiert: Buddhismus und Nationalsozialismus sind beides „Soldaten des Gleichmuts“

Die Fußballfachzeitschrift 11 Freunde zeigt sich üblicherweise als Hort der Fußballfreunde, die ein vergleichsweise traditionelles Verständnis von Fußball und dem Fan-Sein an sich haben – was der unbedarfte Leser an dem Artikel über den Manchester City FC und dessen PR-Tour in der Volksrepublik China vergleichsweise klar herauslesen kann.

In seiner Zeit-Kolumne „Ein schlechter Dienst für die Seenotrettung“ vom 22. Juli bezeichnet Martin Klingst die Forderungen von Frau Rackete als „politischen Leichtsinn“.

Zum internationalen Aktionstag gegen „Hate Speech“ fordert die Bewegung „No Hate Speech“ laut Heise „mehr Solidarität mit Betroffenen von Hassrede“. Unter dem Datum vom 15. Mai sind in der Presseschau von Mai zwei Beispiele für Opfer von „Hassrede“ zu finden, darunter Philipp Amthor.

Das SZ-Magazin beschäftigt sich im Interview mit einem Fotografen mit dessen Expedition zu einer sehr traditionell lebenden Gruppe Mennoniten in Mexiko.

21. Juli

Nachdem im vergangenen Jahr dem Ende des Ersten Weltkriegs (vor mittlerweile 101 Jahren) gedacht wurde, steht heuer der Versailler Vertrag im Mittelpunkt historischer Rückblicke, der vor 100 Jahren unterzeichnet wurde. Beispielhaft sei auf das Welt-Interview verwiesen, in dem ein Historiker kurz skizziert, dass bzw. wie der der Frieden von Versaille zum Nahostkonflikt führte.

20. Juli

Im Rahmen der „Berliner Pride Week“ unterzieht die taz die „schwule Politik und ihre Posen“ einer „kritischen Betrachtung“, und konstatiert u.a., dass sich die hiesige Bewegung nicht „mehr am links-alternativen Rand der Gesellschaft“ befinde, sondern den „allgemeine(n) Rechtsdrift in nahezu allen Facetten“ nachvollziehe, und sich „führende Köpfe schwul-lesbischer Institutionen“ in Berlin mit dem „schwulen, ultrarechten US-Botschafter Richard Grenell“ zeigen, darunter Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Berlin Brandenburg, der aufgrund fotografischer Belege von der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten des Bezirks Spandau gefragt wurde, wie die „sichtbare Nähe“ zum Us-Botschafter mit „Vielfalt, Toleranz und Respekt“ zusammenpassen würden.

19. Juli

Ist es eine leichte Spur von Boshaftigkeit oder Gehässigkeit, die da beim altehrwürdigen Musikexpress durchschimmert, wenn sich der Autor von „Spießigkeit als Midlife-Crisis“ fragt, warum Deutschrapper wie Bushido, Farid Bang und Haftbefehl (in alphabetischer Reihenfolge) so wütend auf Serviceleistungen von „Fluglinien, Urlaubsanbietern, Internetversorgern oder Restaurants“ seien?

Zum Thema der Elektromobilität veröffentlicht Heise ein Pro und Contra zum Hybridantrieb.

In einem interessanten Kommentar für Heise über den Diskurs um Digitalisierung, der „kaputt“ sei, arbeitet sich Jan Mahn zuerst an „VdL“ ab (aber nur kurz, weil die Fallhöhe so niedrig sei), um dann recht ausführlich an die „Nerds“ zu appellieren, sich konstruktiv in die Debatten einzubringen.

18. Juli

Wir würden „ärmer in einer Welt ohne Herzensdinge“, ist sich der Autor Martin R. Dean sicher – nachzulesen im NZZ-Artikel „Immer schneller sterben uns die Dinge unter der Hand weg“.

Neben Krefeld (siehe weiter unten beim 15. des Monats) kann aber auch Duisburg ein schlimmes Pflaster sein: denn männliche Jugendliche im Alter von 15 und 16 verprügeln einen Polizisten und „dann machen sie es noch schlimmer“, so Der Westen. Das grüne Fahrrad wurde übrigens sichergestellt.

Der Deutsche Bundestag, der in Berlin im Reichstagsgebäude sitzt, auf dessen Front bekanntlich die Widmung „Dem deutschen Volke“ prangt, soll – ähnlich verschiedenen historischen Burganlagen – einen schützenden Graben erhalten, berichten bzw. kommentieren u.a. Der Spiegel bzw. Netzpolitik.

Die „Harley Davidson Livewire“, das „weltweit erste Elektro-Motorrad eines traditionellen“ Herstellers, sehe „nicht nur attraktiv aus“, sondern könne auch „bei Bedarf binnen Sekundenbruchteilen brutal nach vorne stürmen“, so Ulf Böhringer für heise Autos.

17. Juli

Einblicke in die Wikipedia-Welt und speziell die Aktivität eines einzelnen, auf Klimathemen (wie „Klimaleugner“ oder „Energiewende“) spezialisierten Autoren gewährt die Weltwoche aus der Schweiz in dem Stück „Knuttis grüner Schatten“.

16. Juli

Aus Sicht des Oberverwaltungsgerichts Münster sind die „Zero Rating“-Optionen der Telekom nicht rechtskonform, weshalb der Netzbetreiber laut Heise nun handeln müsse.

In thematischer Nähe zu Serrao am Vortag gibt Alexander Wallasch auf Tichys Einblick den Inhalt einer Deutschlandfunk-Sendung wider, die sich mit Seenotrettung beschäftigt, deren Wirkung Wallasch schon in der Überschrift mit einem Zitat zusammenfasst: „Pull-Effekt? Ja, natürlich gibt es den!“

Wenn Fakten nicht reichen würden, behelfe man sich eben mit Andeutungen, meint der Berliner Korrespondent der NZZ und zeichnet nach, „wie der «Spiegel» antiisraelische Verschwörungstheorien nährt“.

Passend zum Schulbeginn nach den Sommerferien setzt sich Die Zeit mit Schulranzen auseinander, die auch mal 260 Euro kosten können. Derzeit steht der Text nur Abonnenten zur Verfügung.

15. Juli

Zu Carola Rackete, der Merkur pflegt einen fortlaufend aktualisierten Ticker, wie schon in der Presseschau Juni 2019 zu lesen war, kommentiert Marc Felix Serrao für die NZZ, dass die „asylpolitische(n) Forderungen [...] weltfremd“ seien.

Wenn man der Rheinischen Post Glauben schenken mag, handelt es sich bei Krefeld um ein heißes Pflaster: Mal zehn Angreifer einen Mann zusammen, mal laden sich Männer selbst auf eine Studentenparty ein, um dort auf Studenten einzuschlagen (8. Juli).

So wie beim Der Spiegel, der Die Zeit oder der _Welt läuft es auch bei der NZZ: Wenn die Leser mit einem (Meinungs-)Beitrag nicht ganz zufrieden sind, kommentieren und ergänzen sie ihn in der Kommentarspalte – in diesem Fall den Text über den Umstieg vom Golf auf Tesla, der vielleicht dem Gewissen einen Gefallen erweise, nicht jedoch dem Klima.

13. Juli

Die Überschrift „14 Jahre Haft für iranische Band – wegen ihrer Metal-Musik!“ klingt vergleichsweise dramatisch (und ist es mit dem europäischen Verständnis von Freiheit der Kultur wohl auch), allerdings legt der Promiflash.de-Artikel auch offen, dass das Urteil in Abwesenheit fiel und die Musik Asyl in Norwegen gewährt bekamen.

11. Juli

Aufgrund falscher Abmahnungen muss jetzt ein „zweiter Porno-Anwalt [...] hinter Gitter“, so Heise. Vom zuständigen US-Gericht wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt, bei der „vergleichsweise glimpflich“ davonkam.

5. Juli

Ist das jetzt der Blick von außen, wenn auf der Seite der Schweizer NZZ ein Meinungsbeitrag zu den Themen «Leitkultur» und «Euro-Islam» veröffentlicht wird... oder ist es der Blick von innen, wenn jemand wie Bassam Tibi der Autor ist?

Es klingt nach einem Wechsel im Sprachgebrauch, wenn der Kölner Stadtanzeiger (KStA) berichtet, dass in Bergisch-Gladbach ein Zuwanderer nach Messerstich verletzt wurde.

Offensichtlich prallen unterschiedliche Vorstellungen von Schuld, Sühne und Vergebung aufeinander, wenn eine Predigt, die sich auch mit Priestern, die Missbrauch begangen haben, beschäftigt, zum „Eklat“ führt (KStA).

4. Juli

Weiter oben, beim 15. und beim 19. Juli, befinden sich bereits Verweise auf Artikel zum Thema Elektromobilität. In einem heise-Klartextbeitrag als Reaktion auf einen ARD-Fernsehbeitrag stellt Clemens Gleich die Frage: „Who whatabouted the Electric Car?“

3. Juli

In seiner Kolumne Inszenieren, emotionalisieren, die Realität ausblenden über die außerplanmäßige EU-Kommissionspräsidentschaftsspitzenkandidatin Ursula von der Leyen zeichnet Der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo das große Bild und platziert zusätzlich zu seiner EU-Kritik („merkwürdige Volten, verstörende Absurditäten und kaltschnäuzige Bosheiten“) auch das Thema „Migrantenabschrecken durch Ertrinken-Lassen“. Ergänzend sei auf den Blog-Artikel Von der Leyen, die EU und „toxische Sprache“ vom 16. Juli verwiesen.

2. Juli

Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Mercosur-Block gelte „vielen als Fanal gegen Donald Trumps Egopolitik“, schreibt der Spiegel. Doch obwohl man „eigentlich schon geeinigt“ habe, will Frankreich das Abkommen nicht ratifizieren.

Die chinesischen Grenzer würden „Spionage-Apps“ auf Smartphones von Touristen laden, schreibt der Guardian.

Abweichend von Thomas Schmolls N-TV-Prognose (siehe die Presseschau Juni 2019) soll Ursula von der Leyen Karriere machen statt ihre Karriere (vorläufig) zu beenden: Sie wurde als EU-Kommissionspräsidentin nominiert (NZZ).

Im Juni war „zeitweise zu wenig Strom im deutschen Netz“ (dpa via Heise), doch „ein Blackout habe nicht gedroht“.

1. Juli

Es geht zwar „nur“ um Berlin, betrifft sachlich aber weite(re) Teile der Republik, wenn der Tagesspiegel schon in der Headline festhält, dass marode Brücken „ein Zeichen für fehlgeleitete Politik“ seien.

Da von Apple kein Firmenmotto der Art „Don't be evil“ bekannt ist, scheint der Heise-Bericht über „über 630 App-Rauswürfe auf staatliches Geheiß“ auf den ersten Blick nicht so sehr nach einer großen PR-Katastrophe zu klingen.

älter

„Plus“-Leser des Der Spiegel können in voller Länge lesen, warum sich Ralf König im Mai über die „moralische Härte der queeren Szene“ wundert und woran er festmacht, dass die Zeiten „prüder“ werden.

Mitte Januar 2019 fasste Hansjörg Müller im Berliner NZZ-Büro für die NZZ-Newsletter-Abonnenten die „unbequemen Wahrheiten des Richard Grenell“ zusammen.

Auf dem Höhepunkt der Debatte um Claas Relotius vom Hamburger Blatt Der Spiegel, also kurz vor Weihnachten 2018, hielt Welt-Medienredakteur Christian Meier über den Der Spiegel-Artikel zur Aufklärung der Causa fest, dass die Hamburger Kollegen in ihrem Text inhaltlich Aufklärung gelobten, Relotius aber gleichzeitig „auf hohem sprachlichen Niveau“ vernichten würden.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.