Presseschau KW 1-2019

Die erste Presseschau des Jahres 2019 enthält aufgrund des Veröffentlichungsdatums naturgemäß vorwiegend Beiträge aus dem Jahr 2018. Ansonsten sei vorab darauf hingewiesen, dass er längerer Zeit mal eine Häufung von Artikeln aus dem Hause Heinz Heise hat.

Das Regierungsviertel befinde sich „in Aufruhr“, schreiben Moritz Koch, Martin Greive, Donata Riedel und Dietmar Neuerer im Vorspann ihres Handelsblatts-Artikels Datenklau – Cyberangriff auf Politiker: „Hier herrscht völlige Ratlosigkeit“ vom 4. Januar.

„In der neuen Debatte um die GEZ-Erhöhung“ sei es legitim, das „"Pekuniäre" bei ARD-Mitarbeitern zu hinterfragen“, meint Viktor Heese, was er am 4. Januar im Telepolis-Artikel ARD: Durchschnittliche Monatsvergütung von 9.400 € höher als bei DAX-Konzernen denn auch gleich macht.

Die Antwort auf die Frage der Überschrift erfährt insbesondere der Leser, der den „Plus“-Zugang zur NRZ hat: Digitales Zahlen – Angst vor Geldknappheit: Warum die Deutschen Bargeld lieben (4. Januar)

In einem Gastkommentar für die NZZ schreibt Oliver Jens Schmitt am 4. Januar über den neuen EU-Ratspräsidenten, dem als Land „ein Verfahren nach Artikel 7 wegen der Verletzung demokratischer Grundprinzipien droht“, was im Text erläutert wird, auch wenn die Überschrift einen anderen Schwerpunkt setzt: Das Geschäftsmodell der rumänischen Regierung besteht im Missbrauch von EU-Fördergeldern.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) müsse „dringend ihr Loserimage abstreifen“, doch ihr fehle eine „unangefochtene Führungsfigur genauso wie zündende Themen zur Profilierung“, analysiert Lisa Caspari am 2. Januar im Zeit-Artikel Irgendwas muss doch zünden.

Man darf es durchaus „Spoiler“ nennen, wenn man vor der Lektüre des SZ-Werks Künstliche Intelligenz und Kunst – "Spinne ich, wenn ich denke, dass sie ausschließlich meine Arbeit genutzt haben?" zum Thema „Urheberrecht 2.0“ darauf hingewiesen wird, dass die auktionserfolgreiche Künstlergruppe auf Open Source Software gesetzt hat.

Wer sich sicher vor solchen Methoden fühlt, könnte aufgrund seiner Sicherheitsgefühls tatsächlich ein Opfer (dieser und anderer Methoden) werden: Das Geld wäre futsch – eBay-Kleinanzeigen: Polizei warnt vor fieser Masche, die jeden treffen könnte (TZ, 1. Januar 2019).

Passend zum Text Mehr Einweggetränkeverpackungen mit Pfandpflicht (Telepolis, 31. Dezember) sei noch auf den zweiten und dritten Block im Blog-Artikel vom 24. Dezember verwiesen.

Nachdem Heise bereits am 18. Januar 2018 berichtet hatte, dass neuronale Netzwerke Fake-Porn und Hitler-Parodien erschaffen, veröffentlichte die Washington Post am 30. Dezember einen Beitrag, der das Thema aufgreift, aber weniger von der technischen Seite: Fake-porn videos are being weaponized to harass and humiliate women: ‘Everybody is a potential target’. Wer sich für konkret dafür interessiert, wie „Deep Fakes“ erstellt werden, wird u.a. in dem Heise-Artikel Deep Video Portraits erlauben nahezu perfekte Fake-Videos vom 27. Juni fündig.

Es könnte für die USA einen Richtungswechsel bedeutet, heißt es im Vorspann des SZ-Beitrags Generationswechsel in den USA – Jetzt kommen die Millennials vom 29. Dezember.

Efail-Entdecker rät exponierten Personen von E-Mail ab, konstatiert Heise am 29. Dezember in einem Beitrag im Kontext des 35C3 in Leipzig.

Zum Thema „Selbstverwirklichung“ lässt die Zeit am 29. Dezember zwei Aussteigerinnen zu Wort kommen: "Ich will nie wieder in die Welt der Leistung zurück". Unter den ersten zehn der knapp 500 Kommentare sind übrigens vier von der Redaktion entfernt, da sie nicht beim Thema bleiben, „überzogene Polemik“ darstellen oder die Kritik nicht ausreichend „sachlich und differenziert“ formuliert wurde.

Wie Heise in den ersten beiden Sätzen des Artikels Rundfunkbeitrag: ARD und ZDF offen für alternative Modelle am 28. Dezember schreibt, können sich die ARD und ZDF „ein neues Modell zur Erhebung des Rundfunkbeitrags vorstellen“ und „mehrere Bundesländer wollen ihn künftig an die Entwicklung der Inflationsrate koppeln“.

Am selben Tag erschien beim selben Medium ein Beitrag im Rahmen des 35C3 über das „Knacken“ biometrischer Sicherheitssysteme: 35C3: Mit Venenbild auf Handattrappe Geld abheben oder beim BND einbrechen. Ein anderer Beitrag behandelte Computerspiele als „Teil des kulturellen Erbes der Menschheit“: Die Zukunft der Archive: Games nicht nur bewahren, sondern spielbar erhalten.

Die beiden einzigen Konzerne aus der Bundesrepublik befinden sich am hinteren Ende des zweiten Drittels bzw. am Ende des neunten Zehntels: US-Technologieriesen an der Spitze der 100 wertvollsten Unternehmen (Heise, 28. Dezember).

In ihrem taz-Text Plötzlich wieder Single – Männer! vom 27. Dezember ist sich Autorin Saskia Lima sicher, dass Frauen kein Problem mit dem Älterwerden hätten, dafür aber eines Männern, denn „nicht wenige werden peinlich“. Ein relevanter Anteil der Leser sieht es anders bzw. das Problem bei der Autorin, die augenscheinlich unter Trennungsschmerz leidet („und ich dachte, jetzt hab ich ihn gefunden, den perfekten Mann für eine gute Zeit in der Phase, in der mein Herz noch gebrochen war.“) und diesen mittels „Tinder“ lösen möchte.

Die betroffenen Sportlerinnen äußern sich nur anonym, da sie Gefahren für ihre Familien befürchten: ‘There was blood everywhere’: the abuse case against the Afghan FA president (The Guardian, 27. Dezember).

Millennials sind keine Öko-Hipster – sondern eine von Erwerbsarmut bedrohte Generation – so betitelt Patrick Herger seinen NZZ-Kommentar vom 27. Dezember, in dem er sich ein paar Gedanken zur ökonomischen Situation der Generation der 22- bis 35-jährigen macht.

Ein paar interessante Gedanken zur Textkommunikation fasst Monika Ermert am 27. Dezember im Heise-Artikel Es ist was faul im E-Mail-Land: Zwischen Komplexität und ungleichen Machtverhältnissen zusammen.

Es soll ja Leute geben, die sich nach der Lektüre von Beiträgen wie Nicht erwünscht – AfD-Politiker Jens Maier aus Kino in Dresden geworfen (LVZ, 26. Dezember) fragen, ob a) der Politiker nicht auf den Rauswurf kalkuliert hat und b) ob die Kalkulation (das Medienecho?) nicht vielleicht deshalb aufgegangen ist, weil es dem e.V. „Roter Baum“ offensichtlich unmöglich war, einfach die Präsenz des Politikers zu tolerieren (lat. „tolerare“ = ertragen) und ihn sonst zu ignorieren.

Die Die Achse-Morgenlage von AchGut vom 26. Dezember beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Themen – u.a. einem islamistischen Angriff von „Boko Haram“ in Nigeria (FAZ), Todesfällen unter regierungskritische Demonstranten im Sudan (Zeit) und der Lage in Nordsyrien (Kleine Zeitung). Gleichwohl beschäftigt sich die „Leserpost“ zu über 80 % mit der Causa des Kinobesuchers in Dresden.

Auch etwas über ein halbes Jahr nach seinem Beginn ist Der Fall Özil: Ein Drama mit vielen Verlierern (Radio Dresden, 25. Dezember) zum Jahresende eine ausführliche Chronik wert.

Wer sich schon länger mit „Big Data“ und dem Interesse von (US-)Konzernen an Daten und Optimierung beschäftigt, ist auch nach der Lektüre des Beitrags Konsum – Die Vermessung des Kunden (SZ, 23. Dezember) wahrscheinlich eher nicht verwundert, dass es ein Konzept wie „CLV“ sprich „customer lifetime value“ (zu Deutsch: „Kundenlebenszeitwert“) gibt.

In ihrer Tagesspiegel-Kolumne Demokratie – Aus der Leistungsgesellschaft ist eine Ständegesellschaft geworden vom 23. Dezember zählt sich Autorin Ursula Weidenfeld „wahrscheinlich“ genau so zu den Privilegierten wie den Leser.

Dass es nicht immer die umfangreiche Office-Suite sein muss, zeigt der t3n-Beitrag Diese Apps fordern das Microsoft-Office-Prinzip heraus vom 21. Dezember.

Es lohnt sich, beim dem Artikel Frankreich: Die Mittelschicht ist erschöpft (Zeit, 15. Dezember) in die knapp über 900 Kommentare abzutauchen. Wem das zu viel ist, dürfte vielleicht mit der Diskussion unter dem ersten Kommentar zufrieden sein.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.