Presseschau Mai 2019

Nachdem es sich subjektiv bewährt hat, die Schlagzahl zu verringern, erfolgt die jüngste Presseschau nun sogar mit zeitlicher Latenz.

29. Mai

Wegen „Strafvereitelung“ aufgrund der „Verweigerungshaltung der Bundesregierung in Sachen Rückführung“ von sogenannten IS-Anhängern stellen Frauen jesidischen Glaubens „Strafanzeige gegen Barley und Seehofer“ (SPD bzw. CSU), so Telepolis.

Da Angebote wie „Alexa“ (Amazon), „Siri“ (Apple) oder „Cortana“ (Microsoft) standardmäßig weibliche Stimmen haben und „als Dienerinnen unterwürfig“ seien, attestiert ein UNESCO-Bericht diesen Angebot Sexismus, berichtet Florian Rötzer für Telepolis.

28. Mai

Auf Telepolis berichtet Jens Mattern von „Beeinflussungskampagnen in Schweden“: „McCarthysierung gegen Putinversteher“.

27. Mai

Über 1.700 Leserkommentare hat der Heise-Text nach sich gezogen, in dem die Redaktion die Vorschläge der CDU-Vorsitzenden zum Umgang mit „asymmetrischer Wahlkampfmobilisierung“ wiedergibt.

24. Mai

Der „Relotius-Bericht“ der aufklärungskommission sei für das Hamburger Blatt den Der Spiegel „verheerend“, schreibt der bekannte Medienblogger Stefan Niggemeier auf Übermedien. Weitere Artikel zur Causa sind im Blog unter dem Tag „Claas Relotius“ zu finden.

Insgesamt sechs Autoren des Wochenmagazins Der Spiegel, der sich im Rahmen der Autorenbeiträge von Claas Relotius vergleichsweise deutlich einem „Bias“ unterworfen hatte, gehen journalistisch vergleichsweise neutral an den „Faktencheck“ des Rezo-Videos „Die Zerstörung der CDU“.

23. Mai

Seitdem Ralph Ghadban, ein „Experte für Clan-Kriminalität“, so der Tagesspiegel, einem Fernsehsender im Libanon ein Interview gab, steht er unter Polizeischutz, denn „Kriminelle wollen [ihn] mundtot machen“.

22. Mai

Der jugendlich-frische Zeit-Ableger ze.tt geht in einem Interview mit Regisseur Chad Stahelski der Frage nach, wie viel Gewalt ein Actionfilm wie „John Wick 3“ brauche.

20. Mai

In dem (online nur angerissenen) Bericht „Ärger um den Relotius-Aufdecker“ zeigt Kress auf, dass es „unterschiedliche Interessen“ zwischen dem Der Spiegel und Aufdecker Juan Moreno gebe.

19. Mai

Selbst wer eine „mittlere oder vermittelnde Position“ einnehme und sich bemühe, „die Dinge differenziert zu beurteilen oder nach Gemeinsamkeiten Ausschau zu halten“, könne „in die Bredouille geraten und als unsicherer Kantonist geführt werden“, schreibt Ulrich Teusch in seinem Telepolis-Artikel, dass „das System“ den Krieg brauche, „um noch funktionsfähig zu sein“.

18. Mai

Der Focus (dokumentiert, wie Schweden gegen einen Clan vorgeht, „der in Deutschland berüchtigt ist“.

17. Mai

Der Raub des Kunstwerks „Goldenes Nest“ sei wohl eine „Machtdemonstration der Clans“ gewesen, heißt es in der Überschrift eines Welt-Artikels.

Auf Facebook aktive Gruppe sollen sich übrigens so sabotieren lassen, dass sie durch das bewusste Einstellen „verbotener Inhalte“ gesperrt werden. Allerdings können sie bei Bedarf auch wieder entsperrt werden, wie Heise berichtet.

Weil er von seiner „70-Millionen-Dollar-Villa“ aus „immer mal wieder mit frauenfeindlichen Aussagen, Beleidigungen und kruden Verschwörungstheorien“ auffiel, so Heise, wurde der Entwickler von „Minecraft“, der von Microsoft mit 2,5 Mrd. USD Kaufpreis entlohnt wurde, nicht zum zehnjährigen Jubiläum eingeladen

15. Mai

In einem Beitrag für die Ruhrbarone stellt Robert von Cube dar, wie er a) zu „toxischer Männlichkeit“ und b) zur „Kritik“ am CDU-Abgeordneten Philipp Amthor steht, der „kein fingerhakelnder Macho“ sei und von der politischen Gegenseite „mit Häme und toxisch-männlichen Dominanzgesten“ bedacht werde. Leser des Blogs werden an dieser Stelle vielleicht Parallelen zu hier ansatzweise dokumentierten Äußerungen verifizierter Twitternutzer zu den Schülern der Covington-Highschool ziehen.

14. Mai

Aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EUGH) folge, dass Arbeitgeber „die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch“ erfassen müssten, wie auf Heise in einer dpa-Meldung nachzulesen ist.

Unter der Überschrift „Ein geiles bisschen Horrorshow“ ist sich Spiegel-Autor Andreas Borcholte sicher, dass sich die „prollige Renitenz gegen moralische Koordinatensysteme“ von Rammstein vielleicht durch die DDR-Vergangenheit erklären lasse, als die Musiker „ihren Rock'n'Roll- und Freiheitsdrang noch nicht öffentlich ausleben durften“. Aus seiner Sicht wirke das „instinktive Aufbäumen“ heute aber „nicht reaktionär aufschäumend, sondern unpolitisch libertär“.

Einer anderen Spur folgt Juliane Liebert für die SZ in ihrem Stück „Rammstein stiften radikale Verwirrung“. Da heißt es im Vorspann, dass die Band „immer schon mit rechter Ästhetik“ provozierte, weshalb sie direkt im Anschluss die Frage stellen muss, wie ein Album klinge, „wenn rechtsradikales Denken wieder zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft“ werde. Im Text gibt sie jedoch Entwarnung, denn „Waldmeister und Würstchen“ seien „gute Stichworte, wenn man die Essenz von Rammstein beschreiben will“.

Wenn das Bundesland Nordrhein-Westfalen den bundesweit ersten Lagebericht popup.yes zur sogenannten „Clan-Kriminalität“ vorstellt, so die FAZ in einer Exklusivmeldung, kann das aus statistischer sicherlich als Fortschritt angesehen werden.

Während die Bertelsmann-Stiftung in einer am 12. Februar veröffentlichten Studie konstatiert, dass der deutsche Arbeitsmarkt „auf außereuropäische Zuwanderung angewiesen“ sei, berichtet die FAZ rund drei Monate später, „wie Amazon seine Angestellten durch Maschinen ersetzt“.

13. Mai

Bei dieser Meldung aus dem Polizeiticker bei der Leipziger Volkszeitung, dass ein Mann einer „Frau zur Hilfe gekommen [ist] und von Männern attackiert“ wurde, fragt sich der Leser, wie Bürger ohne eine weitergehende Täterbeschreibung gegebenenfalls Hinweise geben sollen.

Unter dem Pseudonym „John Doe“ hat ein Autor für Heise einen Investigativartikel verfasst, wie er einem Spammer technisch auf die Schliche gekommen ist.

11. Mai

In Jan Böhmermann, dem „Satire-Hospitanten aus Almanya“, der „immer wie ein übereifriger Versicherungsverkäufer“ auftrete, sieht Peter Nowak für Telepolis den „Niedergang der deutschsprachigen Satire“.

10. Mai

Im Interview mit Telepolis skizziert der Verkehrsexperte Winfried Wolf, u.a. Autor des Buches „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse“, verschiedene Gedanken u.a. über „Elektromobilität als neuen Hype“ und „Enteignungen der Autokonzerne“, was das Grimme-ausgezeichnete Online-Medium unter der Überschrift „Das Gejammer der Umweltverbände ist blanker Unsinn“ präsentiert.

9. Mai

Für Bürger, die sich treu innerhalb der geltenden Rechtslage bewegen und unter der Woche nachts um halb drei an einer menschenleeren Nebenstraße vor einer roten Fußgängerampel warten, mag es wie eine Meldung zum 1. April, wenn beispielsweise die Welt vermeldet, dass die Dealer vom Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg „in markierten Bereichen stehen“ sollen.

8. Mai

Der Journalist, Autor und Blogger Henryk M. Broder hat unter der Überschrift „High Noon in Duisburg!“ eine Sammlung von Links zusammengetragen, welche die „faszinierende Persönlichkeit“ von Lamya Kaddor beleuchten sollen.

6. Mai

Wer hier im Blog nach „Feinstaub“ sucht findet ein paar Ergebnisse, von denen zwei explizt mit diesem Begriff getaggt sind. Nun hat die SZ einen Beitrag veröffentlicht, dessen Quintessenz schon in der Überschrift zum Tragen kommt, dass der meiste Dreck nicht aus dem Auspuff komme.

Es war der Streit um kaputtes Handy, der eskalierte, der einen 17-jährigen Schüler aus München vor einer Tankstelle in der Münchner Altstadt das Leben kostete. Der Gesuchte, ein 21-jähriger, wurde in Paris gefasst, berichtet der Focus.

4. Mai

Die sogenannte „Mitte-Studie“ der „SPD-nahen“ Friedrich-Ebert-Stiftung sei vielfach kritisiert worden, meint Florian Goldmann in einem Beitrag für Telepolis. Die „besten Argumente gegen Rechtsruck und Alarmismus“ liefere die Mitte-Studie selbst, wie auf die Schnelle besonders im letzten Absatz sichtbar wird. Wer sich zusätzlich durch die Kommentare wühlt, findet dann u.a. mit „grün“ bewertete, zustimmende Äußerungen, dass „Chauvinismus [...] auf Erfahrungen“ beruhe, dass sich „Links und Rechts [...] gern“ geselle, dass aufgrund von Art. 5 GG „abwerten und diskriminieren [...] Teil der Meinungsfreiheit“ sei, und „ halt alle anderen Nazis“ seien, wenn „wenn man den Kompass falsch kalibriert“

3. Mai

Nach vier Attacken innerhalb nur eines Monats schließt der Inhaber des Hamburger Sternerestaurants „Jellyfish“ seine Lokalität, da seine Leidenschaft „erloschen“ sei. Im Interview mit der altehrwürdigen Zeit berichtet er u.a. davon, dass er am 1. Mai „auf eigene Kosten einen Sicherheitsmann engagiert“ habe, damit dieser sich die ganze Nacht ins beleuchtete Restaurant setze. Er bezeichnet das „Offenbarungseid der Gesellschaft“.

2. Mai

Nutzwertbeitrag: Das Handelsblatt schreibt darüber, warum Xing und LinkedIn auch ohne Jobsuche sinnvoll seien.

Wie der Guardian berichtet, wurden „Alex Jones, Milo Yiannopoulos and other far-right figures“ von und auf Facebook aufgrund der Policy gegen „dangerous individuals and organizations“ verbannt. Das deckt sich inhaltlich mit vergleichbaren Schritten im April bzw. Februar, als „far-right groups including BNP, EDL and Britain First“ bzw. Tommy Robinson verbannt wurden, siehe dazu den Guardian vom 18. April bzw. 26. Februar 2019).
Speziell beim Schritt bezüglich der Organisationen wurde seitens des Anbieters gewarnt, dass Beiträge und die Koordinatoren von Unterstützergruppen ebenfalls verbannt würden.

Älter

Wer heute auf historische Beispiele vom Kampf gegen Bücher schaut, findet die Haltung des Zensierens – wie sich beispielsweise im von der NZZ am 18. April dokumentierten Kampf einer katalanischen Schule gegen „toxische“ Märchenbücher mit „sexistischen Denkmustern“ manifestiert – oftmals falsch. Im Fall der Schule betrifft die Maßnahme auch den heiligen Georg, den Schutzpatron der Region.

Ergänzend zu den weiter oben verlinkten Artikeln zu Rammstein sei noch auf diesen Der Spiegel-Artikel vom 28. März verwiesen, der sich mit der „Kontroverse“ um das Musikvideo zu „Deutschland“ auseinandersetzt und schlicht mit „Eine Falle“ betitelt ist.

Zum Thema „Vorverurteilung“ bloggt Don Alphonso am 9. Oktober auf der Welt, „warum einem im Kavanaugh-Zeitalter das Lächeln“ vergehe.

So angenehm das bargeld- und kontaklose Bezahlen auch ist, so leicht sei es auch, „mit der Technik das Geld anderer Leute abzufischen wie c't-Redakteur Jan-Keno Janssen am 20. Juli 2018 in einem Video zeigt.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.