Presseschau Mai, Juni, Juli, August, September 2020

„Aus Gründen“, wie es so oft und normalerweise nicht näher spezifiert heißt, deckt diese Übersicht von „Entdeckungen“ einen vergleichsweise langen Zeitraum ab, bewegt sich dabei aber „im üblichen Umfang“,

30. September

In der Exklusivmeldung zur „Morgenlage“ („Rechtsextreme Medien auf Merkels Schreibtisch“), dem Pressespiegel des Bundeskanzleramtes, zitiert der Tagesspiegel-Autor auch Dorothee Bärs Reaktion auf einen Beitrag im satirischen Monatsrückblick von Stephan Paetow in Tichys Einblick. Die CSU-Staatsministerin im Kanzleramt „nannte die Publikation ‚widerlichen Dreck‘ und ‚Müll‘“, heißt es da. Im verlinkten Beitrag vom Vortag wird die per Tweet verbreitete Aussage im O-Ton wiedergegeben: „Das ist widerlicher Dreck! Wo steht denn so ein Müll?“ Da kommt TE immer noch nicht gut weg, aber die Aussage bezieht sich – anders als Jost Müller-Neuhof es insinuiert – nur auf einen bestimmten Auszug im „Monatsrückblick“.

24. September

In einem Beitrag für die NZZ setzt sich die 2013 eingebürgerte US-Amerikanerin Ayaan Hirsi Ali mit „säkularen Fundamentalisten“ ihres Heimatlandes auseinander, die sie des „Wokeismus“ („in vieler Hinsicht ein marxistisches Bekenntnis“) bezichtigt und in der Folge Ähnlichkeiten zum Islamismus herausarbeitet, auch wenn es neben der unterschiedlichen Differenzierung („zahllose Identitäten“ contra eine „simpleren Ordnung“ mit der Unterteilung in „Gläubige und Ungläubige, Männer und Frauen“) „viele weitere Differenzen“ gebe.

17. September

„Serdar Somuncu benutzt das N*-Wort, beleidigt Frauen und nennt das Satire“, wird der Meinungsbeitrag von Maxi Beigang eingeleitet. Ob er das darf? Die „Autorin findet: nein“ und erläutert dies im Fließtext.

Wie Andreas Wilkens für Heise darstellt, seien Tesla-Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Kameras und deren Programmierung „allerhand Aufnahmen von ihrer Umgebung machen“ ein, so der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg in einem ARD-Beitrag, „ klarer Datenschutzverstoß“.

16. September

Wie Maxi Beigang wohlwollend für die Berliner Zeitung kommentiert, will die Katholische Studierende Jugend (KSJ) „Gott* mit Genderstern schreiben“.

8. September

Ungefähr in der Mitte ihres Zeit-Beitrags „Diskriminierung: Intersektionalität ist für alle da“ stellt die Historikerin Marion Detjen die Frage, ob sie „als privilegierte weiße Oberschichtsfrau, diesen Artikel zu Intersektionalität schreiben“ dürfe und gibt darauf die wenig überraschende Antwort „Natürlich darf ich“. Der Benutzer „Ein_Leipziger_91“ kommentiert dies mit „eine privilegierte Akademikerin, die sich dadurch eine Distinktionsgewinn verspricht.“ Benutzer „Klaunwelt2020_06“ weist darauf hin, dass man sich, da die Autorin die Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw erwähnt, „man sich deren Buch aus den 90ern mal ansehen“ sollte. Dort stelle diese klar, „ganz ohne Scham, daß CRT (Critical Race Theory) unter anderem eine Kopfgeburt von "Neomarxisten" war“.

6. September

Gegen „lebenslanges Lernen“ sei nichts einzuwenden, heißt es bei Heise, aber Digitalisierung als „Zwangsmaßnahme“ zwing „den Älteren Inhalte auf, mit denen sie ihre kostbare Zeit verzetteln“ müssten.

2. September

In der Dachüberschrift ist Heinrich August Winkler noch „Deutschlands führender Historiker“, im Vorspann schrumpft das dann aber auch „der renommierte Historiker“ zusammen. Davon abgesehen ist das mit ihm geführte (und unter der Schlagzeile „Bei Trump muss man sich auf das Schlimmste gefasst machen“ veröffentlichte) Interview durchaus lesenswert. Neben US-Politik gibt es indes u.a. auch einen Block „Deutschlandpolitik“, für den als Teaser beispielhaft ein Zitat folgt:

„Wir Deutschen haben unseren ersten Nationalstaat, das von Otto von Bismarck gegründete Reich, ruiniert. Daran besteht kein Zweifel. Daraus aber zu schlussfolgern, dass der Nationalstaat per se obsolet sei, ist verwegen. Diese Einschätzung teilt so gut wie kein anderer Staat in Europa. Das muss uns klar sein, und darüber sollte diskutiert werden: Warum fällt es uns Deutschen so schwer zu begreifen, dass viele europäische Länder nichts mit dem Begriff der "postnationalen Demokratie" anfangen können?“

1. September

Milosz Matuschek habe „recht, wenn er darauf hinweist, dass Angst ein schlechter Ratgeber“, schreibt Leser Gerhard Jüttner als Kommentar unter die NZZ-Kolumne über „kollabierte Kommunikation“ und „Covidioten“ sowie Statistik, gleichwohl sei „sein verwendetes Schaf-Schäfer-Wolf-Bild“ „äußerst problematisch“.

17. August

Der Berliner „Mietendeckel“ zeige (Aus-)Wirkungen, so die Wirtschaftswoche, denn es gebe in der Hauptstadt „25 Prozent weniger Mietwohnungen“.

Vergleichweise apokalyptisch beschäftigt sich Capital mit dem Industriekonzern thyssenkrupp und konstatiert, dass nun „das Endgame“ komme.

14. August

Während „satanische“, „satanistische“, blasphemische oder allgemein anti-christliche Musik, unabhängig vom Genre, in Europa keine Gefahr für die Künstler darstellt, drohen der iranischen Metal-Band „Arsames“ laut der Szene-Postille Metal Hammer 15 Jahr Gefängnis.

Das Schweizer Medium Republik geht der Frage nach, wer oder was „gecancelt“ werde.

12. August

Yascha Mounk – der „Doomsayer der Demokratie“, so sinngemäß ein kommentierender Zeit-Leser – hat bei dem Wochenblatt im Zeitungsformat unter der Überschrift „Kollektive Zensur“ einen Beitrag über die sogenannte „Cancel-Culture“ geschrieben. In diesen Blog hat er erstmals im April 2018 Eingang gefunden – und zwar mit einem „historisch einzigartigen Experiment“.

7. August

Im Interview mit der Welt erklärt der Anthropologe Duane Jethro vom Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin, das in der Mohrenstraße liegt, warum sich Vertreter seiner Universität „für eine Umbenennung der Mohrenstraße einsetzen“. In seinem Blog-Beitrag in der Reihe „Stützen der Gesellschaft“ hat Don Alphonso übrigens schon am 7. Januar 2018 dieses Thema angesprochen (und den Beitrag dabei kalendarisch passend mit den Sternsingern aufgemacht).

31. Juli

Etwas mehr als 90 Jahre nach Planung und Bau in den 1920er Jahren entdeckt ein Passant in der Fassade des Dortmunder Volksbads vermeintlich Hakenkreuze, was laut WDR aber nicht so dramatisch ist, da das Bad vor der Machtübernahme in Betrieb genommen wurde und sogenannte „Swastika“ zu der Zeit als Glückssymbole durchaus beliebt waren.

20. Juli

Das Fundstück der Cicero-Redaktion skizziert kurz die „Randale auf Frankfurter Opernplatz“ und verlinkt am Ende auf ein Interview beim Deutschlandfunk.

18. Juli

In seiner Focus-Kolumne „Schwarzer Kanal“ schreibt Jan Fleischhauer über „Cultural Appropriation“. Für Leser mit wenig Zeit, aber viel Wissensdurst hier die Quintessenz (die Fleischhauer aber noch einmal mit einer Abschlusspointe auf die Spitze treibt): „Die Pointe des Denkens in kulturellen Sonderzonen ist, dass es zum Verwechseln dem bei den radikalen Rechten ähnelt.“

14. Juli

Der Social-Media-publizistische Spielraum der „Identitären Bewegung“ schränkt sich immer mehr ein, wie nun Andreas Wilkens für Heise berichtet. Nachdem Facebook, Instagram und Twitter Konten der Bewegung gesperrt habe, habe nun auch die Videoplattform YouTube nachgezogen.

Für Heise skizziert Karl-Gerhard Haas die Geschichte von Mp3.

13. Juli

Im Berliner Namensstreit um die „Mohrenstraße“ wollen laut Tagesspiegel einige CDU-Politiker lediglich den U-Bahnhof umbenennen.

Wie die Zeit schreibt, war die 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweihte Hagia Sophia die größte Kirche des Christentums und wurde nach „der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen“ 1453 zur Moschee. Nachdem Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk sie 1934 zum Museum machte, das als Bauwerk seit 1985 eine Weltkulturerbestätte, ist sie jetzt von dem Präsidenten der Republik Türkei wieder umgewidmet worden. Die Bundesregierung „bedauert die Entscheidung Erdoğans“, so die Zeit im Vorspann.

Bürgerrechtsorganisationen befürchten „Pre-Crime“ in der Europäischen Union durch die Zusammenlegung von Datenbanken und Data Mining, berichtet Heise.

12. Juli

Da der türkische Präsident „mit dem Rücken zur Wand“ stehe, so der Tagesspiegel in der Dachüberschrift, ginge es nach „der Umwandlung der Hagia Sophia den Islamisten und Nationalisten“ zuliebe nun „den Frauenrechten an den Kragen“. Die Leser indes weisen u.a. darauf hin, dass der Staatslenker „der Topislamist schlechthin“ und die „sog. Beitrittsperspektive“ ein „Illusionstheater“ sei, oder dass mit dem „Rücken zur Wand“ nicht mal „der Wunsch der Vater des Gedankens“ sei.

Über 7 Seiten bzw. 21 Minuten Leseminuten erstreckt sich Bernd Mewes' Text über Internetstars in Form von „Influencern, YouTubern und Twitchstreamern“.

„Es mag für Europäer, Deutsche zumal, schwer sein, im Nationalismus etwas Positives zu erkennen“, schreibt Alan Posener in seinem Welt-Kommentar, aber „die Loyalität gegenüber der Nation“ sei „im Vergleich zur Bindung an die Religion, den Clan oder die Ethnie ein historischer Fortschritt“. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist dabei, dass der „Nationalismus in der muslimischen Welt“ zurückkehre.

10. Juli

Für Netzpolitik.org beschreiben Daniel Laufer und Sebastian Meineck, wie mithilfe der polnischen Suchmaschine PimEyes „gerade unsere Anonymität“ abgeschafft werde.

7. Juli

Für die U-Bahn-Haltestelle „Mohrenstraße“ hat der Betreiber BVG den Namen der nahegelegenen Glinkastraße ausgewählt und sich dabei, so berichtet es die Welt für einen russischen Komponisten entschieden, gegen den Antisemitismusvorwürfe im Raum stehen.

3. Juli

Die Notenbanken könnten könnten bei ihrer Geldpolitik „bald zu ihrem letzten Mittel greifen“, folgt Jan Fleischhauer der „Spur des Geldes“, weil er sich mit einer „florierende(n) Branche“ auseinandersetzt, die „Millionen an Staatsgeldern für den Kampf gegen Hasskommentare“ einnehme.

26. Juni

Stellvertretend für weitere Medien sei hier auf heise verwiesen, wo ein längeres Stück über den „in verschärfter Form“ verabschiedete Gesetzentwurf „zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“ erschien. Vorbildlich: Politiker diverser Parteien, darunter die gesamte Opposition von AfD über die Bündnisgrünen und die FDP bis hin zu der Die Linke, kommen direkt oder indirekt zu Wort. Inhaltlich geht es darum, dass sogenannte „Anbieter von Telemediendiensten“ (das umfasst Google mit Gmail ebenso wie Facebook und Tinder) sensible Daten von Verdächtigen (das umfasst beispielsweise IP-Adressen und Passwörter) künftig an Sicherheitsbehörden herausgeben müssen. Ebenso müssen sie „strafrechtlich relevante Inhalte wie Hassbeiträge, Terrorismuspropaganda oder Bedrohungen und Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs nicht mehr nur“ löschen, wie Heise schreibt, sondern „parallel unaufgefordert – ebenfalls zusammen mit aussagekräftigen Internetkennungen inklusive Portnummern“ – an das Bundeskriminalamt melden.

20. Juni

Im Interview mit Capital gibt Geraldine Sundstrom, Leiterin der europäischen Asset Allocation bei Pimco, u.a. zu Protokoll, dass Europa „auf lange Sicht vermutlich kein Gewinner“ sein werde.

Im Rahmen von #BlackLivesMatter und der „Cancel Culture“ bekennt Jan Fleischhauer in seiner „Dieser Film gehört verboten: Was wirklich hinter der Wut der neuen Bilderstürmer steckt“ betitelten Focus-Kolumne, dass er sich vorsichtshalber mit allen Folgen von „Fawlty Towers“ und einer DVD-Komplettbox von „Ein Herz und eine Seele“ (mit „Ekel Alfred“) bestellt habe.

19. Juni

Der „Crash“ rücke näher, so Marc Friedrich in einem Focus-Gatskommentar, weshalb wir „vor dem größten Vermögenstransfer aller Zeiten“ stünden.

18. Juni

De SZ veröffentlicht ein Interview mit dem Leiter eines Berliner Gesundheitsamtes, in dem dieser u.a. konstatiert, dass die „Corona-App“ ein „Spielzeug für die digitale Oberklasse“ sein.

16. Juni

Als „eine Reaktion auf Vorfälle vom 6. Juni“, so die Westdeutsche Zeitung, im Kontext einer „Groß-Demonstration unter dem Motto "Black Live Matters"“ hat die Burschenschaft Rhenania-Salingia ein „Frat Lives Matter“-Plakat aufgehangen, was „viele Leser verärgert“ der Westdeutschen Zeitung verärgert habe.

10. Juni

Für den Der Spiegel fasst koe zusammen, welche Aspekte der akademische Streik gegen Rassismus („Schwarze sind in der Wissenschaft schlechtergestellt als Weiße“) umfasst. Die Leser beschweren sich u.a. darüber, dass der Der Spiegel nicht erläutert, warum diskriminiert wird, oder dass Asiaten überrepräsentiert seien. In einer Art Nebenkriegsschauplatz weist auch jemand darauf hin, dass „Wissenschaftler“ und „Forschende“ nicht korreliere.

Der Spiegel, der einstmals der Maxime „sagen, was ist“ folgte, hat (aus welchen Gründen auch immer) zumindest online geringere Maßstäbe. Anders ist es nicht zu erklären, dass ein Artikel über den Mord an Olof Palme erscheint, der laut Recherchen schwedischer Journalisten aufgeklärt sei – aber der Spiegel lediglich zwei Indizien (der angebliche Täter war ein guter Schütze und er kannte einen Waffensammler, der auch verschiedene Modell des verwendeten Kalibers besaß) anführt. Dementsprechend reagieren auch verschiedene Leser in den Kommentaren recht skeptisch auf diese Enthüllung, die aus deren Sicht recht faktenarm ist.

4. Juni

In seiner Cicero-Kolumne „Kisslers Konter“ setzt sich Alexander Kissler mit der „deutscheste(n aller Parteien“ popup:yes) (so die Dachüberschrift) auseinander und bedient sich für die Hauptüberschrift der Diktion des YouTubers Rezo: „Die Zerstörung der Grünen“.

11. Mai

In der Reihe NZZ Standpunkte spricht der Wirtschaftspublizist Beat Kappeler über die Folgen der Corona-Krise und die Option Italiens, zur Lira zurückzukehren.

8. Mai

Im Interview mit der NZZ macht sich der Historiker Heinrich August Winkler Gedanken über die Rolle Deutschlands in Europa bzw. der Europäischen Union.

5. Mai

Laut Heise stehe Streaming nun erstmals für über 50 % der Umsätze der Musikbranche.

3. Mai

Bei der weiteren Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes, den die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, kann sich die Berliner Zeitung eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ vorstellen.

Für Heise klärt ein Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbands darüber auf, was sich bei der Steuererklärung bezüglich Home-Office anrechnen lasse.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.