Presseschau Oktober 2019

Es geht u.a. um nationale und internationale Politik, Fußball, Kriminalität, Gerechtigkeit in Naturkundemuseen, „das Morsezeichen der Denkfaulen“ und die Rente, die wohl doch nicht mehr so sicher ist, wie es einst ein Bundesminister prognostizierte.

28. Oktober

Nach Flugscham, Reisescham und Bauscham nun der nächste Trendbegriff, den beispielsweise Der Spiegel medial verbreitet: die „Konsumscham“, vor der der H&M-Chef warnt.

Der Spiegel kommentiert das Foto des US-Präsidenten Foto zur „Baghdadi-Tötung“ und stößt nur bedingt auf Gegenliebe. Wenn man „schon RJ45 nicht von USB unterscheiden“ könne, so Kommentator „Ringmodulation“ (Nr. 3), „sollte man den Mund nicht so voll nehmen“ und der Artikel sei „natürlich völlig sachlich, politisch neutral und unvoreingenommen“. Ähnlich sieht es aus Kommentator „cyrano11“ (Nr. 4), denn „Es wäre ja ein Wunder, wenn Präsident Trump in den Augen des SPON irgendetwas richtig machen würde“.

Das Land Thüringen hat gewählt und der Merkur konzentriert sich in diesem Bericht darauf, welche Aussagen im Nachgang vom MDR unkommentiert blieben: u.a. Björn Höcke als „Faschist“ (Bündnis90/Die Grünen) und die „erschlaffte“ Demokratie (AfD).

In einem Kommentar für die Frankfurter Rundschau setzt sich Katja Thorwarth mit den möglichen Folgen für die SPD auseinander, sollte Sigmar Gabriel wirklich Cheflobbyist der Automobilindustrie werden.

27. Oktober

Im FAZ-Ticker zur Thüringenwahl schreibt Lorenz Heimicker, um 18.18 Uhr auf, dass der amtierende Ministerpräsident die rund 24 % für die AfD dahingehend umdeute, „dass über drei Viertel der Wähler keine Rechtspopulisten an der Regierung wollten“ - was im Umkehrschluss auch bedeuten würde, dass das „dann auch über 70 Prozent mit Blick auf Ramelows Partei sagen“ könnten.

Die basisdemokratische Kandidatenkür der SPD um den als Doppelspitze geplanten Vorsitz geht in die nächste Runde - doch beide Kandidatenpaare der Stichwahl könnten die „mit großem Pathos versprochene Erneuerung“ nicht verkörpern, so der Tagesspiegel.

Während die Überschrift im Meta-Text „Kriminelle Clans eröffnen vermehrt Friseursalons – das ist der Grund“ heißt, die Morgenpost mithin zwischen „Clans“ und „kriminellen Clans“ differenziert, lautet die tatsächliche Überschrift des Artikels dann „Organisierte Kriminalität – Clans eröffnen Friseursalons zur Geldwäsche“.

26. Oktober

Mit Hilfe von dpa-Material hat Michael Kröger für das Wochenblatt Der Spiegel einen durchaus wohlwollenden Artikel über „Trigema“ geschrieben.

Die Publizistin und Autorin Carolin Ehmcke macht in einem längeren Kommentar für die SZ Gedanken über die „Formel“ „politisch korrekt“ und bezeichnet sie als „das Morsezeichen der Denkfaulen“ – und übersieht dabei eventuell, dass Adjektive a) austauschbar sind und b) vielleicht auch einen wieseligen Charakter haben.

24. Oktober

In der Debatte um Diskriminierung sind nun auch Naturkundemuseen ein Thema – denn dort werden deutlich mehr männliche als weibliche Exemplare ausgestellt. Es lohnt sich, die Kommentare zu lesen.

23. Oktober

Die neutrale Herangehensweise des Handelsblatts an die „Kosten der Flüchtlingskrise“ ist dem Medium grundsätzlich angemessen, gleichwohl scheint sie unvollständig zu sein, wenn beispielsweise das Wort „Familiennachzug“ nicht auftaucht.

21. Oktober

Gelegentlich sind hier schon Artikel genannt worden, in denen es um Opfer und Opferdiskurse geht. Das letztgenannte nicht gut, sondern sogar (https://www.tagesspiegel.de/politik/ausser-klagen-nichts-zu-sagen-was-am-opferdiskurs-der-ostdeutschen-falsch-ist/25131744.html text: falsch sein können popup:yes), führt ein in Weimar geborener Lehrstuhlinhaber in Münster für den Tagesspiegel am Beispiel der Bürger der 1990 angeschlossenen Bundesländer aus.

20. Oktober

In einem Gastbeitrag für den Cicero weist die Anwältin und Publizistin Seyran Ateş darauf hin, dass sich dank des „politischen Islams“ „ein Gottesstaat bei den 'Ungläubigen'“ in den fünf östlich gelegenen Bundesländern entwickele.

19. Oktober

Wenn man sich die Kommentare unterhalb des Artikels anschaut, ist ein Teil der Leserschaft des Der Spiegel überrascht, dass sich das Hamburger Wochenblatt im Interview kritisch mit der familiären Erziehungen muslimischer Knaben auseinandersetzt.

Gerüchteweise haben schon frühzeitig ein paar Experten davon gewarnt, was jetzt – hier zitiert nach NTV – der Bundeswirtschaftsminister von der CDU sagt: Die positive Entwicklung der Renten gehe „nicht auf ewig so weiter“, denn es fehle an Geld.

17. Oktober

Wenn Julia Jüttner mit der Überschrift „Nur ein einfacher Wachmann?“ insinuieren möchte, dass der 93-jährige Bruno D., der sich jetzt in Hamburg vor der Jugendkammer dafür verantworten muss, dass der mit „17, 18 Jahren“ im KZ Stutthof als Wächter eingeteilt wurde... kritisiert sie damit gleichzeitig die bundesdeutsche Justiz zur Zeit der deutschen Teilung, denn Bruno D., der sich nie hinter einer Tarnidentität versteckte, wurde schon 1972 und 1982 „im Rahmen von Ermittlungsverfahren befragt“.

15. Oktober

Abonnenten des Handelsblatts sind klar im Vorteil, wenn sie etwas über „Chaos beim Onlinebanking“ und den Kundenärger beim „über komplizierten Kontozugriff“ erfahren wollen.

Aufgrund eines „problematischem Instagram-Posts“ trennt sich der Hamburger Sportverein „FC St. Pauli“, auch wenn er „differenzierte Wahrnehmungen und Haltungen aus anderen Kulturkreisen nicht bis ins Detail beurteilen“ könne und solle „mit sofortiger Wirkung von seinem Stürmer Cenk Sahin“ (Web.de), weil er (der Verein) „ohne jegliche Diskussion und ohne jeglichen Zweifel“ kriegerische Handlungen ablehne und die Solidarisierung mit solchen „grundsätzlich den Werten des Vereins“ widerspreche. Laut dem Der Spiegel kehrt der Spieler ziemlich zügig zu Istanbul Başakşehir FK zurück, der laut Wikipedia enge Bindungen an Recep Tayyip Erdoğan hat. PS: Aus juristischer Sicht interessant ist beim FC St. Pauli die Verwendung des Wortes „grundsätzlich“, da es punktuell die Abweichung von Grundsätzen erlaubt...

Ein paar interessante Ausführungen zu den „Psycho-Tricks der App-Entwickler“ hat Heise zusammengetragen.

Im Gegensatz zu Cenk Sahin (siehe oben) ist der „Düsseldorf-Kicker Kaan Ayhan“ (Web.de), Torschütze beim 1:1 gegen Frankreich, nicht auffällig geworden.

Am Angesicht des drohenden „Brexit“ und dem damit verbunden Schrumpfen der Europäischen Union verwahrt sich Frankreich gegen weiteres Wachstum an Mitgliedern – und spricht sich gegen die Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit Nordmazedonien und Albanien aus (NTV).

14. Oktober

Gute Nachricht für Freunde (wirklich) alter Computerspiele: Archive.org stellt 2.500 Klassiker kostenlos bereit, so Heise.

Im Nachhall zu „Halle“ kommentiert Jörg Tauss auf Heise, dass es „die Gamer“ seien.

13. Oktober

„Hart gegen Clans“ gehe die Berliner Polizei vor, heißt es im Vorspann eines Tagesspiegel-Textes zur Clankriminalität in der Hauptstadt. Dies geschieht wohl nur dem Grundsatz nach, denn ein bestimmtes Lokal in den Händen einer bekannten Familie (u.a. mit zwischenzeitlichen Beziehungen zu Bushido) wurde seit der Eröffnung 2015 noch nie überprüft.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz möchte Aktien und die entsprechenden Transaktionen mit Abgaben für Kleinanleger stärker für den Bund monetarisieren, weshalb er vom Tagesspiegel schon in der Überschrift als „der Anti-Aktionär“ bezeichnet wird.

12. Oktober

Ende Juli 2014 schrieb aus der Community des Der Freitag einen Beitrag über Palästina, in dem er schon im Vorspann dem in den Palästinensischen Gebieten einen eindeutigen Namen gab: „Genozid“. Ähnlich äußerte sich im Mai 2018 Recep Tayyip Erdoğan über aktuelle Vorgänge in diesem Teil der Welt: Das Vorgehen Israels im Gazastreifen sein ein „Genozid“. In einem Artikel aus der Spiegel-Reihe „Globale Gesellschaft“, die als Projekt von der „Bill & Melinda Gates Foundation“ unterstützt wird, skizzierten Eleonora Vio Text) und Daniela Sala (Fotos) die Lage über künstliche Befruchtung im Gazastreifen: 44 Prozent der Bevölkerung seien jünger als 15 Jahre und eine Frau bringe „im Schnitt fast vier Kinder auf die Welt. Trotzdem sind künstliche Befruchtungen sehr gefragt.“

11. Oktober

Wie idea berichtet, erhält der christliche äthiopische Premierminister Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis. Insgesamt gab es 301 Nominierte, darunter die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg.

Laut der SZ will VW ihre tschechische Marke zur „Billig-Marke“ herabstufen.

10. Oktober

Das Hamburger Blatt Der Spiegel, der ja bekanntlich „sagt, was ist“, sagt schon mit der Überschrift des „Brexit“-Artikels, welche Haltung gegenüber dem amtierenden britischen Premier besteht: „Der Saboteur“.

9. Oktober

Sehr zeitgeistig und sich damit selbst verortend betitelt Lars Weisbrod seine Zeit-Rezension des jüngstens „Joker“-Films mit „Ein weißer Clown sieht Rot“.

Wenn immer mehr Länder und Regionen die Neuzulassung von klassischen Verbrennerfahrzeugen verbieten wollen, wie Auto Motor und Sport auflistet, dürfte sich auch das Geschäftsmodell der OEM relativ schnell hin zu Dienstleistern ändern. Oder sie werden zu Zulieferern degradiert bzw. verschwinden ganz vom Markt.

8. Oktober

Wie der Focus auf Basis eines Berichts der Lebensmittelzeitung schreibt, schreibt der Lebensmitteleinzelhandel derzeit massiv Gurken ab, weil die Plastikverpackungen, die die Haltbarkeit um eine Woche steigern sollen, nicht mehr en vogue sind. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, liegen bald schon aus ökonomischen Gründen vor allem regionale Saisonartikel in den Regalen.

Niall Ferguson ist so sicher, dass die Volksrepublik China als „aufstrebender Hegemon“ die Vereinigten Staaten von Amerika als derzeitigen Hegemon nicht überholen werden, dass er mit einem chinesischen Ökonomen eine Wette um 20.000 Yuan (2.500 Euro) bei einer Laufzeit von 20 Jahren eingegangen ist, wie er in der NZZ skizziert.

7. Oktober

Aufgrund eines Gesprächs mit dem Hirnforscher Gerald Hüther, verrät der Focus, was „das Geheimnis einer glücklichen Kindheit“ ist. Ergänzungen kommen von den Lesern in den Kommentaren.

6. Oktober

In einem längeren Essay lässt sich René Martens auf Übermedien über„Journalisten, die den rechten Rand bevölkern“, aus. Dabei doziert er über ehemalige Redakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der auflagenstarken Presse, die teilweise zudem Mitglieder von SPD oder CDU waren, und bezeichnet das libertäre Blatt eigentümlich frei en passant als „neurechtes Magazin“.

In einem nicht ganz so langen Essay für den Der Spiegel macht sich Valerie Höhne ein paar Gedanken über die Bündnisgrünen und ihren Wechsel von der „Dagegen- zur Sowohl-als-auch-Partei“. Zwei Erkenntnisse: Die Bündnisgrünen vermeiden die Positionierung als „links“ und ihnen fehle die „Vision für die Zukunft“.

4. Oktober

Vor einiger Zeit gab es hier schon mal den Artikel über Kritik am Leibchen der Mailänder von Inter (es war an das Stadtwappen angelehnt und erinnerte einen Rechtsanwalt aus Izmir an Kreuzritter…) bei einem Spiel in Istanbul gegen Fenerbahce. Jetzt hat es die Borussia aus Mönchengladbach getroffen: Weil Fanutensilien das Stadtwappen zeigten, welches links unten ein „christliches Symbol“ zeigt, hatten Sicherheitskräfte der Heimmannschaft von Basaksehir eben diese Utensilien eingezogen (DPA, hier via Stuttgarter Nachrichten).

Wer Jan Böhmermanns Witze über den Präsidenten eines UEFA-Mitgliedslandes akzeptiert, müsse auch Witze von Dieter Nuhr über Greta Thunberg aushalten, so Joachim Huber in einem Kommentar für den Tagesspiegel.

Wesentlich weniger Gegenwind als die Äußerungen von Dieter Nuhr haben die bei Deutschlandfunk Kultur veröffentlichten Gedanken von Roberto Simanowski über „Klimaprotest als Lebenssinn“ erfahren.

3. Oktober

Der russische Präsident Wladimir Putin „bedauert“ es, „wenn jemand Jugendliche in seinem Interesse nutzt“, so die Welt. Wer damit gemeint ist? Greta Thunberg.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.