Presseschau Oktober 2020

Diese Presseschau Oktober 2020 ist wahlweise „klein, aber fein“ oder „knackig auf den Punkt“. Geographisch sind die Themen recht oft in Berlin platziert, Frankreich und die USA kommen aber auch vor.

31. Oktober

In einem Vorabdruck für den Tagesspiegel gewährt „ein Clanmitglied“ Hintergründe zu und Einblicke in die „Ehrvorstellungen Berliner Großfamilien“. Die Überschrift des Artikels lautet: „Fast alle Taten Berliner Clans gehen auf die Fehde zweier Dörfer zurück“.

30. Oktober

In einem Kommentar für die Welt, der etwas mehr als 750 Kommentare nach sich gezogen hat, fordert Verfasser Alan Posener dazu auf, „im Kampf gegen den Klerikalfaschismus naive Gefühlsmuster abzulegen“. Nach der ersten Zwischenüberschrift erläutert er dann, wie er sich den „Islamismus“, der als „Ideologie schlicht Klerikalfaschismus“ sei, vorstellt: „demokratiefeindlich, frauenfeindlich, schwulenfeindlich, judenfeindlich, wissenschaftsfeindlich, lustfeindlich, ja im Kern lebensfeindlich“.

Sawsan Chebli hat die Kampfkandidatur um das Berlin-Charlottenburger SPD-Direktmandat für den Bundestag zwar gegen den amtierenden Regierenden Oberbürgermeister verloren, als kleines Trostpflaster aber wenigstens ein wohlwollend-freundliches Interview frei von kritischen Fragen beim Tagesspiegel erhalten. In den Kommentaren sieht das anders aus (Beispiel: „Frau Chebli würde perfekt ins Djungelcamp (sic!) passen - Politik scheint eine Nummer zu groß für sie zu sein, mit Inhalten hat sie es ja auch nicht so.“)

29. Oktober

Es hat ein wenig von „Haltet den Dieb“, wenn der Präsident eines Landes, das Nachfolger des Osmanischen Reiches ist, den Europäern „mit Blick auf die koloniale Vergangenheit“ (O-Ton SZ) vorhält, sie seien „Mörder“. Hauptsächlich geht es in dem SZ-Text aber um die Toten und Verletzten einer „Messerattacke“ in Nizza. Laut der Welt wurde einem der Opfer übrigens die Kehle durchgeschnitten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund freut sich, dass das Bundesministerium des Innern den Entwurf eines „Gesetzes zur Gewährung einer einmaligen Corona-Sonderzahlung an Besoldungsberechtigte des Bundes“ zur Beteiligung vorgelegt habe und begrüßt die „schnelle Übertragung dieses Teils der Tarifeinigung für die Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen“. Die Sonderzahlung staffeln sich je nach Besoldungsstufe und betragen 200, 400 und 600 Euro.

Das Silicon Valley sei „Lichtjahre von der Wirklichkeit sozial Benachteiligter entfernt“, schreibt Daniel AJ Sokolov für Heise. Konkret geht es um die Alphabet-Tochter Verily (eine Schwester von Google), die mit einem staatlich finanzierten Projekt „gerade Armen und anderweitig Unterversorgten zu COVID-Tests verhelfen“ solle, dabei aber ein Smartphone, ein Gmail-Konto, die verpflichtende Preisgabe chronischer Krankheiten und die Nutzung der Informationen durch Dritte als Bedingung voraussetzen.

28. Oktober

Die noch amtierende Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, die gerne Regierende Oberbürgermeisterin der Stadt Berlin werden will, hat ein Prüfungsverfahren zum Entzug ihrer Dissertation mit einer Rüge überstanden. Laut Tagesspiegel, der ein von der CDU Berlin beauftragtes Gutachten zitiert, sei das Verfahren wohl „mehrfach rechtswidrig“ gewesen.

Für Nutzer Daniel-XE1LQ05G ist der von Nils Minkmar für den Spiegel verfasste Essay über „Islamismus, Corona, Politikverdruss“ in Frankreich eine „sehr feinsinnige Ursachen-Analyse, die man genausogut auf Deutschland anwenden kann“.

Gegen Ende seines Beitrags für TE überspitzt Autor Alexander Wendt die nicht ganz einfache Sachlage der „Causa Baron" damit, dass sich im Gegenzug auch „ungerecht, verzerrt und böswillig“ schreiben ließe: ‘Verlag, der einem Nazi-Sohn gehört, feuert Autorin aus jüdischer Familie‘“.

26. Oktober

In einem Gastbeitrag für die Zeit, der auf einem längeren Blogbeitrag des Autors beruht, macht sich der Jurist und ehemalige DITIB-Koordinator Murat Kayman Gedanken zum Mord an Samuel Paty und der „unkritischen Haltung zur Gewalt“, die es „unter vielen Muslimen“ gebe. Dabei äußert er sich auch kritisch über das Opferfest: „Stattdessen wird der Akt des Tötens, konkret des Schlachtens eines dem Menschen hilflos ausgelieferten Lebewesens mittels Kehlschnitt als Normalität der Dominanz des Überlegenen gegenüber dem Unterlegenen – dem vielleicht Minderwertigen? – etabliert.“

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn Susanne Dagen ihr Literaturformat „Mit Rechten reden“ nennt, der Tagesspiegel sein Dagen-Porträt augenscheinlich aber nur aus vorhandenen Quellen neu komponiert – also eben nicht mir der Porträtierten redet.

25. Oktober

Der mit Zutaten durchsetzte Bericht der TAZ über zwei ehemalige Bewohnerinnen der „Liebig 34“ trägt hagiographische Züge, etwa wenn „Autor*in“ Rieke Wiemann ihre eigene Position hinter dem unjournalistischen „man“ versteckt: „Je länger das Gespräch dauert, desto beeindruckter ist man davon, wie präzise sich die beiden ausdrücken, wie wortgewandt sie sind.“ Als ein Beispiel sei „Emma“ bezüglichen des polizeilichen Öffnens mit Flex, Brecheisen und einer Kettensäge wie folgt zitiert: „Das war ein Akt patriarchaler Gewalt […] Zu sehen, wie männliche Polizisten in unser Zuhause eindringen – einen Ort ohne Cis-Männer –, und die dann auch noch sexistische Sprüche kloppen: Das war nur schwer zu ertragen.“

Denkmäler zu stürzen sei „unbestreitbar destruktiv“, schreibt die Kunsthistorikerin Julia Pelta Feldman für den Deutschlandfunk. „Bildersturm“ sei dabei der Begriff der „Gegner:innen dieser Aktionen“.

21. Oktober

Wie Heise aus einer Studie zum Datenschutz darstellt, sollten laut Netzwerk Datenschutzexpertise Elektroautos der Marke Tesla „wegen vieler Datenschutzverstöße in der EU nicht zugelassen werden“.

13. Oktober

Für die NZZ schreibt Simon Ingold einen interessanten Kommentar über „Bildungsprämienritter“, die ihr Wissen nicht skalieren können und deshalb finanziell von anderen abgehängt würden.

Man sei nur noch „Sekunden vom Krieg entfernt“ lautet die Dachüberschrift eines NTV-Beitrags über eine Miliz von Afroamerikanern namens NFAC alias „not Fucking Around Coalition“.

10. Oktober

In einem Tagesspiegel-Beitrag beschreiben Muhamad Abdi und Sebastian Leber, „wie Deutschland Antisemitismus mitfinanziert“, so die Überschrift. Konkret geht es um Schulbücher, „mitbezahlt von Deutschland“, aus denen palästinensische Schulkinder lernen, „Juden zu hassen“.

Der „Mietendeckel“ war gut gemeint, hat in der Praxis aber dafür gesorgt, dass Mieten „doppelt so schwer“ geworden sei, wie das Fazit im NTV-Artikel lautet

Klare Kante von Kolumnist Müller: Es sei „ein Skandal, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl immer noch gewinnen“ könne. Dementsprechend lautet sein Verdikt schon in der Überschrift „Das größte Problem an Trump sind seine Wähler“.

8. Oktober

Deutschland seit intensiver das Feld von Spionage als noch zu Zeiten des Kalten Krieges, gibt Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang im Interview mit der Zeit zu Protokoll.

Zwischen Politik, Wirtschaft und allem, was die Welt bewegt, mal ein mathematisch-nerdiger Ausflug: Jean-Paul Delahaye beschäftigt sich für Spektrum mit den „Geheimnissen der Zahl 42“.

Im „seit Wochen umstrittenen Gesetzentwurf“ gegen „Rechtsextremismus und Hasskriminalität“ seien „voraussichtlich verfassungswidrige Passagen“ enthalten, so das IT-Medium Heise, weshalb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den „Druck auf die Exekutive und die Legislative“ erhöhe, um eben diese Passagen „ausmerzen“.

7. Oktober

Im Zuge der „Konfliktsituation“ in Bergkarabach, in die neben den direkten Akteuren Armenien und Aserbaidschan auch die Türkei agiert, forderte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu „die Staatengemeinschaft erneut dazu auf, Aserbaidschan zu unterstützen, da Armenien die Besatzungsmacht sei“, wie T-Online.de indirekt wiedergibt. Dazu zitiert das nicht mehr zur Telekom gehörende Portal den Außenminister auch direkt: „Diese beiden Länder auf die gleiche Stufe zu stellen, bedeutet, den Besatzer zu belohnen“, zudem müsse die Welt „auf der Seite derjenigen stehen, die Recht haben, nämlich auf der Seite Aserbaidschans.“ Bibelzitatfeste Menschen erinnern sich an dieser Stelle vielleicht an eine Passage aus der Bergpredigt, in der es um einen Splitter und einen Balken in zwei Augen geht (Matthäus 7,3).

Wenn Philipp Sandmann in einem „Corona“-Artikel für N-TV schreibt, dass es „viele Ausbrüche nach Groß-Hochzeiten“ gebe, fragt sich der medial sensibilisierte Leser, ob es zur Anwendung der Regeln des Presserates passt, per Bindestrich verbundene „Groß-Hochzeiten“ einer bestimmten Ethnie zuzuschreiben.

3. Oktober

Laut dem Council on Foreign Relations, so schreibt es Tim van Olphen für den Der Spiegel im Artikel „Überlebende von Boko Haram berichten - Die Erinnerungen verfolgen sie im Schlaf“, hat die „Boko Haram“ in Nigeria seit 2011 mehr als 39.000 Menschen getötet.

2. Oktober

Tessa Högele und Nina Monecke stellen für Zeit bzw. ze.tt die Biographien von „sechs ostdeutsche(n) Nachwendekinder(n)“ vor. Dem eigenen Anspruch an Vielfalt, Diversität und Sichtbarmachung weiblicher Biographien in den Medien werden sie u.a. dadurch gerecht, dass Dennis Chiponda ( 1991) und Nhi Le ( 1995) das Aufmacherbild stellen und Jakob Springfeld ( 2002), Lilly Blaudszun ( 2001), Jessica Adi Mescheritzki ( 1999) sowie MdL Anna Gorskih ( 1992) das Feld abrunden.

1. Oktober

Während Thomas Borchert in den Link seines FR-Artikels die Schlagworte „Schweden, Gewalt, Polizei, Verbrechen, Rechtsextremismus“ steckt, lautet die Überschrift: „Naiv der Mafia ausgeliefert? – Clan-Kriminalität in Schweden: Einfluss bis in den Reichstag“.

Zum Hintergrund
Unter dem Tag Linkschleuder (und mit wechselnden Überschriften) werden jene Artikel versammelt, die "aus den Streams" der verschiedenen Social-Media-Kanäle kommen. Die redaktionelle Darstellung variiert, doch eine klare Nennung der Medien und der Veröffentlichungsdaten ist konsistent. Die ausgewählten Medien sind entweder hiesige oder internationale etablierte Medienhäuser jeglicher Couleur, "neue" Medien (sprich Online-Medien) oder lesenswerte Blogs. Die Einordnung der Informationen obliegt üblicherweise dem Leser.