Rhetorische Frage

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Der Twitter-User @intonuketown zitiert eine Einzelperson oder eine Gruppe (hier auf archive.is), die aus dem Kontext mutmaßlich der Kategorie "besorgter Bürger" zuzuordnen ist, und gibt darauf direkt eine Antwort:

Ganz neu ist diese rhetorische Frage nicht, auch wenn es einen Schwerpunkt im Februar 2016 gab, wie eine einfache Suche zeigt:

Den Logikfehler ihrer rhetorischen Frage blenden die User aber aus: Ihre Frage kann sich nur auf die Gegenwart beziehen. Wenn sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, können sich die Beziehungen der Gruppen untereinander ändern. Drei Beispiele aus der hiesigen Geschichte:

  • unter Bismarck litten die vorrangig im Süden und Südwesten angesiedelten Katholiken im Kulturkampf, nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie teils staatstragend;
  • eine Splitterpartei der Weimarer Republik wurde so gut behandelt, dass ihr damaliger Parteichef "nur" in Festungshaft musste (statt das Land zu verlassen) und sie zur Mehrheits- und ab 1933 zur alleinigen Regierungspartei wuchs (mit allen bekannten Folgen für Gegner und Minderheiten)
  • eine langjährige staats- bzw. stadttragende bürgerliche Berliner Partei ist in einzelnen Bezirken zur Splitterpartei verkommen, deren Interessen (bzw. die Interessen der entsprechenden Wähler) von den Mehrheitsparteien ignoriert werden

Oder der Umgang mit Minderheiten:

  • in Ägypten sind die Kopten, ursprünglich die Einwohner Alexandriens und ganz Ägyptens, eine bedrohte Minderheit
  • in Belgien ist die deutschsprachige Gemeinschaft eine anerkannte Minderheit
  • in Deutschland sind beispielsweise die Sorben eine anerkannte Minderheit
  • in Myanmar sind die Rohingya gemäß dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 keine der 135 einheimischen Bevölkerungsgruppen (und leiden unter Repressionen und Verfolgungen)