Robert Habeck und sein Verständnis von Wirtschaft

Im vergangenen Sommer, genauer: am 15. Juli 2019, gab Robert Habeck, Parteichef von Bündnis 90/Die Grünen, ein Interview – ob dem Redaktionsnetzwerk Deutschland oder den Dresdner Neuen Nachrichten, auf die dieser Link führt, geht aus dem Interview nicht hervor.

Sehr wohl geht aus dem Interview aber hervor, dass er entweder selber pietistisch ist oder sich dem Habitus seiner Partei angepasst hat, er auf jeden Fall nur bedingt ein Verständnis für Sinnenfreuden außerhalb seiner Vorstellungswelt hat:

„Eingeklemmt in die engen Flieger ist auch kein Genuss. Und die Flughäfen mit ihre Luxusboutiquen und ihrem zur Schau gestellten Wohlstand sind nicht unbedingt eine Erbauung. Abends im Nachtzug noch ein Bier zu trinken und morgens am Ziel aufzuwachen, ist für mich die angenehmere Form zu reisen.“

Ausgangspunkt für dieses Statement war die Frage, welche Einschränkungen die Menschen für den Klimaschutz akzeptieren müssten.

Im weiteren Verlauf folgt dann die Frage, ob „wir“ in unserem „Wirtschaftssystem, das darauf ausgerichtet ist, alles immer besser und bequemer zu machen“, an einem „Wendepunkt“ seien. Die darauf folgende Antwort zeigt sowohl sein Verständnis von Wirtschaften (extra gefettet) und die klare Ansage, dass „Verzicht“ bzw. „Askese“ das Gebot der Zukunft sein wird:

„Die Logik, dass Wirtschaften maximalen Ressourcenverbrauch bedeutet, ist an ihr Ende gekommen. Wir sollten uns aber nicht einreden lassen, dass unser Leben dadurch unbequemer und entbehrungsreicher wird. Wir müssen technischen und gesellschaftlichen Fortschritt kombinieren. Mitfahrgelegenheiten werden digital angeboten. Man muss nicht selbst fahren, es gibt weniger Stau, weil weniger Autos unterwegs sind – das ist doch ein Gewinn an Freiheit. Und ich kenne Leute, die sich treffen, um die Klamotten zu tauschen, die in unseren Schränken so massenhaft rumhängen. Die haben eine gute Zeit, neue Klamotten und sparen Ressourcen.“

Was sagt die Wikipedia zu „Wirtschaften“

Um, der Überschrift des Blogbeitrags entsprechend, auf die zuvor gefettete Passage einzugehen, sei ein Blick auf die deutschsprachige Wikipedia und dort den Artikel Wirtschaften empfohlen. Dort heißt es unter der Zwischenüberschrift „Grundlagen“:

„Unter Wirtschaften werden alle menschlichen Aktivitäten verstanden, die mit dem Ziel einer bestmöglichen Bedürfnisbefriedigung planmäßig und effizient über knappe Ressourcen entscheiden. Die Notwendigkeit zu Wirtschaften ergibt sich aus der Knappheit der Güter einerseits und der Unbegrenztheit der menschlichen Bedürfnisse andererseits.“

Um entsprechend die Aussage des Bundesvorsitzenden und die Erläuterung der Wikipedia in einen direkten Zusammenhang zu bringen: Maximaler Ressourcenverbrauch steht im Widerspruch zum effizienten Umgang mit knappen Ressourcen. Aber vielleicht war das Statement im Interview auch eine bewusste „Überspitzung“.