Salman Rushdie zum 70. Geburtstag – eine kleine Presseschau

Alle schöpfen sie aus dem gleichen Fundus, um Salman Rushdie zum 70. Geburtstag zu gratulieren. Und doch schreiben alle – zumindest die hier vorgestellten Medien – unterschiedliche Texte.

Die FAZ setzt sich mit dem Roman, "der diesem Schriftsteller am Bein hängt wie die Eisenkugel dem Kettenhäftling", eher inhaltlich auseinander und erwähnt die damit zusammenhängenden Folgen nicht. Dafür erläutert sie u.a., dass man "akzeptierte Fantasy" nicht "Fantasy" nennt, sondern, mit Verweis auf David Langford, "kontrafaktisch, postmodern, fabuliert, metafiktional, magisch realistisch“.

Auch die Augsburger Allgemeine steigt mit dem bekanntesten Roman ein, entscheidet sich aber nicht für die Inhalte, sondern für die Folgen (konkret: die Fatwa). Überhaupt wird dem schriftstellerischen Wirken wenig Raum eingeräumt, dafür der Erhebung in den Adelsstand und den politischen Wortmeldungen zu aktuellen Ereignissen wie dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo.

Quasi die Melange aus beiden Ansätzen kommt von der Deutschen Welle. Auch wenn sie literarisch nicht so tief einsteigt wie die FAZ, setzt sie sich doch breiter mit dem Werk Rushdies auseinander. Und die politische Komponente seines Schaffens erweitert sie um seine Positionierung zu den jüngsten US-Präsidentschaftswahlen und den kommenden Roman, der sich darauf bezieht.

Wiederum ganz anders als die vorgenannten geht die NZZ vor, die "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" vorne stellt statt die "Satanischen Verse". Wie bei der DW schließt der Text zwar auch mit dem kommenden Roman und dem Verweis auf die US-Politik, dafür wird das Oeuvre des Romanciers stärker ausgeleuchtet – und auch ein Schlaglicht auf den 1983-Roman "Mitternachtskinder" geworfen, der trotz heftiger literarischer Kritik an der noch amtierenden Premierministerin ohne Reaktion von ihr blieb.

Auch die Berliner Zeitung unterscheidet sich mit ihrem Text deutlich von den zuvor vorgestellten, da sie aus den für alle verfügbaren selben Versatzstücken ein ganz anderes Stück zusammensetzt. Ihre Einstiegspointe ist Rushdies kurzer Aufsatz über den zumindest in Spanien und England zur damaligen Zeit identischen Todestag von Cervantes, auf den sich der BZ-Autor später noch einmal bezieht, und Shakespeare. Stellenweise wirkt der Text gar ein wenig wie eine Liebeserklärung an den Jubilar.

Und die SZ, um die kleine, nicht vollständige Schau mit einer anderen großen überregionalen Tageszeitung zu schließen, schafft es ebenfalls, eine eigene Duftnote zu hinterlassen. So setzt sie Rushdie u.a. in Bezug zu Günter Grass und Orhan Parmuk, skizziert den Aufhänger für den kommenden Roman "Golden House" und setzt sich auch anders mit der Fatwa auseinander.