Schattenspiele und Der Spiegel

Als Meinungsbeitrag ist das, was Elke Schmitter am 4. September für den Der Spiegel über den „Brexit-Einpeitscher Jacob Rees-Mogg“ schreibt („Die Verachtung“), einwandfrei innerhalb dessen, was das hiesige Presse- wie Rechtsverständnis als Rahmen vorsehen.

Gleichwohl ist es nicht abwegig zu denken, dass bewusst ein verfremdetes, durch stärkere Schattenspiele auffallendes Bild als Aufmacherbild gewählt wurde:

der "Spiegel" macht einen Meinungsartikel über den britischen Abgeordneten Rees-Moog mit einem gezeichneten Bild auf

Wer sich dann im Artikel ein wenig nach unten bewegt, findet dann das Vorschaubild aus dem Video, welches Rees-Mogg eindeutig mit einem Schatten – keinem Bärtchen – zwischen Nase und Oberlippe zeigt.

PS:
Schmitter scheint übrigens über hervorragende historische Kenntnisse des britischen Adels und seiner Verhaltensweise über die Zeitläufte zu besitzen, wenn sie in Rees-Mogg das „zeitgenössische Pendent (sic!) des Aristokraten vordemokratischer und kolonialer Zeiten“ sieht. Warum sich in der Feststellung eine profunde Fachkenntnis zeigt? Sie grenzt sein Verhalten recht präzise auf den Zeitraum von Ende des 16. Jahrhunderts bis spätestens den Beginn des 18. Jahrhunderts ein. Schließlich ist früheste außereuropäische Kolonie Neufundland auf 1583 datiert, wie der Wikipedia-Artikel Britische Kolonien und Protektorate verrät, und das britische Parlament existiert unter dieser Bezeichnung seit dem „Act of Union 1707“, so Wikipedia. Zuvor gab es jedoch das „Kurze Parlament“ und das „Lange Parlament“ (jeweils 1640) als englische Vorläufer der Vereinigung von 1707 sowie die Curia Regis, aus der sich ab dem 13. Jahrhundert das englische Parlament entwickelte. Aber vielleicht reihen sich Text und Bild auch nur in den grundsätzlichen Bias ein, wie er bei der Causa Relotius offen zutage trat.

PPS:
Im 13. Jahrhundert waren schon „Gemeine“ sprich Nichtadelige an einem Parlament beteiligt. Und sie wurden repräsentativ gewählt statt bestimmt. So steht es auf der Wikipedia über De Montfort’s Parliament.