„Sollte die Vergangenheit die Zukunft bestimmen?“

In einem Kommentar für Technology Review, der am 24. Januar auf Heise veröffentlicht wurde, geht Kate Eichhorn, außerordentliche Professorin für Kultur und Medien an der New School University in New York, dem „Recht auf Vergessen“. Gerade für „Digital Natives“ sei es bedroht, weil „kleinste Fehler [...] wie in Bernstein konserviert“ würden.

In ihrem Kommentar schreibt Eichhorn u.a. über Harvard, eine Bildungseinrichtung der „Ivy League“, dass Zusagen für Studenten zurückgezogen wurden, weil sie „in einem privaten Facebook-Chat beleidigende Meme verbreitet“ oder (in diesem Fall der Überlebende einer Schießerei) in einem Dokument das u.a. aus „Huckleberry Finn“ oder „Onkel Toms Hütte“ bekannte „N-Wort“ verwendet hatten.

Der einzelne, junge Mann nutzte in der Folge Twitter, um seinen Unmut kund zu tun. Er wies beispielsweise darauf hin, dass „auch Sklavenbesitzer, Befürworter der Rassentrennung, Fanatiker und Antisemiten zu Harvards Fakultäten“ gehörten (zit. nach Eichhorn). Darüber hinaus hielt er der Bildungseinrichtung vor:

„Wenn Harvard suggeriert, dass man sich nicht weiterentwickeln kann und dass unsere Vergangenheit unsere Zukunft bestimmt, dann ist Harvard eine inhärent rassistische Institution.“
zit. nach Kate Eichhorn

Die New Yorker Professorin griff die Argumentation weder an noch auf, ging aber auf die grundlegende Problematik ein, die der junge Mann thematisiert:

„Sollte die Vergangenheit die Zukunft bestimmen? Es besteht die Gefahr, dass Menschen, die als Teenager extreme Ansichten hatten, es später für sinnlos halten, ihre Meinung zu ändern, weil ihre früheren Äußerungen ihnen ohnehin weiter nachhängen.“