TV-Serien im Spiegel der Kritik

Arabella Wintermayer ist sich am 22. November 2020 in ihrem taz-Beitrag über „Die Dinos“ (eine 1990er-Serie mit vermenschtlichten Dinosauriern) sicher, dies sei die Ausnahme in einer Welt von TV-Serien, die ansonsten alle vor „Sexismus und Rassismus“ strotzen würden.

In ihrer recht langen Hinleitung kritisiert sie u.a.

  • „Friends“ („geht meilenweit an heutigen Diversitätsstandards vorbei“)
  • „How I Met Your Mother“ („noch sexistischer als „Friends“)
  • „The Big Bang Theory“ („Nerds ohne soziale Kompetenz“, „gegenüber Frauen und Homosexuellen sind sie herablassend“)
  • „Fresh Off the Boat“ (lässt „kein asiatisches Klischee“ aus)

Besser kommen bei ihr „Scrubs“ oder „Malcolm mittendrin“ weg, die „weniger schlecht gealtert“ seien. Letztlich ließen sich aber in allen Serien „Haltungen, Figuren oder zumindest einzelne Gags finden, die heute für Entrüstung sorgen könnten“.

Aber auch eine neue Serie bekommt ihr vielzitiertes Fett weg:

  • „Modern Family“ („gut gemeint, aber Cameron und Mitchell küssen sich fast nie“)

Nach dieser länglichen Generalkritik folgt die Abarbeitung diverser Punkte, warum „Die Dinos“ im Vergleich dazu die Ausnahme seien. Wie es im Online-Bereich – im Gegensatz zur gedruckten Ausgabe mit klarem Sender-Empfänger-Midell – üblich ist, kommen von kommentierenden Leser interessante Bermerkungen und Ergänzungen.

So hakt sich etwa AndreasBL an Dino-Sohn Robbie fest, der für Wintermayer „am progressivsten“ ist und „anders als der Rest seiner Familie“ sei, weil er heimlich in eine „spezielle Bar für Herbivore“ gehe, um sich „den "verbotenen Früchten" hinzugeben – ein homosexueller Dino“. AndreasBL jedenfalls hat den Besuch in der Vegetarier-Bar „nicht als homosexuelles Bekenntnis in Erinnerung, sondern eben, dass er ein "Gemüslidino" war“. Auch habe das Dino-Mädchen, das Robbie dort begrüßte und willkommen hieß, „jedenfalls nicht gleichgültig“ gelassen.

Ansonsten weist beispielsweise Betty Bos darauf hin, dass „das allergrößte Klischee das des in seiner Selbstwahrnehmung starken Mannes im Haus“ sei, während „aber tatsächlich die Frau das Sagen“ habe. Als Beispiele führt Betty Bos

  • Fred Feuerstein
  • den „Loser Al Bundy und seine schrecklich nette Familie“
  • „Homer in den Simpsons“
  • „Dan Connor in Roseanne“
  • „Tim Taylor in Hör Mal wer da hämmert“
    auf und schließt die Aufzählung mit dem Hinweis ab, „die Liste ließe sich endlos fortsetzen“. Ein kleiner Trost sei zudem, dass „immerhin politisch korrekt“ das Klischee auch „bei PoC Sitcoms gleichermaßen ausgespielt“ werde, etwa beim „Prince of Bel Air“ oder „Alle unter einem Dach“.

Davon abgesehen gibt es auch Kommentatoren, die sich weniger mit dem Sujet „TV-Serien“ auseinandersetzen, als mit der Botschaft von Wintermayers Text. Vergleichweise pointiert wie ausgewogen formuliert es Tiefling Hexer: „Es ist gut, sich Gedanken zu machen, jedoch ist mir dieser Artikel zu plakatives schwarz/weiß-Gemale.“ Aus der Sicht eines Users mit einem mittlerweile gelöschten Profil „befeuert“ der taz-Artikel „eine heutzutage typisch linksliberale Entrüstungskultur“, was u.a. daran festgemacht wird, dass die „Darsteller von Sheldon und Barney im wahren Leben selbst offen schwul sind und offenbar kein Problem damit hatten, in solchen vermeintlich empörend "heteronormativen" Sticoms (sic!) mitzuspielen“. Mit einem historischen Verweis urteilt Hup: „Das fliegende Spagettimonster bewahre uns vor Kultur- und vor allem Humorzensur durch das örtliche Politbüro vom VEB "korrekt lachen und soziale Volkshygiene".“

Ein deutlich größes Bild zeichnet Lilith77:

„Ungleiche Bezahlung, schlechtere Karrierechancen und noch einen Menge andere Benachteiligungen, die alle aufzuzählen, zu weit führen würde - aber Hauptsache Sprache, Kultur, Unterhaltung usw. sind politisch korrekt.

Frau dankt...und gruselt sich zunehmend vor dieser verarmten humorfreien Zukunft