Unterschiedliche Anwendung von Richtlinie 12.1

Wie die Welt ohne konkrete Zeitangabe am 15. Mai berichtet, prügeln betrunkene Männer einen 29-Jährigen zu Tode. In den ersten, mittlerweile nicht mehr verfügbaren Kommentaren wurde die Verantwortung für die Tat einer bestimmten Männergruppe zugesprochen, da jegliche weiteren Detailbeschreibungen fehlen.

Ein Zusammenhang für diese Mutmaßungen besteht möglicherweise mit der strikten Anwendung von Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten des deutschen Pressekodex. Ziel dieser Richtlinie ist es, bei Verdächtigen oder Tätern aus "ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten" "diskriminierende Verallgemeinerungen individuellen Fehlverhaltens" zu vermeiden.

Seit Ende März ist "die viel diskutierte Richtlinie 12.1" aber überarbeitet, wie Meedia am 22. März berichtet. Seitdem wird die "eigenständige Verantwortung der Redaktionen" bekräftigt, ob sie oder ob sie nicht in Details berichtet.

Die Sächsische Zeitung ist diesen Schritt bereits (im Sommer 2016 gegangen und hat "nach durchaus kontroversen Diskussionen beschlossen", sich bei der Berichterstattung über Ausländerkriminalität ab sofort nicht mehr an die Richtlinie des Deutschen Presserates zu halten, sondern einen anderen Weg zu verfolgen:

Stattdessen werden wir künftig die Herkunft von Straftätern oder Verdächtigen in jedem Fall angeben. Egal, ob es sich dabei um Deutsche handelt, was die Regel ist, oder um Ausländer.

Den anderen Weg haben Stuttgarter Zeitung und SWR gewählt, als sie vor gut einem Monat eine explizite Täterbeschreibung der Polizei auf "zwei Männer" bzw. "zwei Unbekannte" verkürzt haben (Details hier im Blog)