Verschiedene Beobachtungen zur Gesellschaft

Im Kern sind es verschiedene Beobachtungen zur Gesellschaft — vor allem hierzulande, aber beispielsweise zu China und England.

Autor und Verlag uneins

Natürlich ist kein Verlag gezwungen, die Bücher eines Autors zu veröffentlichen – wie beispielsweise der Felidae-Erfinder weiß. Aber es ist eine interessante Frage, warum sich ein Verlag über "Pacta sunt servanda" hinwegsetzt, auf mutmaßliche Zuflüsse in signifikanter Summe verzichtet und damit auch auf das Einspielen der bereits bezahlten Vorschüsse.

Im Social Web sehen das manche als Beispiel für "enger werdende Meinungskorridore".

Kontext: Autor von „Deutschland schafft sich ab“: Verlag will Sarrazin-Buch nicht veröffentlichen – jetzt geht es vor Gericht (Focus, 6. Juli)

Andere Länder, andere Herangehensweisen

Was ist ein/der Unterschied zwischen Ländern wie China und europäischen Demokratien wie Deutschland?

Während die einen ein Social-Scoring-System einführen, das auch für ausländische Stiftungen gilt (siehe Punktabzug bei "Verleumdung" – China drangsaliert deutsche Stiftungen (N-TV, 9. Juli))...

...schalten sich in dem anderen Land Regionalfürsten ein (FR, 18. Juni), damit Landesparteien nicht ein "sofortiges Ende der Kooperation" fordern...

...oder stecken aufgrund ihrer positiven Grundhaltung "in der Falle" (Welt, 17. Mai).

Andere Länder sind da weniger kooperativ bzw. auf einem noch konsequenteren Kurs als China, und schließen beispielsweise eine ausländisch geführte Schule (ZDF, 30. Juni) oder gleich sieben Gotteshäuser (Spiegel, 8. Juni).

Hosen für die Geschlechtergerechtigkeit, intime Grenze des Feminismus

"Mindestens vierzig Sekundarschulen haben in dem durch die Transgender-Debatte gesteigerten Bestreben nach Geschlechtergleichkeit bereits verfügt, dass nur noch eine Kleiderordnung erlaubt ist, nämlich Hosen, wogegen einige Feministinnen einzuwenden haben, es sei typisch, dass wieder einmal die männliche Standardkleidung obsiege. [...]

BBC beschäftigt unter ihren mehr als 21000 Angestellten 417 Mitarbeiter, die sich als Transgender bezeichnen, fast als doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt von einem Prozent. Der Sender hat bereits geschlechtsneutrale Toiletten eingeführt, zum Leidwesen vieler Frauen, vor allem Feministinnen, die diese intime Sphäre nicht mit Männern in Frauenkleidern teilen wollen, selbst wenn diese sich als weiblich fühlen."
Kleiderordnung an Schulen : Unwürdig und peinlich (BBC, 9. Juli)

"um eine multiethnische Gesellschaft zum Funktionieren zu bringen"

Was Yascha "einzigartiges historisches Experiment" Mounk mit seiner klaren Haltung skizziert, klingt aber auch ein wenig wie "Revolution von oben":

"Ich denke, um eine multiethnische Gesellschaft zum Funktionieren zu bringen, müssen wir denn auch ganz klar zeigen, dass der Staat fähig ist, die Menschen, die dagegen aus Hass verstoßen, richtig zu bestrafen."
Frust über die Politik, Angst vor der Zukunft – was ist los mit unserer Demokratie? (Phoenix)

Offen ist allerdings die konkrete Umsetzbarkeit hierzulande. Bislang stehen Exekutive und Judikative in dem Zielkonflikt, mit beschränktem Personal vorrangig "handfeste" Vergehen statt "Crimes of Thought" zu verfolgen.

Im Übrigen gibt es mit Indien und der Schweiz zwei hervorragende Beispiele dafür, dass verschiedene Sprachen und/oder Kulturen unter dem Mantel einer Nation existieren können.

Auch das weiter oben bereits erwähnte "Riesenreich" China funktioniert als Vielvölkerstaat, wobei dies sicherlich weniger an der Vielfalt der Völker liegt als an der ordnenden Hand des Staates. Ansonsten gibt es wie üblich auch Nörgler, die historisch auf die gescheiterten Vielvölkerstaaten Imperium Romanum, Österreich-Ungarn, Jugoslawien und/oder die UdSSR verweisen müssen.

Welt vs. Spiegel

In dem einen Text Berlin-Mitte – Polizei nimmt acht Männer nach antisemitischer Attacke fest (Welt) vom 8. Juli sind es "acht Männer syrischer Abstammung"...

...und in dem anderen, längeren Text Antisemitischer Angriff in Berlin – Polizei nimmt zehn Verdächtige fest (Spiegel), ebenfalls vom 8. Juli, ist es eine Gruppe von drei Frauen und sieben Männern, in der acht Personen (bei zwei Frauen ist das unklar) – und diese Information fehlt dem erstgenannten Text wiederum, Muslime sind.

Einem unvoreingenommenen Betrachter könnte es so scheinen, als seien die Artikel auf einem unterschiedlichen Informationsstand verfasst – und dann nicht aktualisiert – worden.