Wenn zwei das Gleiche tun...

Die Redewendung ist hinlänglich bekannt: Wenn zwei das Gleiche tun, so heißt es, sei dies noch lange nicht das Selbe. In diesem Fall ist es die Frage, deren Antwort im Auge des Betrachters liegt, wie er es mit der „Entsorgung“ von Menschen hält – einmal mit einer bestimmten Einzelperson und einmal mit einer scharf umrissenen Menschengruppe.

Eine nicht mehr ganz junge Führungskraft jener Partei, die hier zwar gelegentlich thematisiert, aber seltener beim Namen genannt wird, gab vor geraumer Zeit einmal die Idee zu Protokoll, eine einzelne Politikerin (Aydan Özoğuz) einer bestimmten Partei (SPD) in einem Land „far far away“ (Anatolien) zu „entsorgen“. Hier im Blog hat das tatsächlich nur einmal Widerhall gefunden, und zwar mit den Stylingtipps der damaligen Frau Rosenfeld-Linder im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 (zu finden hier im Sammelartikel). Konkret schrieb sie zu Alexander Gauland, dass dessen Stiltipps „vor Veröffentlichung entsorgt worden“ seien. Insgesamt 20 Anzeigen wegen Volksverhetzung habe es im Nachgang gegeben, aber nach neun monaten juristischer Untersuchung wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt, wie im Mai der Spiegel berichtete.

Im Sommer 2020 veröffentlichte Hengameh Yaghoobifarah auf TAZ.de eine vergleichbare Stellungnahme, allerdings ging es um mehr Menschen (alle) einer anderen Berufsgruppe (Polizisten) und eine geografisch nicht näher spezifizierte Lösung (Mülldeponie). Dem amtierenden Bundesminister des Inneren (Horst Seehofer, CSU) hat dies nicht gefallen, weshalb er binnen einer Woche eine Anzeige ankündigte.

Den Lesern hat dies auch nur bedingt gefallen, wie der als letztes (vor Schließung der Kommentarfunktion) veröffentlichte Beitrag von Samvim zeigt: „taz ist... wenn das Niveau der Kommentare höher ist, als das der Artikel“, steigt er resignierend ein. Ansonsten urteilt er harsch, dass dieser Artikel „nach Austausch der zu diskriminierend Personengruppe problemlos so auch im Stürmer“ hätte stehen können. Dies sei „nicht nur peinlich“, sondern bekomme durch die Überschrift „eures Werbe-Popups "Wir schreiben aus Überzeugung" nochmal ein besonderes Geschmäckle“.

Pointe: TAZ-Autorin Hengameh Yaghoobifarah macht Werbung für ein Luxuskaufhaus und der Tagesspiegel erzählt nebenbei, dass für sie Polizeischutz angefordert wurde. In dem Kontext ging u.a. DLF Kultur der Frage nach, was subversiv sei und wem die Werbekampagne nutze. Die TAZ-Autorin meint jedenfalls, dass sie „linke propaganda im luxuskaufhaus bewerbe“.

Um noch einmal den zuvor genannten Punkt aufzugreifen: Die Sache mit der angekündigten Anzeige Seehofers war übrigens ein „Rohrkrepierer“. Wie u.a. der Tagesspiegel am 22. September 2020, zweifelten intern sowohl das Polizei- als auch das Verfassungsreferat an der Sinnhaftigkeit. Seitens der Erstgenannten hieß es schon sehr früh, dass die Möglichkeit bestehe, dass „der Artikel als Satire gewertet und als von der Kunstfreiheit geschützt angesehen werden könnte“.

Pointe 2: In den Kommentaren zu der TAZ-Kolumne schreibt Nutzer Kid Loco, dass „Chruschtschow und Tucholsky“ recht behielten – „die Satire ist "eine der schärfsten Waffen" und "Was darf die Satire? Alles."“
Tatsächlich darf sie nicht alles, denn der Beitrag eines Autors im „satirischen Monatsrückblick“ in Tichys Einblick zu Sawsan Chebli als Berliner Bundestagskandidatin der „Spezialdemokratischen Partei der alten Männer“ entschied sich für eine stark schablonenhafte, auf den weiblichen Körper bezogene Beschreibung, die für eine gewisse Aufregung sorgte und in deren Folge der namensgebenden Magazin-Chefredakteur den Vorsitz einer renommierten Stiftung mit Ablauf seiner Amtszeit niederlegt. Vergleichsweise unaufgeregt lässt sich das hier bei Wiwo nachlesen.