„Wir schaffen das“ – der ZDF-Dreiteiler „Maximilian“

Es sei „teure Kulissenschieberei“ und der ZDF-Dreiteiler „Maximilian“ mache aus „dynastischer Machtpolitik eine Seifenoper“, urteilt Oliver Jungen am 1. Oktober für die FAZ. Der Film sei eine „gefühlige Kostümklamotte“ und eine „schwülstig historisierende, romantisch verbrämte Ritterkitschoffensive“, heißt es weiter. Jungen begibt sich bei seiner Rezension selbst einmal in die Gegenwart, als er Jan Coppenhole als „Genter Pelzkragen-Wutbürger“ bezeichnet. Ansonsten wurde Maria von Burgund aus seiner Sicht „protofeministisch überhöht“ und der Regisseur gönne sich durch sie einen „augenzwinkernden Kommentar zur Jetztzeit“: Schließlich widersetze sich Maria, die geflohene „Fremde“ aufnimmt, dem Unmut des Volkes mit den Worten „Wir schaffen das!“

Ganz böse Zeitgenossen springen auf ZDF.de zu Minute 44 des zweiten Teils und unterstellen dem ZDF ein Sendungsbewusstsein im Sinne der aktuell herrschenden Politik. Weniger bzw. gar nicht böse Zeitgenossen freuen sich einfach über einen Historienschinken – was insbesondere dann funktioniert, wenn sie Rezensionen wie die von der FAZ bislang übersehen haben.

Auch die NZZ kritisierte am 29. September, die Macher des Films seien „in die Falle getappt, politische Aktualität zu plump einfliessen zu lassen – anstatt den Zuschauer selber denken zu lassen.“ Nachdem Maria von Burgund hinsichtlich der Beherbergung von Flüchtlingen Angela Merkels Worte „Wir schaffen das!“ gesagt habe, komme schlagartig „beim Zuschauer das ungute Gefühl auf, dass ein historisches Drama hier als politische Botschaft“ diene. Er werde in eine Bahn gelenkt und fange an, Fäden zu spinnen: „Maria-Merkel, die Verfechterin der europäischen Vereinigung. Die türkische Gefahr im Osten. Die bösen Ungarn – deren König Corvinus im Film übrigens der Einzige ist, der einen Akzent hat. Und wer wären die gierigen, französischen Imperialisten heute? Die Russen vielleicht?“

Claudio Casula ist sich am 5. Oktober 2017 in seinem Achgut-Beitrag Willkommenskultur mit Maria von Burgund sicher: „Der SED wäre diese Propaganda zu plump gewesen.“