"Wir schaffen das" und die Instrumentalisierung von Toten (Update 13.4.)

Vorweg: Aus dem politischen Umfeld kommt aus dem beschaulichen Tübingen via Facebook der Hinweis, man solle (hier paraphrasiert zusammengefasst) nicht über jedes Stöckchen springen (fb.com/ob.boris.palmer, 8. April).

Davon abgesehen ist es selbstredend legitim, Kritik zu äußern: Sei es auf der Bundestagsebene beispielsweise die CSU, die von Storch zu Rückgabe von Bundestagsmandat (Focus, 9. April) aufffordert, oder seien es Nutzer auf Twitter wie beispielsweise @destaeln

oder @Bock_ator

Gleichzeitig sei aber noch einmal auf die Redewendung "Auf einem Auge blind" hingewiesen, die sich beispielsweise daran zeigt, dass Kritik bzw. Instrumentalisierung keine absoluten Maßstäbe sind, sondern relative, siehe z.B.

Noch deutlicher wird dies insbesondere an Aylan Kurdi:

Ein mögliches verbindendes Element zwischen "Münster" und dem "totem Jungen am Strand" (siehe die Überschrift des Kölner Stadtanzeigers zuvor) kann ein Mädchen aus Schweden sein Girl, 11, killed in the Stockholm terror attack as she walked home is named as Ebba Åkerlund (Daily Mail, 11. April 2017) Über die Gründe für die Unterschiede in der medialen Präsenz lässt sich wohl trefflich diskutieren, aber im Tagesspiegel wird mit Datum 28. Mai 2017 ein Aspekt erwähnt, der mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen ist (insbesondere im direkten Vergleich mit Aylan Kurdi):

"Es gibt ein Foto des toten Kindes, das so grausam ist, dass nur wenige Medien es brachten. Ebba Akerlund wurde in drei Teile zerrissen."
Martenstein über den Terror – In Zukunft werden vermutlich häufiger gezielt Kinder angegriffen

Über andere Aspekte oder gar "Mysterien im Fall Aylan", z.B. die Art, wie Ertrunkene an Land gespült werden, machen sich Medien Gedanken, die nach eigenem Bekunden den "Mut zur Wahrheit" haben und hier bislang nicht verlinkt wurden.

Ansonsten sei abschließend auf den Autorenblog Achse des Guten alias AchGut verwiesen, wo sich beispielsweise Oliver Zimski am 30. August 2017 grundsätzliche Gedanken über Das Versagen der Kunst: Die Willkommens-Surfer macht und dabei auch auf Ali Weiweis Aktion am Strand von Lesbos eingeht. Gut sechs Wochen zuvor, am 14. Juli 2017, machte sich Rainer Grell an gleicher Stelle Gedanken über die Macht der Bilder ("Wenn die Bilder Feuer fangen"), wo er ebenfalls nicht ohne Verweis auf Aylan Kurdi auskam.

Update 13. April
Ungeachtet der Bewertung der in diesem Wortbeitrag kritisierten Polizeitaktik symbolisiert das Fundstück von Twitter ganz gut, dass die Instrumentalisierung von Toten bzw. Todesfällen keine exklusive Maßnahme von nur einer Seite ist: