Zum Buch vom Sarrazin

Bei Büchern, die voraussichtlich kontrovers diskutiert werden, ist es sicherlich sinnvoll, von Anfang an, auf klare, unmissverständliche Aussagen zu setzen.

Andernfalls gibt es Tweets wie diesen:

Screenshot eines Tweets von @kelghazzali vom 4. September mit Kritik an T. Sarrazin

Augenscheinlich liegt der Konflikt in dem Umstand, dass @kelghazzali auf den Geburtsort abstellt, während T. Sarrazin auf den Ort des wissenschaftlichen Wirkens.

Sichtbar wird das an den verlinkten Wikipedia-Artikeln:

  • Ahmed Zewail (* 1946 in Damanhur, Ägypten, † 2016 in Pasadena, USA): Studium an der Universität von Alexandria, Promotion an der University of Pennsylvania, Post-Doktorand an der University of California, ab 1976 am California Institute of Technology (Caltech), dort später Professor
  • Aziz Sancar (* 1946 Savur, Türkei): Studium an der Universität Istanbul, Promotion an der University of Texas at Dallas, ab 1982 Professor an der University of North Carolina at Chapel Hill (School of Medicine)

Und dann finden in den Social Media Urteile wie dieses, das sicherlich auch punktuell Ansatzpunkte für Kritik bietet (z.B. bei dem Punkt, "ähnliche inhumane Phasen" in einem größeren Kontext zu erfassen), aber durch den größeren Ansatz eben auch anders gewogen wird:

Ich habe mir in den letzten Tagen das erste Viertel davon zu Gemüte getan.
Es ist mir vollkommen unverständlich, wieso dagegen dermaßen auf emotionaler Ebene angekämpft wird.
Es ist in sich widersprüchlich, es bleibt in vielem Belege schuldig. Sarrazin wirft seinen Gegnern vor, Sachverhalte zu verzerren und zu naiv wahrzunehmen, hat aber keinerlei Zweifel an seinen eigenen Schlüssen.
Er ignoriert gesellschaftliche Dynamiken, denen jedes Zeitalter unterworfen ist.
Er unterlässt es, ähnliche inhumane Phasen außerhalb des Islams zu untersuchen.
Er unterschlägt, dass zum Humanistischen Weltbild heutiger Tage im Westen ja auch eine lange Entwicklung nötig war, die immer wieder von Rückschlägen gebeutelt wurde.

Kurz: Das Buch ist, auch ohne tiefere Kenntnisse der Ereignisse, die er in dem Buch beschreibt, schon allein auf logischer Ebene sehr angreifbar. Wenn die Sachliche noch dazu kommt, dürfte von dem Werk nicht viel übrig bleiben.

Ich habe langsam den Verdacht, dass die ganze Schreierei wegen des Buches eine ziemlich perfide Verkaufsmasche ist und die sich alle Abends beim Italiener die Kante geben.
Auf meine Kosten.

Das passiert mir nicht noch mal.

Aber vielleicht ist das auch nur der Vergleich "Apfel – Birne", weil in dem Twitter-Fall die Zeichenzahl limitiert ist und in dem anderen Fall im Vergleich dazu ein wahre "Bleiwüste" entstanden ist.

PS: Ansonsten sei noch auf den Blog-Beitrag „Uni, Algebra, Medizin – und sogar die Brille“ vom 21. März 2018 verwiesen, dessen Aufhänger ein Tweet des Bento-Nachrichtenchefs Marc Roehlig zu Matthias Matussek ist.